5000 US-Soldaten weniger in Deutschland: Für Boris Pistorius beginnt der Ernstfall

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Jetzt soll die Bundesregierung, vom Kanzler angefangen, mal nicht so tun, als wäre ein Abzug von 5000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland kein Problem. Ist er doch. Und was für eines.

Militärisch – im übergeordneten Sinn – und besonders psychologisch gilt das. Zunächst einmal, weil es womöglich nicht bei diesen 5000 bleiben wird.

Die USA folgen ihrer eigenen Militärdoktrin und dann auch noch der von Präsident Donald Trump. Die ist seine eigene Art von massiver Vergeltung für das, was er von den Deutschen, voran von Friedrich Merz, erlitten zu haben glaubt. Da weiß man nie, was noch kommt.

Wenn man diese Zahl dann noch in Beziehung setzt zu dem, was in Deutschland geschieht oder nicht geschieht, wird das Problem umso deutlicher. Die Bundeswehr selbst hat von 2024 bis 2026 gebraucht, um etwa 3000 Soldatinnen und Soldaten zusätzlich zu gewinnen. Und benötigt noch gut 75.000, um die Zielmarke von 260.000 Mitte der 2030er Jahre zu erreichen.

Sicherheit macht Arbeit, kostet Geld, braucht Personal. Und Haltung.

Stephan-Andreas Casdorff

Vor dem Hintergrund sind auch die Anforderungen an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zu sehen. Die Lücken zwischen Wunsch und Wirklichkeit – erstaunlich, dass er immer noch so beliebt ist. Er steht nämlich plötzlich dort, wo sich deutsche Sicherheitspolitik seit Jahrzehnten ungern aufhält: im grellen Licht der Realität.

Die Bundeswehr wächst kaum, trotz Zeitenwende, Werbekampagnen und größerem Etat. Ein paar tausend zusätzliche Soldaten sind eher ein tastender Schritt als ein Marsch. Und nun ziehen die Amerikaner weitere Soldaten ab. Für Pistorius ist das eine politische Zumutung. Jetzt muss er umso schneller reagieren.

Mehr Personal, mehr Wehrhaftigkeit, mehr Reservisten, und das in wenigen Haushaltsjahren – das Programm dieses Ministers.

Er muss das Land abschreckungsfähig machen und viele junge Menschen für einen Dienst gewinnen, der im Ernstfall Leben kostet.

Der angekündigte US-Abzug, sicher in erster Linie ein symbolischer Akt, verschärft das Problem. Denn diese Botschaft ist doch unüberhörbar: Kümmert euch selbst. Also wird Pistorius an der Leistung als Organisator der Bundeswehr gemessen werden und daran, wie er eine unbequeme Wahrheit in die Gesellschaft übersetzt: Sicherheit macht Arbeit, kostet Geld, braucht Personal. Und Haltung.

Wenn das keine Bewährungsprobe für den Minister und mit ihm für die ganze Regierung ist. Vom Kanzler angefangen.

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