BVB-Aus in der Champions League Hacke, Blut, Strafstoß - Dortmunds fataler letzter Akt
In der finalen Aktion der Partie in Bergamo flog Borussia Dotmund aus der Champions League. Ramy Bensebaini war an gleich drei Gegentreffern beteiligt und vorn spielte der falsche Serhou Guirassy.
25.02.2026, 21.08 Uhr
Bensebainis entscheidender Tritt
Foto: Piero Cruciatti / AFPDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Dortmund muss nur die Anfangsphase überst …: Mit einem 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel reiste Borussia Dortmund zum Rückspiel der Playoffs der Champions League nach Bergamo. Das erwartete Szenario: Im engen Stadion würden die Gastgeber furios beginnen, um das Duell mit einem frühen Treffer wieder offen zu gestalten. Das wusste auch BVB-Trainer Niko Kovač und warnte seine Spieler: »Wir müssen uns von der ersten Minute an strecken«. Die Idee: Die ersten Wellen klug abprallen lassen und die Partie allmählich beruhigen. So weit die Theorie. Die Praxis: Atalanta-Torjäger Gianluca Scamacca erzielte bereits in der 5. Minute das 1:0 für die Gastgeber. Statt Luft aus der Partie lassen gab es nun mehr als 90 Minuten rauf und runter.
Ergebnis: Atalanta hat Borussia Dortmund 4:1 (2:0) besiegt und zieht damit ins Achtelfinale der Champions League ein.
Repressionen und Fan-Boykott: Weil zahlreiche BVB-Fans durch Maßnahmen der Bundespolizei »aus fadenscheinigen Gründen an dem Besuch des […] Spiels gehindert« worden seien, boykottierte der Großteil der aktiven Fanszene der Dortmunder das Spiel. Auch in Bergamo selbst ging die Polizei gegen Anhänger vor. Die Clubführung zeigte für das Fernbleiben Verständnis, die Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen in Bergamo passe nicht, so Geschäftsführer Lars Ricken. Auch die Atalanta-Anhänger solidarisierten sich mit Plakaten. Beim übertragenden Sender »Dazn« wollte man lieber nicht zu sehr in die Kritik rund um das Produkt Champions League und die abwesenden Fans einsteigen: »Wir werden nichts vermissen in atmosphärischer Hinsicht«, jubelte Kommentator Jan Platte vor Anpfiff. Na dann.
Mario Pasalic: Der in Mainz geborene Kroate bejubelt den dritten Treffer der Gastgeber
Foto: Spada / APErste Hälfte: Nach Vorlage des Ex-Schalkers Sead Kolasinac zwang Nicola Zalewski mit seinem Schuss BVB-Torhüter Gregor Kobel zu einer ersten Parade (4. Minute). Dann lenkte Ramy Bensebaini den Ball unglücklich zu Scamacca und der 27-Jährige traf zur frühen Führung der Gastgeber. Dann vergaben erst Zalewski (24.), dann Julian Brandt (29.) beste Chancen, weil beide Torhüter exzellent reagierten. Unglücklich dann das 2:0: Jobe Bellingham griff Davide Zappacosta nicht entscheidend an und dessen Schuss aus 18 Metern wurde von Bensebaini entscheidend abgefälscht. Dieses Mal war Kobel ohne Chance (45.). Offensiv blieben die Dortmunder in den ersten 45 Minuten nahezu wirkungslos, defensiv bot das Team trotz der Rückkehr von Kapitän Emre Can entschieden zu viele Ungenauigkeiten.
Karim Adeyemis Treffer sollte nicht genügen
Foto: Alberto Pizzoli / AFPZweite Hälfte: Das Ergebnis des Hinspiels war nun egalisiert – und Atalanta wollte den wankenden Boxer BVB auf die Bretter schicken. Mario Pasalic (50.) und Marten de Roon (51.) hatten gute Situationen, aber Kobel verhinderte gleich doppelt das 0:3. Doch auch die Gäste waren nun endlich gefährlich: Erst scheiterte Serhou Guirassy am glänzend reagierenden Marco Carnesecchi (49.), dann vergab Maximilian Beier aus kurzer Distanz eine große Gelegenheit. Sein Schuss aus halbrechter Position Richtung langes Eck landete nur am Pfosten (54.). Es ging nun in atemberaubendem Tempo hin und her. De Roon flankte, Pasalic war am Fünfmeterraum viel zu frei und traf per Kopf zum 3:0 (57.). Ein unhaltbarer Linksschuss des eingewechselten Karim Adeyemi brachte den BVB zurück ins Spiel (75.). Die größte Gelegenheit zur Entscheidung in der regulären Spielzeit vergab vermeintlich Lazar Samardzic, dessen Schuss nur knapp links vorbeiging (82.). Doch eine Szene hatte die Partie noch...
Der letzte Akt: Kobel spielte tief in der Nachspielzeit einen völlig überflüssigen Fehlpass. Pasalic flankte vors Tor, wo Bensebaini per Hacke klärte, dabei seinen Gegenspieler Nikola Krstovic aber auch im Gesicht traf. Bensebaini sah Gelb-Rot, auf der Bank handelte sich Nico Schlotterbeck noch Rot ein und Samardzic setzte den Strafstoß überragend unter die Latte (90.+8). Krstovic blutete und blutete, Atalanta jubelte und jubelte und der BVB hatte zum erst dritten Mal bei den vergangenen 13 Teilnahmen das Erreichen des Achtelfinals in der Königsklasse verpasst.
Fassungslose BVB-Spieler nach dem Ausscheiden
Foto: Federico Gambarini / dpaDer falsche Guirassy: Dortmunds Angreifer Serhou Guirassy hat in dieser Spielzeit schon schwere Wochen durchstehen müssen. Im Februar aber, da gelang ihm bislang fast alles. Sechs Treffer hat er bereits erzielt, Tor Nummer sieben wäre an diesem Abend in Bergamo dringend geboten gewesen. Doch auch nach der vergebenen Großchance in der 49. Minute sorgte der Angreifer für Haareraufen auf der Bank des BVB. In der 74. Minute wurde er perfekt freigespielt, schoss sich aber aus bester Lage selbst an. In der 80. Minute kam er nach einer Hereingabe einen Schritt zu spät.
Italien kann es doch noch: Neapel als 30. in der Ligaphase gescheitert, Inter Mailand von einem Provinzklub aus Norwegen eliminiert und Juventus bei Galatasary 2:5 unter die Räder gekommen - die Serie A hat in dieser Champions-League-Saison mehr Frage- als Ausrufezeichen produziert. Ausgerechnet der Ligasiebte Atalanta hat das nun korrigiert.
So geht es weiter: Im Achtelfinale wartet auf Atalanta einer der beiden Topklubs der Ligaphase, der FC Arsenal oder der FC Bayern München. Sollten es die Münchner werden, dann kann man sich den nächsten Gegner bereits am Samstag am TV anschauen: Dann kommt es in Dortmund ab 18.30 Uhr zum Bundesligatopspiel zwischen dem Zweiten BVB und dem Ersten FC Bayern. Das Achtelfinale der Königsklasse wird zwischen dem 10. und 18. März ausgetragen.

vor 2 Stunden
1










English (US) ·