Die Elektromobilität erlebt ein starkes Wachstum, was zu einer massiven Zunahme des Verbrauchs von Batterierohstoffen führt. Mit der steigenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen (EVs) entsteht ein neuer Markt: das Recycling von Batterien. Um die Rohstoffe effizient zu nutzen und die Umweltauswirkungen zu minimieren, ist der Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien für die Kreislaufwirtschaft von zentraler Bedeutung.
Europa ist derzeit stark von Importen abhängig, da Batterierohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel überwiegend aus dem Ausland bezogen werden. Ein lokales Recycling kann diese Abhängigkeit verringern, indem wertvolle Materialien zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Dabei spielt die Standortwahl von Recyclinganlagen eine entscheidende Rolle, da kurze Transportwege die Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz verbessern.
Mit der im März 2022 eingeführten EU-Gesetzgebung wurden neue Ziele für das Batterierecycling festgelegt. Die Recyclingeffizienz soll innerhalb von 36 Monaten von 50 Prozent auf 65 Prozent steigen, während die Rückgewinnung von Materialien wie Lithium, Kobalt und Nickel stark erhöht werden soll. Besonders die Rückgewinnung von Lithium stellt eine Herausforderung dar, weil viele Recyclingprozesse bisher nicht darauf ausgelegt sind. Zudem sollen 90 Prozent der recycelten Materialien in neuen Batterien wiederverwendet werden.
Diese Anforderungen machen deutlich, dass das Batterierecycling strategisch geplant und weiterentwickelt werden muss, um die ehrgeizigen Recyclingziele zu erreichen und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu fördern.
Überblick zu Recyclingkapazitäten erforderlich
Eine mögliche Lösung, das Batterierecycling effizient zu gestalten und den Markt zu unterstützen, liegt in der Schaffung eines umfassenden Überblicks zu den installierten und geplanten Recyclingkapazitäten in Europa. Eine solche Übersicht würde es ermöglichen, die bestehenden und zukünftigen Kapazitäten besser zu planen, Engpässe frühzeitig zu erkennen und Investitionen gezielt zu steuern. Dieser Überblick könnte in Form einer digitalen Karte erfolgen. Diese stellt die Standorte der Recyclinganlagen und deren Kapazitäten visuell dar und dient als Werkzeug für politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Investoren, um die weitere Entwicklung des Marktes für Batterierecycling sinnvoll zu steuern und die Recyclingziele der EU zu erreichen.
Wie die Datenerhebung erfolgen muss
Zur Erstellung einer solchen Karte wird eine detaillierte Datenerhebung benötigt. Die Methodik besteht darin, Daten zu existierenden und geplanten Recyclinganlagen in der EU zu sammeln. Dies kann durch eine umfassende Internetrecherche sowie durch direkte Anfragen bei Unternehmen per E-Mail geschehen. Die gesammelten Daten sollen Informationen zu folgenden Punkten enthalten: Name des Unternehmens, Standort der Anlage, Recyclingkapazität in Tonnen pro Jahr (t/a), die Art des durchgeführten Recyclings (zum Beispiel mechanisch, hydrometallurgisch) und Kontaktdaten der Unternehmen, um zukünftig in engem Austausch über mögliche Kapazitätsänderungen zu bleiben.
Die Karte zeigt wichtige Standorte für das Batterierecycling in Europa.
(Bild: Soldan)
Es ist wichtig, dass die veröffentlichten Daten auf verlässlichen Quellen basieren. Dies bedeutet, dass nur Informationen aufgenommen werden, die entweder öffentlich zugänglich sind oder von den Unternehmen selbst bereitgestellt wurden. Die grafische Darstellung dieser Daten auf einer Karte würde einen schnellen Überblick über die geografische Verteilung der Recyclingkapazitäten in Europa ermöglichen und so eine Grundlage für strategische Entscheidungen bieten.
290.000 Tonnen Batterien aus Elektrofahrzeugen erwartet
Im Jahr 2023 wurden in Europa rund 17.000 Tonnen Batterien aus Elektrofahrzeugen recycelt. Diese Prognose zeigt deutlich, dass der Ausbau der Recyclingkapazitäten in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung sein wird, um die wachsenden Mengen von Altbatterien zu bewältigen. Derzeit befindet sich Deutschland in einer führenden Position im Bereich des Batterierecyclings, da das Land bereits über eine gut entwickelte Recyclinginfrastruktur verfügt. Allerdings wird es notwendig sein, dass auch andere europäische Länder ihre Kapazitäten für das Batterierecycling erheblich ausbauen.
Anpassung der Recyclingunternehmen
Ein weiteres zentrales Thema ist die Anpassung der Recyclingunternehmen an neue Batteriedesigns und Zellchemien. Die Batterieindustrie entwickelt sich rasant weiter, und neue Technologien werden eingeführt, die häufig auf anderen Materialien basieren oder neue Herausforderungen für das Recycling darstellen. Recyclingunternehmen müssen in der Lage sein, ihre Prozesse schnell an diese technologischen Veränderungen anzupassen, um auch zukünftig eine hohe Recyclingquote zu gewährleisten.
Die steigenden Mengen ausgedienter Lithium-Ionen-Batterien stellen Europa vor dringendem Handlungsbedarf. Die Effizienz des Recyclings muss gesteigert werden, um den Kreislaufgedanken zu verwirklichen und die Umweltauswirkungen der Elektromobilität zu minimieren. Europa hat aufgrund seiner strategischen Lage und des wachsenden Know-hows im Bereich des Batterierecyclings die Möglichkeit, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft, in der Batteriematerialien wiederverwendet werden, kann nicht nur zur Ressourcenschonung beitragen, sondern auch die Produktion nachhaltiger gestalten.
Ein zentraler Faktor für den Erfolg des Batterierecyclings ist die Unterstützung durch die Hersteller. Sie müssen Rücknahmesysteme für Altbatterien etablieren und fördern, um sicherzustellen, dass die Materialien effizient gesammelt und dem Recycling zugeführt werden können. Auch die Recyclinganlagen selbst müssen erweitert und verbessert werden, um nicht nur Lithium, Nickel und Kobalt, sondern auch andere wichtige Materialien wie Aluminium und Kupfer zurückzugewinnen. Nur durch eine umfassende Rückgewinnung aller wertvollen Rohstoffe kann der Recyclingprozess wirtschaftlich rentabel gestaltet werden.
Außerdem ist es von großer Bedeutung, dass Batteriehersteller das Design und die verwendeten Materialien ihrer Produkte so anpassen, dass diese leichter recycelt werden können. Das würde nicht nur die Recyclingquoten erhöhen, sondern auch die Kosten für den gesamten Prozess senken.
Chancen einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft
Eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft im Bereich der Elektromobilität kann auch für neue wirtschaftliche Chancen sorgen. Damit ließen sich neue Arbeitsplätze schaffen, die Umweltbelastungen durch den Abbau neuer Rohstoffe verringern und das Wirtschaftswachstum fördern. Das Recycling von Batterien ist somit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Chance für Europa, sich als nachhaltiger Industriestandort zu positionieren und gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten.
Hinweis: Natalia Soldan erforscht und entwickelt Produktionsprozesse von Elektrofahrzeugen an der RWTH Aachen und Melissa Blum ist dort Research Assistant im Bereich Kreislaufwirtschaft.
(mack)