Draußen am Absperrzaun müssen sich die ankommenden Metro-Fahrgäste entscheiden. »Zur Abschlussfeier der George Washington University geht’s geradeaus, zum Gebet nach links«, ruft ihnen ein Mann entgegen, der kostenlose Bibeltexte verteilt. »Trump ist Satan«, gibt ein anderer ihnen mit auf den Weg.
Die meisten, die an diesem Sonntagmorgen links abbiegen, dürften nur den Wegangaben Glauben schenken. Sie sind auf Einladung des US-Präsidenten auf die National Mall gekommen, die große Grünanlage, die sich in der US-Hauptstadt Washington zwischen dem Kapitol, Lincoln Memorial sowie dem Weißen Haus erstreckt. Er lade sie ein, hatte der US-Präsident gesagt, zu beten und Dank zu sagen – alles unter dem Motto »Rededicate 250«. Gemeinsam wolle man Amerika wieder zu einer Nation unter Gott machen.
»Rededicate« ist die größte religiöse Veranstaltung zum 250. Jubiläum der USA. Und dass es sich dabei nicht nur um eine kirchliche Veranstaltung, sondern ein offizielles Event der US-Regierung von Donald Trump handelt, macht für Gläubige wie Kritiker den entscheidenden Unterschied aus. Während die einen im Zentrum der politischen Macht ihren Gott preisen, fürchten die anderen nicht weniger als das Ende der Trennung von Staat und Kirche in den USA.
Glaubensfreiheit eingeschränkt?
Joyce Constant und ihre Schwägerin Janis gehören zur ersten Gruppe. »Unser Land steht am Abgrund«, sagen sie. »Christen werden verdrängt.« Damit sprechen sie aus, was viele hier umtreibt: das Gefühl, dass sie ihren Glauben nicht mehr ungehindert praktizieren dürfen.
Dass der US-Präsident nun an diesen symbolträchtigen Ort geladen hat, ist für sie ein Zeichen. Die beiden Frauen sind extra aus Kansas City im US-Bundesstaat Missouri in die Hauptstadt gereist. Sie haben ihre Decken im Schatten eines Baumes auf der Mall ausgebreitet, lauschen den Predigern. Mit Ausnahme eines Rabbis sind alle Redner an diesem Tag Christen, die meisten evangelikal. Und was sie hören, gibt ihnen Hoffnung.
Wie Joyce und Janis sind Tausende Amerikanerinnen und Amerikaner aus dem ganzen Land dem Aufruf Trumps nach Washington gefolgt. Viele haben sich in den US-Farben rot, weiß und blau gekleidet, etliche tragen T-Shirts mit Slogans wie »One Nation Under God« (Eine Nation unter Gott) oder Trumps rote MAGA-Kappen. Manche schwenken eine Flagge mit grüner Kiefer auf weißem Grund und der Aufschrift »An Appeal to Heaven« (Appell an den Himmel) – ein Erkennungszeichen christlicher Nationalisten.

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