Der große Unterschied zwischen Zwanziger und Niersbach

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Am morgigen Freitag will der Anwalt von Theo Zwanziger mit der Staatsanwaltschaft telefonieren. Alles deutet darauf hin, dass man sich im sogenannten Sommermärchen-Prozess auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer geringen Geldauflage einigen wird. Wie schon bei Wolfgang Niersbach der Fall, der am 26. Verhandlungstag allerdings gar nicht gut wegkam.

Der Sommermärchen-Prozess wird für Theo Zwanziger wohl ein gutes Ende finden.

Der Sommermärchen-Prozess wird für Theo Zwanziger wohl ein gutes Ende finden. picture alliance/dpa/dpa/POOL

Aus der vorgeschlagenen Einstellung des Verfahrens gegen Theo Zwanziger wurde zunächst nichts, weil die Staatsanwaltschaft mit dem Vorschlag der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt am Main, die eine Geldauflage von 5000 Euro vorsah, nicht einverstanden war und ihrerseits 25.000 Euro forderte. Gegen die gleiche Summe war im vergangenen August das Verfahren gegen Wolfgang Niersbach eingestellt worden.

Niersbachs Ausführungen waren eines ehemaligen DFB-Präsidenten unwürdig.

Richterin Eva-Marie Distler

Eine Geldauflage in einer ähnlichen Größenordnung halten aber weder das Gericht noch Zwanziger selbst für angemessen. "Das Verhalten von beiden war vor Gericht völlig unterschiedlich", betonte die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler. Während sich Zwanziger detailliert zu allen ihm bekannten Vorgängen äußerte, trug Niersbach auch  im Zeugenstand, in dem er nach der Einstellung des Verfahrens gegen ihn aussagte, nichts zur Aufklärung bei. "Seine Ausführungen waren als peinlich zu bezeichnen und eines ehemaligen DFB-Präsidenten unwürdig", kritisierte Distler.

In die gleiche Kerbe schlug Zwanziger in seinem Schlusswort: "Wir waren mal gute Freunde. Indem er mich ausgegrenzt hat, fügte er dem DFB großen Schaden zu. Ich hätte nicht damit leben können, mit einem DFB-Präsidenten gleichgesetzt zu werden, der ein Schönwetter-Präsident war."

Davon ist jetzt keine Rede mehr. Das Gericht schlägt nun vor, die Geldauflage für Zwanziger auf 10.000 Euro zugunsten der Kinderherzstiftung anzupassen, womit sowohl der 79-Jährige als auch die Staatsanwaltschaft einverstanden sein dürften. Spätestens am 14. April, dem nächsten Verhandlungstag, wird wohl die Einstellung des Verfahrens verkündet werden.

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Während die Staatsanwaltschaft dem Einstellungsvorschlag der Kammer bis auf die Höhe der Geldauflage im Fall von Zwanziger folgt, sieht sie dies in Bezug auf den Nebenbeteiligten DFB anders. Oberstaatsanwalt Jesco Kümmel sprach im Zusammenhang mit der Überweisung von 6,7 Millionen Euro an die FIFA im April 2005 von "Unsicherheiten bei der Mittelverwendung". Insgesamt stellt aber auch er fest, dass aufgrund des Todes zahlreicher Zeugen wie Franz Beckenbauer, Robert Louis-Dreyfus, Robert Schwan, der großen Erinnerungslücken bei Niersbach, Fedor Radmann und Co. sowie der Tatsache, dass der Empfänger der Überweisung im Jahr 2002, Mohamed bin Hammam, nicht bereit ist, mit der Justiz zu kooperieren, "eine Aufklärung nahezu unmöglich erscheint".

Louis-Dreyfus hatte Beckenbauer 2002 ein Darlehen gewährt, das nach den Worten des Gerichts "als Schmiergeld" für einen finanziellen Zuschuss zur WM 2006 in Deutschland gedacht war. Ein Jahr vor dem "Sommermärchen" überwies der DFB den Betrag samt Zinsen an die FIFA, die ihn direkt an Louis-Dreyfus weiterleitete.

Vorwurf Steuerhinterziehung um 11 Mio. reduziert

Weil der DFB das Geld in seiner Steuererklärung 2006 als Betriebsausgabe geltend machte, wurden Zwanziger, Niersbach und Horst R. Schmidt wegen schwerer Steuerhinterziehung in Höhe von 13,7 Millionen Euro angeklagt. Das Verfahren gegen Schmidt wurde aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt. Für den DFB hatte es die Aberkennung der Gemeinnützigkeit und Steuernachzahlungen von mehr als 20 Millionen Euro zur Folge. Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte, geht sie nur noch von einer Steuerverkürzung in Höhe von 2,7 Millionen Euro aus. In diesem Zusammenhang ist auch ein Verfahren vor dem Finanzgericht Kassel anhängig.

Michael Ebert

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