Internationale Medien über »Deutschlands Lieblingswal« Wal-Drama verwundert das Ausland
In Dänemark, Spanien oder Japan stranden Wale viel häufiger als in Deutschland. Dort wundert man sich über die Hysterie um »Timmy«. Das neue Rettungskonzept für ihn wird derzeit noch geprüft.
25.04.2026, 09.09 Uhr
Gestrandeter Buckelwal: Helfer geben nicht auf
Foto: Philip Dulian / dpaIn Deutschland beschäftigt das Wal-Drama viele Menschen – in anderen Ländern gibt es vielfach nur nüchterne Meldungen dazu. Auf Interesse stößt vor allem das große Aufsehen um das Tier hierzulande. Die »New York Times« schrieb von »Deutschlands Lieblingswal« , um den ein Touristen- und Medienspektakel entstanden sei.
Ähnlich ist das Bild in spanischen und portugiesischen Medien. Der Fall sei zu einem »Medienphänomen« geworden, bei dem lokale Nachrichtensender live über »selbst kleinste Veränderungen« des Zustands berichteten, schrieb die spanische Zeitung »El País«. Der staatliche portugiesische TV-Sender RTP verwies auf den Einfluss des »hitzigen« Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern.
Wo häufig Wale stranden, gibt es weniger Aufregung
In Spanien und Portugal stranden viel häufiger Meeressäuger als in Deutschland. Eine verlässliche Statistik gibt es zwar nicht, aber nach Medienberichten dürften es zwischen 20 und 50 pro Jahr sein. Vor allem auf den zu Portugal gehörenden Azoren-Inseln im Atlantik, wo die natürlichen Wanderwege der Tiere verlaufen, werden immer wieder geschwächte oder kranke Tiere angespült.
Dass Wale stranden, ist weltweit gesehen keine Seltenheit. Im Jahr 2009 starben gleich 70 Pilotwale in Hamlin Bay, Australien
Foto: A2800 epa HO/ dpaDie meisten Strandungen betreffen Zwergwale, Pottwale und Delfine. Rettungsaktionen bleiben oft erfolglos, etwa im April 2022, als ein junger Pottwal südlich von Lissabon strandete. Tierschützer, Feuerwehrleute und die Polizei versuchten, das Tier mit Kränen, Planen und Wasser zurück ins Meer zu bringen. Der Wal starb jedoch. Eine Obduktion ergab, dass er krank war.
In Dänemark strandeten allein in diesem Jahr schon mehrere Wale, zuletzt im Februar etwa sechs Pottwale vor der Küste der Nordseeinsel Fanø. Nach Einschätzung der Umweltbehörde lebte mindestens eines der Tiere zunächst noch. Einen Rettungsversuch unternahmen die Dänen nicht. Auch einschläfern wolle man den Wal nicht, hatte die Umweltbehörde in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Forschern zuvor beschlossen.
»Bei Walen, die größer als vier Meter sind, kann dies nicht auf eine ethisch und sicherheitsmäßig verantwortliche Weise passieren«, hieß es. »Deshalb lassen wir den lebenden Pottwal am Strand von Sønderho in Ruhe, damit er friedlich sterben kann.« Wenn Menschen sich ihm näherten, würde das die Situation für den Wal nur verschlimmern, so die Einschätzung der Umweltbehörde im Februar.
Vorgabe: Die Natur soll ihren Lauf nehmen
Auch Buckelwale und andere Arten werden immer wieder vereinzelt vor den Küsten Dänemarks gesichtet, Strandungen kommen in der Regel aber nur relativ selten vor. Gemäß den Vorgaben des dänischen Umweltministeriums für den Umgang mit großen Meeressäugern gilt in dem deutschen Nachbarland generell die Praxis, gestrandete Tiere weder zu töten noch Rettungsversuche zu unternehmen – vielmehr solle die Natur ihren Lauf nehmen.
Auch an den Küsten der Walfangnation Japan strandeten schon häufig Wale. Kurzzeitige Berühmtheit erlangte ein etwa acht Meter langer Wal, der 2023 in der Mündung des Yodo-Flusses in der Millionen-Metropole Osaka gesichtet wurde. Neugierige strömten an die Bucht, um einen Blick zu erhaschen. Das Tier wurde immer schwächer und verendete schließlich. Eine Rettungsaktion gab es nicht.
Verwesungsgestank soll keine Touristen abschrecken
Im Jahr darauf verendete ein etwa 13 Meter langer Wal in der Bucht von Osaka. Laut örtlichem Hafenamt starben alle Wale, die in die Bucht gerieten. »Das Einzige, was wir tun können, ist, im Voraus zu überlegen, wie wir die Kadaver entsorgen«, wurde ein Behördenvertreter zitiert.
Eine private Initiative plant, den Wal in die Nordsee zu bringen
Foto: Bernd Wüstneck / dpaUm die Entsorgung wurde im März auch in Dänemark bei einem am Strand in Nordjütland angespülten Pottwal diskutiert. Anwohner forderten die Behörden der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge auf, den Kadaver zu entfernen. Sie fürchteten demnach, dass er im Sommer durch seinen Gestank Touristen abschrecken könnte. Die Umweltbehörde war gegen einen Abtransport: Der tote Wal könne Möwen und anderen Aasfressern als Nahrung dienen.
Neuer Versuch zur Rettung von »Timmy«
Die Helfer des vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Buckelwals »Timmy« stehen derweil unter zunehmendem Druck. Die Behörden stimmten ihrem neuen Rettungskonzept für den Meeressäuger am Abend nicht zu. Es seien noch immer einige Fragen zu beantworten, sagte ein Sprecher von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD).
Das Tier soll durch eine mehr als 100 Meter lange Rinne von seinem Liegeplatz in tieferes Fahrwasser verbracht werden. Dort soll ein 50 mal 30 Meter großer, mit Wasser gefüllter Lastkahn warten, der den Meeressäuger in Richtung Nordsee schippern soll. Angepeilt ist dafür der Sonntag oder Montag.
Ob das klappen kann, ist jedoch unklar. Die Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Kirsten Tönnies, räumte ein, dass der Transportkahn verspätet vor Poel eintreffen werde. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.
Für die Bucht mit dem gestrandeten Wal wird für Sonntagmittag ein deutlich steigender Wasserstand vorhergesagt. Die Situation werde ähnlich sein wie am Montag, als das Tier nach rund drei Wochen Liegezeit von selbst losschwamm, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Kirchdorf auf Poel. »Es kann auch genauso gut sein, dass der Wal sich wieder losmacht.«
Während der Buckelwal vor der mecklenburgischen Ostseeküste um sein Leben kämpft, ist Minister Backhaus mit melodramatischen Auftritten dabei. Ein Lehrstück über politisches Marketing finden Sie hier .

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