Anleihen: Ausufernde Staatsschulden – Märkte stellen sich auf einen „aktivistischen“ US-Finanzminister ein

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Frankfurt, Düsseldorf. US-Finanzminister Scott Bessent stellt Investoren auf eine Zeitenwende ein. Am Mittwoch leitete sein Ministerium Maßnahmen ein, um den deutlichen Anstieg der Renditen langfristiger US-Staatsanleihen zu bremsen. Die Offensive folgte auf die Intervention am Devisenmarkt in Japan vor wenigen Wochen. Damit sei Bessent nun der „aktivistischste“ Finanzminister seit mehreren Jahrzehnten, sagt Krishna Guha, Notenbankexperte bei Evercore ISI.

Das Finanzministerium signalisiert, es könnte Investoren immer wieder überraschen und aktiv werden, um Spannungen an den Märkten zu vermeiden. Das hat kurz- und langfristig Folgen:

Fürs Erste hat Bessent den Renditeanstieg bei langfristigen US-Staatsanleihen gestoppt. Das Finanzministerium gab am Mittwoch bekannt, mindestens doppelt so viele Papiere mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren zurückkaufen zu wollen wie ursprünglich geplant. Die Rendite für die Papiere mit 30-jähriger Laufzeit fiel unmittelbar danach spürbar. Sie war am Dienstag mit 5,34 Prozent auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. „Das hat offenbar einen empfindlichen Nerv getroffen“, schreiben die Analysten von der ING in einer aktuellen Analyse. Am Donnerstag lag die Verzinsung bei 5,22 Prozent.

Bessents Bereitschaft, so schnell einzugreifen, ist für Anleger ein wichtiges Zeichen. Lange Zeit war an den Aktienmärkten vom sogenannten „Greenspan-Put“ die Rede: Anleger waren vor deutlich niedrigeren Aktienkursen geschützt, weil sie davon ausgingen, dass die US-Notenbank Fed unter Vorsitz von Alan Greenspan die Zinsen senken würde. „Jetzt haben wir den Bessent-Put“, heißt es bei der ING.

Niedrige Zinsen kommen den Aktienmärkten tendenziell zugute. Nach Bessents Ankündigung am Mittwoch hielten sich die wichtigsten Indizes an der Wall Street stabil und schlossen kaum verändert. Auch am Donnerstag zeichnet sich ein ruhiger Handelsstart ab.

Bessents Vorgehen gilt als Abkehr vom bisherigen Grundsatz, demzufolge das Finanzministerium beim Management der Staatsanleihen vorhersehbar agiert. Einige Beobachter werten seine Manöver als Versuch, die Zinsstrukturkurve – sie bildet die Anleiherenditen über alle Laufzeiten hinweg ab – zu manipulieren, ohne dies offiziell so zu benennen.

Der Effekt ist seither jedoch größtenteils verpufft. Der Wechselkurs lag in den vergangenen Tagen bereits erneut an der Marke von 160 Yen pro Dollar. Dieses Niveau gilt als viel beachteter Schwellenwert an den Märkten.

Die Interventionen kaufen nur Zeit. Dominik MüllerExperte beim Bankhaus Metzler

Experten zweifeln daher die Wirksamkeit der Handlungen an, die das Finanzministerium kurzfristig umsetzt. Die Sorge: Auch Bessents Einschreiten am Anleihemarkt könnte die Situation nur kurzfristig entspannen.

„Diese technische Maßnahme ändert wenig an den fundamentalen Realitäten“, sagt Stephan Kemper, Chef-Investmentstratege der Vermögensverwaltung der Bank BNP Paribas. Dominik Müller, der Leiter des Währungsmanagements beim Bankhaus Metzler, sagt: „Die Interventionen kaufen nur Zeit.“

Die Staatsschulden der USA sind am Mittwochabend zum ersten Mal überhaupt über die Marke von 40 Billionen Dollar gestiegen. Die Sorge vor hohen Schulden und steigenden Zinsausgaben hatte Anlegern in der Vergangenheit immer wieder Sorgen bereitet, doch stets entspannte sich die Lage wenig später.

Dollar-Banknoten: Schwächt Bessent die US-Währung langfristig? Foto: AFP

Brendan Fagan, Makro-Stratege beim Finanzdienst Bloomberg, rechnet damit, dass Bessent künftig erneut aktiv werden könnte, um die Anleger zu beruhigen. Der Finanzminister habe signalisiert, dass er sich in Bezug auf lang laufende Anleihen bei Renditen von 5,3 Prozent unwohl fühle. „Und Schwachstellen werden erfahrungsgemäß immer wieder getestet“, sagt Fagan.

Dollar fällt, Gold steigt, Bitcoin überschreitet runde Marke

Gleichzeitig könnten sich längerfristige Folgen eines aktivistischen Finanzministers an anderer Stelle zeigen. „Sollte das Finanzministerium nun häufiger in den Anleihemarkt eingreifen, könnte das den Dollar unattraktiver machen“, sagt Krishna Guha. Anleger könnten dann eine höhere Volatilität und das Risiko unerwarteter politischer Maßnahmen einpreisen.

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Der Dollar hatte am Mittwoch bereits im Vergleich zu anderen Währungen deutlich nachgegeben. Der Dollar-Index, der den Wert der Weltleitwährung ins Verhältnis zu anderen wichtigen Devisen setzt, ist auf den tiefsten Stand seit drei Monaten gefallen.

Von der Dollar-Schwäche profitieren andere Assets. Edelmetalle wie Gold und Silber verzeichnen deutliche Zuwächse. Auch der Bitcoin rückt als Dollar-Alternative wieder stärker in den Fokus. Am Donnerstag stieg die Kryptowährung zum ersten Mal seit Juni über die Marke von 70.000 Dollar.

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