Ein Streit auf hoher See ist tödlich geendet: Zwei Segel-Partner kamen gerade von einer Regatta vor Norwegen, als es wohl zum Streit kam. An dessen Ende trieb ein 71-Jähriger leblos im Wasser. Sein Mitsegler wurde nach sechsmonatigem Prozess nun zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Berliner Landgericht sprach den 66-Jährigen des heimtückischen Mordes schuldig. Er habe seinen langjährigen Freund nach einem Streit zweimal unter Wasser gedrückt. »Er hat den Mann bewusst und gewollt ertränkt«, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Groß.
Die Männer hatten rund zwei Wochen in der Enge auf einem acht Meter langen Trimaran verbracht, als die Situation am 1. August 2024 eskalierte. Was der genaue Anlass für den Streit der beiden Deutschen war, steht nicht fest, hieß es im Urteil. Möglicherweise sei es um Kritik des Angeklagten an Sicherheits- und Ausstattungsmängeln des Bootes gegangen – »es muss etwas gegeben haben, was unter der Decke brodelte«.
Videoaufnahmen aus einem Flugzeug
Zunächst sei es zu einem Gerangel an Bord gekommen und zu wechselseitigen Handgreiflichkeiten. Mit einer Verletzung am Kopf sei der 71-jährige Berliner Rechtsanwalt ins Wasser geraten. Die Besatzung eines anderen Segelbootes habe etwa eine halbe Stunde später den Mann im Wasser gesehen und den Angeklagten aufgefordert, ihn an Bord zu holen.
Was dann geschah, habe sich nur aufgrund von Videoaufnahmen aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache belegen lassen. Als der 71-Jährige dann im vorderen Bereich des Bootes lag, habe der Angeklagte seinen Arm um den Hals des anderen Seglers gelegt. »Dieser konnte sich freimachen von dem Würgegriff und ins Wasser gleiten«, sagte der Richter. Die Besatzung des anderen Segelbootes habe einen Rettungsring werfen wollen. In dem Moment sei der Angeklagte ins Wasser gesprungen. Von hinten habe er sich dem 71-Jährigen genähert, der den Bildern zufolge »mit gleichmäßigen Bewegungen« im Wasser trieb. Er sei arglos gewesen.
»12 bis 13 Sekunden unter Wasser gedrückt«
Der Angeklagte habe ihn »12 bis 13 Sekunden massiv unter Wasser gehalten«, sagte Richter Groß. Von dem ersten Angriff habe sich der Mann freimachen können. Doch der Angeklagte habe ihn erneut mit beiden Händen unter Wasser gepresst, dann den leblosen Körper hinter sich hergezogen. Ohne die Aufnahmen aus etwa 1.000 Metern Höhe wäre es »extrem schwer gewesen, etwas festzustellen«, sagte der Richter.
Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Der 66-Jährige habe seinen Freund retten wollen, der Versuch sei »tragisch fehlgeschlagen«.

vor 2 Stunden
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