Altmeisterauktion in Köln: Bilder von Krieg und Frieden

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Am 12. Mai wäre August der Starke 356 Jahre alt geworden. Schon mit 17 Jahren begann der sächsische Herrscher und barocke Prachtmensch, Kunst zu sammeln – mit dem Ziel, seine Residenzstadt Dresden zum Zentrum für Kunst und Kultur zu machen. Mit 52 Jahren ließ er die Gemälde in seinem Besitz inventarisieren; die Zählung dauerte sechs Jahre und kam auf 3592 Kunstwerke. Viele von ihnen sind noch heute im Dresdner Schloss und in der Gemäldegalerie zu bestaunen.

Besonnenheit und Stärke liegen darnieder

Bei dem Kölner Auktionshaus Van Ham kommen nun drei Werke zur Versteigerung, die August der Starke zwischen 1722 und 1727 in seine Sammlung aufnahm. Auf 55 mal 76 Zentimetern breitet sich das vielfigurige Gemälde Frans Franckens des Jüngeren aus, das eine Allegorie der Folgen des Krieges darstellt: Im Zentrum des Bildes steht die Figur des Cholerikers zusammen mit dem Kriegsgott Mars, der dem Wüterich das Schwert in die Hand legt. Zu den Füßen der beiden liegen personifiziert die Besonnenheit, die Stärke und Europa. Das um 1615 entstandene Ölgemälde auf Holz ist auf 30.000 bis 40.000 Euro taxiert.

Die beiden anderen Gemälde mit derselben königlichen Provenienz werden direkt danach aufgerufen: eine italienische Landschaft von Cornelis van Poelenburgh (Taxe von 3000 bis 6000 Euro) und Vincenzo Spisanellis Mariä Himmelfahrt (4000/8000).

 Michiel Sweerts neu zugeschriebenes  „Porträt eines vornehmen Herren in schwarzem Gewand mit Spitzenkragen“Teuerstes Los der Auktion: Michiel Sweerts neu zugeschriebenes  „Porträt eines vornehmen Herren in schwarzem Gewand mit Spitzenkragen“Van Ham

Spitzenlos der Offerte ist Michiel Sweerts' Porträt eines unbekannten Herren in schwarzem Gewand. Der Brüsseler Maler verblüfft auch bei diesem Bildnis mit der Fähigkeit, Objekte und Personen vor einem zumeist dunklen Hintergrund auf ganz spezielle Art in Licht zu tauchen, sodass sie eine fast fotorealistische Modellierung erfahren.

Vermutlich eignete sich Sweerts diese Technik in Rom an, wo er zehn Jahre tätig war und sich von Caravaggios Gemälden beeinflussen ließ – so auch bei dem angebotenen Porträt, das zum ersten Mal auf den Kunstmarkt gelangt und auf 200.000 bis 400.000 Euro geschätzt ist.

Sweerts' Zeitgenosse und Sohn des Stilllebenmalers Pieter Claesz, Nicolaes Pietersz Berchem, zeigt mit seiner „Hirschjagd“ sein Können, lebendige Szenen und poetischen Realismus zu verbinden (50.000/80.000).

Bei Jan van Kessel dem Älteren hingegen haben die Tiere die Szenerie übernommen: Fuchs und Katze streiten sich um eine tote Ente, während Kaninchen und Eichhörnchen sich vegetarisch und friedlich versorgen (15.000/20.000). Und von Albrecht Dürer gelangt ein Lebzeitendruck seines Meisterstichs „Ritter, Tod und Teufel“ aus dem Jahr 1513 zum Aufruf. Der marktfrische Kupferstich ist auf 40.000 bis 60.000 Euro geschätzt.

Sehnsuchtsbild aus den Alpen

Preislich führt die Sparte mit Werken des 19. Jahrhunderts der „Bergbauernhof in Tirol“ von Oskar Mulley an, obwohl der österreichische Maler das Gemälde erst in den 1930er-Jahren schuf. Mit Palettenmesser und Spachtel bringt Mulley in spätimpressionistischer Weise die Farbe auf die Leinwand und nähert sich damit optisch der Oberflächenstruktur des Dargestellten an – den grauen Bergmassiven der Alpen und den widerstandsfähigen, abgelegenen Berghöfen. Das 75 mal 100 Zentimeter messende Bild kommt erstmals aus einer deutschen Privatsammlung auf den Kunstmarkt (40.000/80.000).

Ebenfalls impressionistisch kommen zwei Frauenporträts daher: Vom führenden niederländischen Vertreter der Kunstrichtung Isaak Israels stammt das Halbfigurenporträt einer unbekannten Dame mit breitem Hut, die gerade im Begriff ist, sich die Handschuhe anzuziehen, während der gebürtige Amerikaner Edward Cucuel eine junge Frau im Schnee mit einem übergroßen grauen Muff auf Leinwand bannt (Taxe je 20.000/30.000).

Gustav Klimt schuf 1885/86 die Deckenausmalung für das Stadttheater in Karlsbad, die drei Hauptmotive umfasst, in deren Mitte sich Klimts Gemälde „Tanz“ befindet. Eine bisher unbekannte Aktzeichnung einer stehenden Frau lässt sich nun als Studie für die „Tanz“-Hauptfigur identifizieren. Die Bleistiftzeichnung wird zu den frühesten Studien gerechnet, die Klimt nach einem lebenden Modell und nicht – wie bis dahin üblich – nach einer Fotografie angefertigt hat. Das Blatt befand sich ursprünglich im Besitz der Schwester des Künstlers, Hermine Klimt, bevor es in eine deutsche Privatsammlung gelangte und nun mit einer Taxe von 10.000 bis 20.000 Euro versehen ist. Insgesamt belaufen sich die Erwartungen für die Auktion mit Fine Art auf rund 1,3 Millionen Euro.

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