JD Vance erzählt in seinem Buch »Communion« eindrucksvoll von seinem Weg zum Katholizismus. Aber wenn er zum christlichen Staatsmann werden will, tauchen Probleme auf.
20. Juni 2026, 14:03 Uhr
Es gibt Geistesmenschen und es gibt Tatmenschen. Diese Unterscheidung ist unter den vielen Gegensatzpaaren, mit denen die deutsche Geistesgeschichte geistige Tiefe und Weltgestaltung in den Widerspruch bringt, vielleicht die wirkmächtigste. Sie macht es zur Wesensfrage, ob man Dichter und Denker oder Politiker und Kaufmann wird. Und sie ordnet diesen Professionen zugleich unterschiedliche Weltverhältnisse zu: Der Geistesmensch will die Welt verstehen; der Tatmensch will sie verändern; der Geistesmensch sucht nach Sinn und Wahrheit; der Tatmensch nach Nutzen und Gewinn; jener denkt prinzipiengeleitet, dieser strategisch. Vielleicht erklärt sich aus dieser Denktradition die besondere, jetzt schon mehrere Jahre andauernde Faszination des deutschen Feuilletons für die Person J. D. Vance. Denn bevor er Politiker wurde (2021 erst Senator von Ohio, dann Vizepräsident der zweiten Regierung Trump), war Vance in den Augen der Öffentlichkeit in den USA und in Deutschland Autor eines feinsinnigen, literarisch ambitionierten Buches: Hillbilly Elegy. Es ist zugleich Memoir, Familiengeschichte und Studie jenes prekären, weißen Arbeitermilieus, das sich 2016, just im Erscheinungsjahr des Buches, als weltgeschichtliche Kraft erwies, indem es Donald Trump erstmals ins Weiße Haus verhalf. Die politische Erschütterung der ersten Trump-Wahl verursachte eine reißende mediale Erklärungssehnsucht, aus der sich für Vance eine kurze Karriere als public intellectual ergab, ehe er vom Erklärer zu einer wiederum erklärungsbedürftigen Figur wurde: Er, der Trump zuvor scharf kritisiert hatte, trat plötzlich an dessen Seite und an die Spitze der Macht.

vor 7 Stunden
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