Champions League: FK Bodø/Glimt eliminiert Inter Mailand, auch Bayer Leverkusen weiter

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Verlängerte Winterspiele: 18 Goldmedaillen, zwölfmal Silber, elfmal Bronze: Norwegens Olympia-Team reiste mit großen Hoffnungen zu den Winterspielen nach Mailand, kehrte mit der größten Medaillen-Ausbeute aller Nationen heim. Dass es für die skandinavische Sportnation noch eine Zugabe geben würde, hatte keiner erwartet.

 Bodø/Glimt verteidigte den eigenen Strafraum gewissenhaft

Alles voll: Bodø/Glimt verteidigte den eigenen Strafraum gewissenhaft

Foto: Piero Cruciatti / AFP

Doch der FK Bodø/Glimt, vermeintlich ein obskurer Fußball-Zwerg ohne Stars, schaffte das so Unwahrscheinliche: 3:1 im Hinspiel gegen Inter gewonnen, 2:1 im Rückspiel – im Fußballtempel San Siro, in dem noch vor knapp drei Wochen das Olympische Feuer entzündet und US-Vizepräsident JD Vance ausgebuht wurde. Nun wurde die Arena also Schauplatz einer der größten Fußball-Sensationen des 21. Jahrhunderts: Der Vorjahresfinalist ist raus aus der Champions League, der Gästeblock feiert. Mit Bodø rumschlagen muss sich im Achtelfinale nun entweder der Lissaboner Sporting Clube de Portugal oder Manchester City. Pep Guardiolas Elf unterlag den Norwegern schon in der Vorrunde.

Die Ergebnisse: Jenseits vom Bodø-Wahnsinn blieb das Drama aus. Atlético Madrid feierte einen Favoritensieg über den FC Brügge, gewann 4:1 (1:0). Bayer Leverkusen schaukelte das Weiterkommen gegen Olympiakos Piräus mit einem 0:0 nach Hause, Newcastle United gewann gegen Qarabağ FK 3:2 (2:0).

Vier gewinnt: Die Ketchupflasche des Weltfußballs hört auf den Namen Alexander Sørloth. Norwegen, Niederlande, Dänemark, England, Belgien, Türkei, Bundesliga (Leipzig!), Sørloth ist rumgekommen. Sein Glück gefunden hat der 1,95-Meter-Koloss in Spanien, in La Liga ist er für seine Viererpacks bekannt. 2024 glückte Sørloth dieses Kunststück gegen Real Madrid, damals in Diensten von Villarreal. Atlético Madrid verpflichtete den Norweger vom Fleck weg, 2025 legte er einen Viererpack gegen Real Sociedad nach. Und 2026?

 Alexander Sørloth

Jubelt gerne häufiger: Alexander Sørloth

Foto: Violeta Santos Moura / REUTERS

Drei auch: Hatte Sørloth schon wieder die Chance. Nach dem 3:3 im Hinspiel wollte es Atlético sich beweisen, Sørloth gab nach langem Abschlag von Jan Oblak den Startschuss und nutzte einen Torwartfehler von Simon Mignolet (23. Minute). Frei vor dem Tor legte Atletis Sturmkoloss tief in Hälfte zwei nach, traf zum zwischenzeitlichen 3:1 (76.) und wuchtete spät noch eine Direktabnahme rein (87.). Der Viererpack blieb diesmal aus, weil Mitspieler Marcos Llorente kurz vor Spielende versäumte, auf Sørloth querzulegen (90.). Das Achtelfinale war da schon in trockenen Tüchern, als Gegner kommen nun Tottenham Hotspur oder der FC Liverpool in Frage.

Fjordsetzung folgt: Ebenjener Sørloth verbrachte übrigens als 18-Jähriger mal eine Saison beim kleinen norwegischen Erstligisten FK Bodø/Glimt. Heute ist der Club vom Polarkreis ein großer norwegischer Erstligist – und schien seit einer Woche auf dem besten Weg unter die besten 16 Mannschaften Europas. Eigentlich steckt Bodø schon seit Monaten in der Winterpause, zu einer 3:1-Demontage im Hinspiel gegen Inter Mailand auf dem heimischen Kunstrasenplatz hatte es trotzdem gereicht. Es blieb die Frage, ob sich diese Form auch ins San Siro übertragen ließe.

Auf den Hauge, aus dem Sinn: Lange machte Bodø aus der Partie eine Schlacht. Inters DFB-Verteidiger Yann Aurel Bisseck tauchte schon einmal auf der rechten Außenbahn oder links im Strafraum auf, so sehr versuchten die Italiener ihre Gäste mit Offensivdrang zu erdrücken. Aber die Norweger verteidigten wacker – und wurden erlöst vom Sekundenschlaf des Manuel Akanji: Der Schweizer verlor unter dem Druck zweier Bodø-Stürmer erst den Kopf und dann den Ball, als er einen fahrigen Rückpass spielte. Über Umwege bekam Jens Petter Hauge die Kugel auf den Fuß, und der Spielmacher, der als Jungprofi mal bei Inter-Rivale AC Milan anheuerte, erzielte sein sechstes Tor der Champions-League-Saison.

Jens Petter Hauge (rechts) im Zweikampf mit Inters Petar Sučić

Jens Petter Hauge (rechts) im Zweikampf mit Inters Petar Sučić

Foto: Luca Bruno / AP

Hilflos ohne den Talisman: Inter kassierte gar noch das 0:2 durch Håkon Evjen (72.), Alessandro Bastonis Anschlusstreffer kam zu spät (76.). 30 Schüsse gab Inter ab, gefährlich wurde kaum einer. Top-Stürmer Lautaro Martínez schaute hilflos zu: Inters Kapitän fehlte mit einer Muskelverletzung. Bis zur Genesung soll es lang nicht mehr dauern, Martínez wird sich dann auf die Serie A und den erhofften Scudetto-Gewinn konzentrieren dürfen.

Die Torfabrik Europas: Eigentlich ist Newcastle United nur ein Premier-League-Team, das eine mittelmäßige Saison spielt und mit Nick Woltemade und Malick Thiaw zwei deutsche Nationalspieler beschäftigt. Doch in der Champions League ist Newcastle in dieser Saison tatsächlich das torgefährlichste Team Europas. Neun Tore in zwei Spielen gegen den überforderten Außenseiter Qarabağ, im Hinspiel deklassiert, im Rückspiel schon nach sechs Minuten 0:2 zurück, halfen dieser Statistik nicht unwesentlich. Gegen Chelsea FC oder den FC Barcelona wird Newcastle im Achtelfinale selbst der Außenseiter sein.

Das Werk ist vollbracht: Gut für die Bundesliga und die Hoffnung auf einen fünften Champions-League-Startplatz: Bayer Leverkusen ist weiter. Über das Rückspiel gegen Olympiakos wird schon übermorgen niemand mehr sprechen. Dafür aber über das Achtelfinale (Hinspiele am 10./11. März): Als Gegner wartet dort der FC Arsenal – oder der FC Bayern München. Gegen die Bayern muss die Werkself bereits im Pokal-Halbfinale (21. oder 22. April) antreten.

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