Anstieg der Pflegebedürftigkeit : Pflegende Angehörige fühlen sich stark belastet

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Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen Geld von der Pflegeversicherung – vor allem, weil bei den jüngeren Jahrgängen die Zahl der Leistungsbezieher gestiegen ist. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Forschungsinstitut IGES für den Spitzenverband der Krankenkassen erstellt hat.

Demnach ist der Anteil der Pflegebedürftigen an den gesetzlich Versicherten zwischen 2017 und 2024 von 4,6 Prozent auf 7,6 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs der Anteil der Unter-65-Jährigen an den Leistungsbeziehern von 17,5 auf 23,8 Prozent, während der Anteil der älteren Semester leicht sank.

Die Pflege von Verwandten oder Freunden bedeutet häufig eine hohe Belastung und gesundheitliche Probleme. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) sagte gut ein Drittel (34,2 Prozent) der pflegenden An- und Zugehörigen, sie fühlten sich durch die Pflegeaufgaben stark oder sehr stark belastet, wie das RKI am Dienstag in Berlin mitteilte.

RKI fordert stärkere Entlastung für Angehörige

Im Vergleich zu Menschen ohne Pflegeverantwortung berichteten sie demnach auch häufiger von Schlafproblemen, Erschöpfung, depressiven Symptomen oder generell von gesundheitlichen Einschränkungen. Das RKI forderte eine „deutlich stärkere Entlastung pflegender An- und Zugehöriger“, gerade wenn diese bereits älter sind. Im schlimmsten Fall hätten die Pflegenden aufgrund ihrer Belastung „ein höheres Risiko, selbst später pflegebedürftig zu werden“.

In der Befragung von etwa 27.000 Menschen im Jahr 2024 gaben laut dem Institut 10,4 Prozent an, in den vorangegangenen zwölf Monaten Pflegeaufgaben übernommen zu haben. Unter den Frauen war der Anteil mit 12,7 Prozent deutlich höher als bei den Männern mit 7,9 Prozent.

Die Pflegenden waren im Durchschnitt 50,1 Jahre alt. Menschen mit niedrigeren oder mittleren Bildungsabschlüssen pflegten der Erhebung zufolge etwas häufiger als Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen.

Auch mehr Kinder und Jugendliche beantragen Pflegeleistungen

Gerade bei Kindern und Jugendlichen gab es in den vergangenen Jahren immer mehr Erstanträge und Bewilligungen von Pflegeleistungen. Lag der Anteil der neu pflegebedürftigen Versicherten unter 18 Jahren im Jahr 2018 noch bei 3,9 Prozent, so waren es 2024 schon 6,5 Prozent. Vielfach spielen der Analyse zufolge in dieser Altersgruppe psychische Erkrankungen und Problemlagen die entscheidende Rolle.

Als Ursache für die Zuwächse gilt die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017: Aus drei Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade. Oliver Blatt vom GKV-Spitzenverband bemängelt, damals habe die Politik den Zugang zur Pflege großzügiger gestaltet als vorgeschlagen. „Gerade in einem solidarischen System müssen wir aber darauf achten, dass diejenigen Hilfe bekommen, die wirklich darauf angewiesen sind, und das System zugleich finanzierbar bleibt“, betonte Blatt.

Im IGES-Bericht heißt es, die „vor allem politisch motivierten Änderungen der Bewertungssystematik“ hätten die Zunahme beim Leistungsbezug begünstigt. Deshalb raten die Experten in ihrer Analyse zu einer Umstellung des bisherigen Systems. Erst kürzlich hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt, sie wolle bis Mitte Mai Vorschläge für eine Pflegereform vorlegen, um die Finanznot der Pflegekassen zu lindern. (dpa, epd)

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