Falls der Grönland-Zollstreit eskaliert, will die EU offenbar mitziehen. Laut EVP-Chef Manfred Weber soll Trump beweisen, dass man mit ihm "regelbasiert arbeiten" kann.
Aktualisiert am 18. Januar 2026, 21:55 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, ces
Die EU plant Berichten zufolge, Gegenzölle in hoher zweistelliger Milliardenhöhe zu erheben, falls die USA ihre Zolldrohung im Zuge des Streits um Grönland umsetzen. So haben sich die EU-Botschafter bei Beratungen in Brüssel zwar nicht auf sofortige Gegenzölle einigen können, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Diplomatenkreise. Wenn es jedoch keine Einigung mit den USA geben sollte, würden automatisch Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro in Kraft treten, die für einen solchen Fall schon im Juli vereinbart worden sind. Ein EU-Diplomat sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Zölle würden auf US-Bourbon, Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel erhoben werden. Zuvor hatten der Spiegel und die Financial Times darüber berichtet.
EVP-Weber: EU ist alles andere als machtlos
Die EU hatte die Verhängung dieser Zölle nur ausgesetzt, nachdem sie sich mit den USA auf ein Handelsabkommen geeinigt hatte. Dieses sah eigentlich Zollfreiheit für US-Waren und einen 15-Prozent-Zoll auf EU-Waren in den USA vor. Das Europäische Parlament hat nach Angaben von Manfred Weber, dem Chef der Europäischen Volkspartei (EVP) aber jetzt die nötige und für Mittwoch vorgesehene Verabschiedung dieses Abkommens auf unbestimmte Zeit verschoben.
"Trump wird den zollfreien Zugang seiner amerikanischen Produkte in den europäischen Binnenmarkt nicht bekommen", sagt Weber im ZDF. "Das habe ich gemeinsam mit den anderen Fraktionschefs heute Nacht entschieden - ein erstes klares Signal." Mit Blick auf das verschobene Abkommen sagte er: "Donald Trump muss uns beweisen, dass wir mit ihm regelbasiert arbeiten können, sonst macht die gesamte Ratifikation keinen Sinn." Die EU sei alles andere als machtlos.
EU-Gipfel zu Zöllen wahrscheinlich für Donnerstag geplant
Auslöser ist die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen zehnprozentigen Zoll auf Waren aus bestimmten EU-Ländern zu erheben, wenn sich die EU gegen einen US-Kauf des zu Dänemark gehörenden Grönlands wehrt. Im Juni solle der Zollsatz auf 25 Prozent steigen. Deutschland und weitere europäische Staaten hatten mit Protest auf die Drohung reagiert und Widerstand angekündigt.
EU-Ratschef António Costa kündigte einen Sondergipfel des EU-Rats "in den kommenden Tagen" an. Die EU sei darin einig, sich "gegen jede Art von Zwang zu verteidigen", schrieb Costa, und stehe hinter der Souveränität Dänemarks und Grönlands. Ein EU-Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Gipfel werde wahrscheinlich am Donnerstag stattfinden. Es sei ein persönliches Treffen geplant, also keine Video-Schalte.

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