Schwere Eichenhölzer und Steine, acht Meter unter der Erde: Bauarbeiter stoßen bei ihren Grabungen auf Überreste eines Bauwerks. Erst nach genauer archäologischer Untersuchung zeigte sich, wie herausragend der Fund ist.
Es war reiner Zufall, dass Bauarbeiter im März auf eine 2400 Jahre alte Konstruktion tief in der Erde stießen. Eine Entdeckung, die das bayerische Aschaffenburg zu einer geschichtsträchtigen Sensation machte.
Am Mainufer stießen Arbeiter bei Tiefbauarbeiten auf fast 35 Meter lange Holz-Stein-Konstruktionen, deren Ursprung auf die Eisenzeit zurückgeht. Die Holzkonstruktionen seien in hervorragender Verfassung, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am Mittwoch in München mitteilte. Die Spuren deuteten auf eine Anlage aus dem 4. Jahrhundert vor Christus hin. Zu dieser Zeit lebten in der Region die Kelten – ein Netzwerk aus Stämmen mit ähnlichen Sprachen und Kulturen.
„Wir gruben und gruben, und das Ding wurde immer größer“, sagt Archäologe Andreas Büttner vom BLfD gegenüber dem „Spiegel“. Die Wissenschaftler gingen erst von einem frühneuzeitlichen bis neuzeitlichen Bauwerk aus. Grund dafür war der ungewöhnlich gute Erhaltungszustand der in etwa acht Meter Tiefe liegenden Hölzer.
Doch nachdem Proben einzelner Eichenbalken untersucht worden waren, kamen sie zu einem anderen Ergebnis. Die regionalen Eichenringchronologien ließen den Schluss zu, dass die Hölzer von Bäumen stammten, die im 4. Jahrhundert vor Christus gefällt und verbaut wurden.
Anhand erster angelegter Profile zeichne sich ab, dass eine große Zahl massiver Eichenbalken in einem konstruktiv anspruchsvollen und vermutlich auch repräsentativen Bauwerk verbaut worden sei. Das erklärte Stefanie Berg vom Landesdenkmalamt und verwies darauf, dass eine Trockensteinmauer zum Main hin die Konstruktion abschloss. „Steinmauerwerk ist für die Eisenzeit ausgesprochen selten nachgewiesen“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.
Herausragende Funde wie eine Tierkopffibel und ein goldener Fingerring hätten bereits belegt, dass es im Bereich der heutigen Aschaffenburger Altstadt eine frühlatènezeitliche Siedlung gab, hieß es. Seit Längerem werde daher vermutet, dort könnte sich ein eisenzeitlicher Zentralort befunden haben. Die nun entdeckte archäologische Struktur am Mainufer habe ein außergewöhnlich hohes wissenschaftliches Potenzial. Die Forscher erhofften sich neue Erkenntnisse darüber, wie die Anlage einst funktioniert habe.
ly/dpa/kna

vor 2 Stunden
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