AMD: Schere zwischen Server und Consumer geht weiter auseinander

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Ein ungewohnter Anblick im nachbörslichen Handel: Die AMD-Aktie steigt nach der Veröffentlichung des Geschäftsbericht am Dienstag um mehr als zehn Prozent, seit dem Tagestief sogar um 15 Prozent. Grund sind Zahlen, die über AMDs letzter Prognose und über den Erwartungen der Analysten liegen. Börsendämpfer nach Geschäftsberichten sind bei AMD eigentlich Tradition, was dem Unternehmen in manchen Foren den Spitznamen „Advanced Money Destroyer“ verschafft hat.

Knapp 10,3 Milliarden US-Dollar hat AMD im ersten Quartal 2026 umgesetzt. Die eigene Prognose zum Jahresanfang lag noch im Mittel bei 9,8 Milliarden US-Dollar. Analysten erwarteten nur unwesentlich mehr. Im aktuellen Quartal sollen es laut AMD im Mittel 11,2 Milliarden US-Dollar werden – Analysten rechneten hier mit einer Ankündigung von 10,5 Milliarden.

Im Jahresvergleich wächst AMDs Umsatz um 38 Prozent. Der Operativgewinn steigt um 83 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn um 95 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar.

Das Wachstum kommt primär von Serverprozessoren (Epyc) und KI-Beschleunigern (Instinct), die derzeit jedes Quartal weiter zulegen. Aktuell steht das Segment bei fast 5,8 Milliarden US-Dollar Umsatz, 57 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

AMDs Umsatz aufgeschlüsselt. Server-Hardware ist aufgrund der hohen Verkaufspreise besonders lukrativ.

(Bild: AMD)

Die Firmenchefin Lisa Su kommentiert: „Das Kundeninteresse an der MI450-Serie und Helios nimmt zu. Die Prognosen unserer wichtigsten Kunden übertreffen unsere ursprünglichen Erwartungen und dank einer wachsenden Zahl von Großprojekten gewinnen wir immer mehr Klarheit über unseren Wachstumskurs.“

MI450 steht für kommende KI-Beschleuniger, angeführt von der Instinct MI455X. Unter dem Namen Helios vermarktet AMD nach Nvidias Vorbild seine ersten eigenen kompletten Server-Racks, inklusive Netzwerktechnik der übernommenen Firma Pensando.

Ungewöhnlich gut stehen derweil auch Ryzen-Prozessoren und Radeon-Grafikkarten da. Das Segment Client and Gaming wächst im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 3,6 Milliarden US-Dollar. Ryzen-CPUs machen davon 2,9 Milliarden aus, Grafikkarten und Konsolenchips 720 Millionen. Selbst im Vergleich zum traditionell starken vierten Quartal fällt die Sparte nur um 8,5 Prozent.

Marktanalysten beobachteten bereits aufgeblähte PC-Verkaufszahlen, weil sich Hersteller in Erwartung auf weiter steigende Speicherpreise mit Hardware eingedeckt haben. Davon dürfte AMD im ersten Quartal erheblich profitiert haben. Dieser Effekt ist allerdings einmalig: Aufgrund der Speicherkrise ist eine Umkehr zu erwarten.

Die Schere zwischen Server und Client geht allen Anzeichen nach in den nächsten Quartalen weiter auseinander. Mit Epyc-Prozessoren und KI-Beschleunigern dürfte AMD schon bald doppelt so viel Geld machen wie mit Ryzen und Radeon.

AMDs verdreifachter Cashflow zeigt derweil Besonderheiten. Zum einen hat AMD im ersten Quartal Lagerbestände im Wert von einer halben Milliarde US-Dollar abgebaut. Zum anderen muss AMD noch Verbindlichkeiten im Wert von über 700 Millionen US-Dollar bezahlen.

Für Forschung und Entwicklung gibt AMD seit dem Sommer 2025 kontinuierlich mehr Geld aus. Die Investitionen dafür sind im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 2,4 Milliarden US-Dollar gestiegen.

(mma)

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