Collien Fernandes
»Ich wollte hier herauskommen und stark sein, aber ich schaff's gerade nicht. Ich glaube, dass insgesamt oft unterschätzt wird, was das mit einem macht. Was das bedeutet, auf der emotionalen Ebene. Und ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste und mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme. Weil Männer, zu 100 % Männer, mich killen wollen.«
Mit ihrem Auftritt hatte am Donnerstag eigentlich keiner mehr gerechnet. Collien Fernandes spricht auf der Bühne einer Demonstration in Hamburg für den Schutz von Opfern sexualisierter Gewalt. Ursprünglich hatte sie ihre Teilnahme aus Sicherheitsbedenken abgesagt.
Seit nun einer Woche diskutiert eine breite Öffentlichkeit über das Thema Gewalt gegen Frauen. Auslöser der aktuellen Debatte ist eine SPIEGEL-Recherche. Darin geht es unter anderem um schwere Vorwürfe, die Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, erhebt.
Der SPIEGEL hat Ulmen einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt. Er selbst äußerte sich nicht dazu. Ulmens Anwälte sprechen im Zusammenhang mit den Vorwürfen unspezifisch von »unwahren Tatsachen«. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Das Bündnis »Es reicht!« rief in Hamburg zum Protest. Gekommen sind Tausende.
»Und wie wütend bist du?«
»Solide 12 von 10 würde ich sagen.«
»Sau wütend, wirklich, richtig wütend. Ich konnte seit Tagen nicht mehr richtig schlafen. Und ich finde es so stark von Collien, dass sie uns Frauen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, so den Weg bereitet, dass wir uns auch trauen, in die Öffentlichkeit damit zu gehen.«
»Ich bin selbst betroffen und heile immer noch davon und dementsprechend schon sehr, sehr lange, aber dass jetzt alle hier zusammenstehen, gibt mir natürlich Mut und Zuversicht.«
»Unsere Aufgabe als Männer nicht nur aufzustehen und Solidarität zu bekunden, sondern jetzt aus diesem Moment des kollektiven Holy Fuck, was natürlich schon viel zu spät ist, was zu machen.«
Für die Menschen auf der Demo ist offenbar klar, dass es sich bei dem Thema nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein strukturelles Problem.
Collien Fernandes
»Lasst uns gemeinsam die Mauern des Schweigens einreißen. Vielen Dank!«

vor 1 Stunde
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