Wird Grönland zum Streitfall in der Koalition?: Spahn oder: Wie er Trumps Welt sieht

vor 2 Stunden 1

Es ist ja nicht so, als wäre Jens Spahn unumstritten. Das ist er weder in der Unionsfraktion, der er vorsteht, noch in der Koalition mit der SPD.

Aber das scheint ihn nicht anzufechten. Auch das nicht, was daraus folgen könnte, nicht. Seine jüngsten Äußerungen zu Donald Trump sprechen dafür.

Unvergessen sind die desaströse Richter-Nachwahl zum Bundesverfassungsgericht und der Rentenstreit. Schlechte Koordination in der Fraktionsspitze war bald noch das Geringste, was Spahn vorgehalten wurde. Nebenbei wurde in dem Zuge mal wieder seine Loyalität zu Friedrich Merz bezweifelt.

Und dann jetzt das Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Das klingt, als wolle er sich inhaltlich vom Kanzler und CDU-Chef abgrenzen. Spahn zeigte Verständnis für das Vorgehen der USA gegen Grönland, nicht ganz so deutlich, aber doch vernehmlich.

Das erinnert an Spahns Nähe zu Trump-Gefolgsleuten, etwa zum früheren US-Botschafter Richard Grenell. Es erinnert gegenwärtig besonders seine Gegner daran. Von denen hat er einige.

Stephan-Andreas Casdorff

Betrachte man die Lage Grönlands auf dem Globus, findet Spahn, seien die „von den USA gestellten Fragen nachvollziehbar“. Trump habe „einen Punkt“, wenn es darum gehe, „ob wir als Nato und Europa diese strategisch immer wichtiger werdende Insel ausreichend gegen andere Mächte wie Russland schützen“.

Worte wie Donnerhall. Denn so, wie er es sagt, fehlte die rechte Distanz zu dem, was Trump treibt und die Europäer mächtig umtreibt.

Das erinnert an Spahns Nähe zu Trump-Gefolgsleuten, etwa zum früheren US-Botschafter Richard Grenell. Es erinnert gegenwärtig besonders seine Gegner daran. Von denen hat er einige.

Daher kommen auch die Gerüchte, dass Merz und er schon einige Male aneinandergeraten seien. Kann es das eine Mal zu viel gewesen sein? Im Mai steht die Wahl des Fraktionsvorsitzenden an. Ob es Spahns Wiederwahl wird?

Noch wird alles dementiert, was das infrage stellt. Aber niemand kann bestreiten, dass die Gedanken manch Wichtiger in der Union darum kreisen, ob weniger Umstrittene in Spitzenpositionen nicht doch mehr Ruhe und Gemeinsamkeit in die Koalition bringen. Nötig hätte sie’s.

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