Lamine Yamal beim Torjubel: Bemerkenswerter Auftritt gegen Newcastle
Foto: Albert Gea / REUTERSDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Der Zauberlehrling: Lamine Yamal wird zurecht gefeiert für waghalsige Tricks und magische Dribblings. Aber manchmal merkt man dem Angreifer des FC Barcelona an, dass er erst 18 Jahre alt ist. Im Champions-League-Rückspiel gegen Newcastle United gab es so einen Moment. In der 28. Minute versuchte er nahe dem eigenen Strafraum einen Konter einzuleiten, er probierte das mit einem Hackenpass. Die Idee war fragwürdig, die Ausführung unsauber, der Ball landete beim Gegenspieler. Und kurz darauf in Barcelonas Tor. 2:2 stand es damit, Barças Führung war dahin, die Frage, wer es ins Viertelfinale schaffen würde, wieder offen.
Das Ergebnis: Aber nicht lange. 7:2 (3:2) hieß es nach 90 Minuten, damit ist Barcelona weiter. Das Hinspiel in Newcastle war 1:1 ausgegangen. Dass Barça so klar gewann, hat es auch Lamine Yamal zu verdanken.
Der Drehpunkt: Es dauerte keine sechs Minuten, da deutete Yamal an, welch Ausnahmespieler er jetzt schon ist. Er löste sich von seinem Bewacher, DFB-Verteidiger Malick Thiaw, und wandte sich um diesen herum. Damit wurde aus einer Ballbesitzphase ein Angriff, an dessen Ende Fermín López das 1:0 erzielte (6.). Ähnlich sollte es später immer wieder laufen: Yamal, der von seiner eigentlichen Position rechtsaußen nach innen schlich, um zwischen Newcastles Linien den Ball zu erhalten. Und dann drehte sich der Spanier um seine Gegenspieler und leitete Angriffe ein. Die Engländer fanden 90 Minuten lang kein Gegenmittel.
Halbzeit der Wendungen: Zumindest in der ersten Hälfte konnte Newcastle offensiv punkten. Linksverteidiger Lewis Hall leitete über die Außenbahn das 1:1 von Anthony Elanga ein, und zwar derart eindrücklich, dass Barcelonas Trainer Hansi Flick wenig später Halls Gegenspieler, Éric García, auswechselte (15. Minute). Auf das 2:1 von Barcelona, erzielt von Marc Bernal nach einer Freistoßflanke (18.), fand der Tabellenneunte der Premier League ebenfalls eine Antwort; Elanga traf nach Yamals Hackenfehlpass. Aber danach spielte nur noch eine Mannschaft.
Dan Burn im Duell mit Robert Lewandowski
Foto: Mike Egerton / PA Wire / dpaDer fliegende Engländer: Newcastles Thiaw vertändelte den Ball in der eigenen Hälfte, ein Aussetzer dieser Güte führt in der Champions League ziemlich sicher zu einem Tor. Zu Thiaws Glück verteidigt aber nicht irgendjemand neben ihm, sondern Dan Burn. Burn, 33, 2,01 Meter groß, sieht aus, wie englische Verteidiger in den Neunzigerjahren aussahen, aber sein Stellungsspiel war in diesem Moment zeitlos gut. Erst hielt er Raphinha in Schach, bis dieser lieber auf Robert Lewandowski passte. Darauf aber hatte Burn gewartet, er stürmte los, drückte sich vom Boden ab und sprang mit ausgestrecktem Bein zwischen Lewandowski und das Tor. Mit dieser Monstergrätsche erwischte er den Ball und verhinderte damit wohl Barcelonas Treffer (40.). Aber diese erste Hälfte war noch nicht vorbei.
Fehlschuss, Traumpass, Tor: Nach einem Schuss von Barcelonas Raphinha prallte der Ball Yamal vor die Füße, von der Fünfmeterraumlinie setzte ihn dieser deutlich über das Tor. Er musste mit seinem schwächeren rechten Fuß schießen (45.+2). Sekunden später leitete Yamal sein eigenes Tor ein, er tat dies mit einem Zauberpass. Per Außenrist spielte er den Ball in die Tiefe, kurz darauf gab es einen Strafstoß, Kieran Trippier hatte Raphinha gefoult. Diese Gelegenheit ließ sich Yamal nicht entgehen.
Doppeltorschütze Lewandowski
Foto: Joan Monfort / APTeure Zuschauer: Am Donnerstag verkündet Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader für die anstehenden Länderspiele, die Nominierung gilt als Fingerzeig in Richtung WM, und Nick Woltemade wird ziemlich sicher dabei sein. In Barcelona musste der Angreifer zuschauen. Wie so oft in letzter Zeit stand er nicht in der Startelf, er wurde nicht einmal eingewechselt. Auch das erklärt Uniteds schwache Saison. Woltemade sowie Yoane Wissa, ebenfalls Stürmer und in Barcelona außen vor, kamen im Sommer für zusammengenommen rund 140 Millionen Euro, aber keiner von ihnen hat bislang den nach Liverpool gewechselten Alexander Isak ansatzweise ersetzen können.
Robert Lewangoalski: Dieses missglückte Wortspiel erfand einst Thomas Müller, damals spielten sie beide gemeinsam beim FC Bayern. Jahre später ist Müller in Vancouver, Lewandowksi aber erzielt noch immer Tore in der Champions League. Nach einer Ecke gelang ihm das 5:2, kurz darauf schoss er Barcelonas sechstes Tor. Vorausgegangen war diesem Treffer ein Pass von Yamal. Er hatte sich ins Mittelfeld geschlichen und sich dort um Dan Burn gedreht.
So geht es weiter: Newcastle erlebt eine freudlose Spielzeit, in der Premier League wird sich das Team von Trainer Eddie Howe wohl höchstens noch für die Europa League qualifizieren. Barcelona kann sowohl Meister werden als auch die Königsklasse gewinnen. Mit einem Lamine Yamal in Topform ist das sicher möglich. Aber bis dahin ist der Weg weit. Im Viertelfinale trifft das Flick-Team auf den Sieger des Duells zwischen Tottenham Hotspur und Atlético Madrid sein. Am Abend versuchen die Spurs in London, das 2:5 aus dem Hinspiel aufzuholen.

vor 2 Stunden
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