Die norwegische Aquakulturindustrie – also hauptsächlich Lachs- und Fischfarmen im Meer – verschmutzt die Küstengewässer stark. Sie zählt dort zu den wichtigsten, vom Menschen verursachten Quellen für Nährstoffbelastung. Das geht aus einem Report des »Sunstone Institute« hervor. Zuvor berichtete der »Guardian«.
Allein im Jahr 2024 gelangten demnach wegen der Aquakultur mehr als 70.000 Tonnen Stickstoff, 12.000 Tonnen Phosphor und 334.000 Tonnen organischer Kohlenstoff in die norwegischen Küstengewässer. Ein Jahr später waren es 75.000 Tonnen Stickstoff, 13.000 Tonnen Phosphor und 360.000 Tonnen organischer Kohlenstoff. Solche sogenannten Einträge könnten zu zerstörerischen Algenblüten führen.
Auf Grundlage des Reports rechnet der »Guardian« vor, dass die Stickstoffmengen in etwa denen entsprechen, die im unbehandelten Abwasser von 17,2 Millionen Menschen stecken. Bei Phosphor entsprächen sie dem, was im Abwasser von 20 Millionen Menschen enthalten ist, bei organischem Kohlenstoff liege man bei den entsprechenden Mengen im unbehandelten Abwasser von 30 Millionen Menschen.
Mehr Futter, mehr Verschmutzung
Laut der aktuellen Analyse schwankt die »Abwasser-Entsprechung« allerdings je nach Monat massiv: Im Jahr 2024 entsprachen die von den Fischfarmen verursachten Stickstoffeinträge im März ungefähr der Menge, die in diesem Monat im Abwasser von 9,5 Millionen Menschen stecken würde; im August war es so viel wie im Abwasser von 22,6 Millionen Menschen. Der Bericht hebt hervor, dass gerade diese konzentrierten Sommerlasten besonders kritisch für die Küstenökosysteme sind.
Der Nährstoffeintrag folgt laut Bericht dem Futter. Wenn das Wasser wärmer wird, steigt der Stoffwechsel der Fische, sie fressen mehr und scheiden mehr aus. Laut Daten der norwegischen Fischereibehörde stieg der Futterverbrauch im Jahr 2025 von gut 130.000 Tonnen im Februar auf fast 245.000 Tonnen im September, ein Plus von knapp 88 Prozent. Mit jeder Tonne Futter wächst auch die Menge an Stickstoff, Phosphor und organischem Kohlenstoff, die ins Meer gelangt – genau in der Phase, in der die Ökosysteme gefordert sind.
Fischkot und nährstoffreicher Schlamm können das Wachstum von Phytoplankton und damit Algenblüten fördern. Diese senken wiederum den Sauerstoffgehalt im Wasser. Fjorde gelten als besonders anfällig dafür, weil sich Nährstoffe in ihnen stärker anreichern können als in offenen Gewässern.
Kritik aus der Branche
Das norwegische Fischereiministerium verwies auf eine Anfrage des »Guardian« an die zuständige Behörde, die Fischereidirektion. Diese lehnte eine Stellungnahme ab.
Aus der Branche kommt hingegen Widerspruch. Krister Hoaas, Leiter Public Affairs beim Branchenverband Norwegian Seafood Federation, sagte der Zeitung, das hohe Emissionsvolumen spiegele primär wider, wie viel Nahrung in Norwegen produziert werde und welchen Grad an Selbstversorgung das Land in einer Notsituation hätte. Die Industrie arbeite kontinuierlich daran, ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, sagte Hoaas weiter.
Zugleich betonte er laut »Guardian«, man müsse zwischen der heutigen Produktion und möglichem Wachstum unterscheiden. Nach Angaben von Hoaas verweist das norwegische Meeresforschungsinstitut zwar darauf, dass ein starkes Plus bei der Produktion in einigen Fjorden das Risiko von Überdüngung erhöhen könnte, halte die aktuelle Menge aber für im Rahmen der natürlichen Belastungsgrenzen. Für Hoaas ist das ein Beleg dafür, dass die Zuchtanlagen die Fjorde derzeit nicht zerstörten.
In dem Report selbst sind Grenzen der Analyse erwähnt. So gehen die Berechnungen von einem gleichbleibenden Verhältnis zwischen Futtereinsatz und Nährstoffabfall über das Jahr aus, obwohl Studien darauf hindeuten, dass sich dieser Wert mit der Wassertemperatur ändert. Der Report legt deshalb nahe, dass die tatsächliche Belastung in warmen Sommermonaten eher unterschätzt und in kälteren Phasen überschätzt wird. Zudem könnten sich die Werte regional deutlich unterscheiden, je nach Bedingungen in den einzelnen Fjordsystemen.

vor 2 Stunden
1









English (US) ·