Überlastung, Bürokratie, Perspektivlosigkeit: Die Mehrheit der Lehrkräfte an Berliner Schulen ist so frustriert über die Arbeitsbedingungen, dass sie den Beruf möglicherweise nicht wieder ergreifen würde. 13 Prozent schließen eine erneute Berufswahl als Lehrer oder Lehrerin definitiv aus, weitere 41 Prozent antworteten auf eine entsprechende Frage mit »Ich bin mir nicht sicher«. Gerade einmal 46 Prozent sind nach wie vor fest von ihrer Berufswahl überzeugt.
»Die Ergebnisse zeigen mit großer Deutlichkeit: Die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Berliner Schuldienst sind wenig attraktiv«, sagt Frank Mußmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Uni und einer der Autoren. »Dies dürfte ein wichtiger Grund des aktuellen Lehrkräftemangels sein.«
Ähnlich oft wurden »unzulängliche Bedingungen« in den Klassenzimmern und Schulgebäuden genannt – hier waren lediglich an den berufsbildenden Schulen die Werte etwas besser. Und insbesondere an Grundschulen wird fehlendes Lehrpersonal von 78 Prozent als starke oder eher starke Belastung wahrgenommen. In diesem Zusammenhang weisen viele Befragte auf eine hohe Arbeitsbelastung hin, fühlen sich unter starkem Zeitdruck und arbeiten regelmäßig am Wochenende.
»Lehrkräfte erleben eine starke Entgrenzung ihrer Arbeitszeit«, kommentierte die Berliner GEW-Vorsitzende Martina Regulin die Ergebnisse: »Ohne verbindliche Erfassung werden sich Arbeitsverdichtung, Erschöpfung und Berufsausstiege weiter zuspitzen.«
Die Bildungsverwaltung müsse deshalb jetzt handeln. Die GEW fordert daher unter anderem zusätzliche Stellen auch für andere Berufsgruppen wie Sozialarbeiter an den Berliner Schulen. Sinnvoll sei außerdem, Lehrkräfte zu entlasten, indem Aufgaben zum Beispiel an IT-Fachkräfte oder die Schulassistenz übertragen würden.
Auch Studienautor Mußmann betont, dass Berlin dringend mehr Lehrerinnen und Lehrer benötige. Um den Beruf attraktiver zu machen, müssten die zentralen Probleme gelöst werden: zu viele Aufgaben, Arbeitsdruck, ungünstige Arbeitszeiten sowie schulspezifische Herausforderungen wie »schwierige Schüler:innen, Konflikte, große diverse Klassen«.