Bundesanwaltschaft: Iranische Agenten sollen Mord an Volker Beck vorbereitet haben

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Zwei Männer sollen ein Attentat auf den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft geplant haben. Auch Zentralratspräsident Schuster sollen sie ausgespäht haben.

Quelle: DIE ZEIT, KNA, dpa, epd, AFP, Reuters, Aktualisiert am 21. Mai 2026, 16:01 Uhr

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 Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, soll Zielperson eines vom Iran beauftragten Mordkomplotts gewesen sein.
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, soll Zielperson eines vom Iran beauftragten Mordkomplotts gewesen sein. © Bernd Elmenthaler/​imago images

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen zwei mutmaßliche iranische Agenten erhoben, die Mordanschläge in Deutschland vorbereitet haben sollen. Demnach haben sie geplant, den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck (Grüne), ermorden zu lassen. Auch sollen sie Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, ausgespäht haben.

Dem Dänen Ali S. würden geheimdienstliche Agententätigkeit, Agententätigkeit zu Sabotagezwecken und der Versuch der Beteiligung an Verbrechen des Mordes und der schweren Brandstiftung vorgeworfen, teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Seinem mutmaßlichen Komplizen, dem Afghanen Tawab M., werde darüber hinaus die versuchte Beteiligung an einem Mord zur Last gelegt. Zuvor hatte der Spiegel darüber berichtet. Dessen Bericht zufolge wollten die Angeklagten neben Beck auch Schuster töten.

Bundesanwaltschaft spricht von konkreten Mordplänen gegen Beck

Der im vergangenen Sommer in Dänemark festgenommene Ali S. »arbeitet für den Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarde und unterhält enge Kontakte zu deren Spezialeinheit Quds-Kräfte«, heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft

Anfang 2025 habe er den Auftrag erhalten, Informationen über Schuster und Beck einzuholen. Auch sollte er demnach zwei jüdische Lebensmittelhändler in Berlin ausspionieren. »All dies diente der Vorbereitung von Mord- und Brandanschlägen in Deutschland«, heißt es in der Mitteilung weiter. Laut Berichten des Spiegels und der ARD aus vergangenem Sommer soll S. auch den Sitz der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ausgespäht haben.

Dem Auftrag folgend habe S. »diverse Orte« in Berlin ausgespäht und Komplizen für Anschläge gesucht. Dabei habe er im Mai 2025 Kontakt zu Tawab M. aufgenommen. Dieser sei bereit dazu gewesen, einem unbekannten Dritten eine Waffe zu verschaffen und ihn zu einem Mordanschlag auf Beck anzustiften. 

Beck fordert Ausweisung iranischen Botschafters

Die Anklage wurde vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts in Hamburg erhoben. Der im Juni festgenommene S. und der im November 2025 ebenfalls in Dänemark festgenommene M. sind den Angaben zufolge seit ihrer Überstellung nach Deutschland in Untersuchungshaft.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Beck forderte dem Spiegel-Bericht zufolge Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf, als Reaktion auf die Anklage den iranischen Botschafter in Deutschland auszuweisen. »Deutschland darf nicht tatenlos zusehen, wie ausländische Staaten sich hierzulande an die Ermordung von Juden und Israelfreunden machen«, sagte Beck demnach. 

Auch müsse das in Deutschland geparkte Vermögen der Familie des im Irankrieg getöteten ehemaligen iranischen obersten Führers Ali Chamenei eingefroren werden. »Jüdisches Leben und der Einsatz für den jüdischen und demokratischen Staat werden vom Regime der Islamischen Republik Iran auf deutschem Boden mit Ermordung bedroht und angegriffen – immer wieder«, sagte Beck. Das habe für ihn persönlich bereits erhebliche Konsequenzen: »Während des Sommers 2025 stand ich unter besonderem Polizeischutz. Ich konnte noch nicht einmal den Müll allein herausbringen«, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. 

Beck wirft Deutschland Fahrlässigkeit vor

Der Ex-Abgeordnete forderte nicht nur diplomatische Konsequenzen, sondern auch eine bessere Arbeit der deutschen Behörden. Hinweise für die Gefährdung seien von einem ausländischen Geheimdienst gekommen, mutmaßlich dem israelischen. »Das zeigt, dass wir hier besser werden müssen«, sagte Beck. Außenminister Wadephul habe gesagt, man könne auf Informationen israelischer Geheimdienste verzichten. »Ich wäre ohne sie wohl tot«, sagte Beck. »Die deutsche Arroganz hat bei Sicherheitsfragen einfach keinerlei Grundlage.« 

Nach der Festnahme von S. im vergangenen Sommer hatte auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mitgeteilt, die Hinweise seien von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst gekommen. In den Ermittlungen habe man mit mehreren ausländischen Diensten zusammengearbeitet. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf eine vertraute Person, dass daran der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.

Auch die Konferenz der Europäischen Rabbiner reagierte auf das Bekanntwerden der mutmaßlichen Mordpläne. Gady Gronich, der Generalsekretär der Organisation, forderte, die iranische Revolutionsgarde europaweit als Terrororganisation einzustufen und zu verbieten. »Das iranische Regime führt einen systematischen Terrorkrieg gegen Juden, gegen Israel und gegen demokratische Gesellschaften – auch mitten in Europa und auf deutschem Boden«, sagte er. Weiter forderte Gronich: »Sämtliche Finanzierungs-, Tarn- und Einflussstrukturen des iranischen Regimes in Europa müssen kompromisslos offengelegt und zerschlagen werden.«

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