Berichterstattung über Stefan Gelbhaar: Untersuchungskommission sieht schwere journalistische Fehler bei RBB

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Bei der Berichterstattung über den Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar machte der RBB Fehler. Eine Untersuchung ergab nun, wie schwer diese waren.

Aktualisiert am 3. April 2025, 17:11 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, epd,

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 Der RBB hatte fehlerhaft über den Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar berichtet.
Der RBB hatte fehlerhaft über den Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar berichtet. © Kay Nietfeld/​dpa

Eine unabhängige Untersuchungskommission hat dem RBB schwere journalistische Fehler und ein problematisches Vorgehen der Chefredaktion bei der fehlerhaften Berichterstattung über den Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar attestiert. Das geht aus der Zusammenfassung des 96-seitigen Abschlussberichts hervor, die der RBB veröffentlichte. Die Kommission führte nach eigenen Angaben Gespräche mit 13 RBB-Mitarbeitenden und wertete E-Mails, Protokolle, Stellungnahmen, Videobeiträge, Textbeiträge, Podcasts und Hörfunkbeiträge aus.

In dem Bericht heißt es unter anderem, die an der Recherche Beteiligten hätten keine Erfahrungen im investigativen Journalismus gehabt. Der Chefredakteur habe sich trotz der Tragweite der erhobenen Vorwürfe nur "rudimentär" über die Recherche und das Zustandekommen der Berichterstattung informieren lassen.

Der RBB hatte Ende des Jahres 2024 über Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar berichtet, die der Politiker zurückwies. Der Sender räumte später "schwerwiegende Fehler" bei der Berichterstattung ein und zog einen Großteil davon zurück. Als Konsequenz kündigte der RBB im März unter anderem die zwingende Einbeziehung von Investigativteams bei entsprechenden Recherchen an. Chefredakteur David Biesinger und Programmdirektorin Katrin Günther legten ihre Ämter nieder.

Gelbhaar fordert 1,7 Millionen Euro

Der Zusammenfassung zufolge ist beim RBB bereits Mitte Dezember 2024 und damit zwei Wochen vor der Veröffentlichung der fehlerhaften Recherche zu Gelbhaar der erste Fehler begangen worden, indem ungeprüft ein Zitat mit Vorwürfen verbreitet wurde. Obwohl diese Äußerung kurz darauf widerrufen worden sei, habe der RBB online knapp eine Stunde lang weiter darüber berichtet. Im weiteren Verlauf habe es weitere gravierende Fehler gegeben.

Gelbhaar fordert insgesamt 1,7 Millionen Euro als Ausgleich für die Folgen der fehlerhaften Berichterstattung des Senders über ihn. Wegen der falschen Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar leiteten auch die Grünen juristische Schritte ein. Im Januar kündigten die Parteivorsitzenden Felix Banaszak und Franziska Brantner Strafanzeige gegen die Drahtzieherin der Intrige sowie gegen unbekannt an.

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