„Wespen bemerken unsere Angst. Angstschweiß ist für sie ein Warnsignal“

vor 6 Stunden 1

Im Spätsommer werden Wespen lästiger, weil sich ihre Ernährung umstellt. So unglaublich es klingt: Sie spüren, wenn man Angst vor ihnen hat. Wie man sich den Insekten gegenüber richtig verhält und Stiche vermeidet.

Bis zum Hochsommer füttern die Arbeiterinnen im Wespenvolk ihre Larven mit Fleisch und Insekten. Im Tausch gibt es einen süßen Speichel als Nahrung. Doch gerade ändert sich der Speiseplan. Da die Brutpflege im August abnimmt, schrumpft die natürliche Zuckerquelle der Arbeiterinnen.

Die erwachsenen Tiere benötigen in diesen Tagen Zucker als schnellen Energiekick, quasi als „Flugbenzin“. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) gibt Tipps, was zu tun ist, um sich vor Stichen zu schützen, wenn Wespen scharf sind auf Apfelschorle, Kuchen und Eisbecher.

In Deutschland gibt es etwa 700 Wespenarten. Manche sind nur wenige Millimeter groß, andere fast so groß wie eine Hummel. „Lästig werden dem Menschen, wenn überhaupt, nur zwei Wespenarten, und zwar die ‚Gewöhnliche Wespe‘ und die ‚Deutsche Wespe‘“, sagt Bernd Quellmalz vom Bremer Landesverband des BUND. Allerdings seien Wespen nie grundlos aggressiv. „Sie stechen nur zur Verteidigung des Nestes und ihres eigenen Lebens.“

Quellmalz rät, auf keinen Fall wild um sich zu schlagen, wenn sich Wespen nähern, sondern die Tiere sanft wegzuschieben. „Generell heißt es: Ruhe bewahren. Denn, so unglaublich es klingt, die Wespen bemerken unsere Angst. Angstschweiß ist für sie ein Warnsignal. Auch Wegblasen ist keine Alternative, denn das ausgeatmete Kohlendioxid macht die normalerweise ruhigen Tiere erst aggressiv, ebenso wie der Versuch, sie einfach wegzuwedeln.“

Süße Speisen und Getränke sollten im Freien abgedeckt werden, um gar nicht erst die Wespen anzulocken. Das Gleiche gilt für Abfallbehälter, insbesondere in Parks, auf Spielflächen und Schulhöfen, die geschlossen sein sollten. Sinnvoll ist es auch, nicht aus offenen Flaschen zu trinken, sondern Strohhalme zu benutzen.

„Wer das Risiko eines Stichs vermindern möchte, wischt außerdem Kindern die Reste von Süßigkeiten aus dem Mundbereich und vermeidet das Barfußlaufen durch am Boden liegendes Fallobst“, ergänzt Quellmalz. Auch eine süße „Ablenkfütterung“ kann helfen – wenn der Abstand zum eigentlichen Esstisch oder zum Picknickplatz groß genug ist.

Was gegen Wespen hilft

Als Dresscode empfehlen Experten Kleidung mit dunklen Farben, denn Buntes lockt die Tiere an. Auch auf Parfum, Aftershave oder duftende Cremes verzichtet man besser, will man nicht „umschwärmt“ werden. „Geeignete Vorhänge versperren den Wespen den Zugang zu Innenräumen“, ergänzt BUND-Regionalgeschäftsführer Quellmalz.

Hilft Wassernebel aus der Sprühflasche? Kurzfristig ja, weil er Regen oder feuchtes Wetter imitiert. Allerdings hält die Wirkung nicht lange an, weil der Wassernebel schnell verdunstet.

Übrigens zählen auch Hornissen zu den Wespen. Sie können einem Picknick aber nur wenig abgewinnen. Lassen sie sich doch einmal blicken, so sind sie wohl auf der Jagd nach einer Deutschen oder Gemeinen Wespe. Quellmalz: „Menschen gegenüber verhalten sie sich sehr friedlich und ergreifen eher die Flucht. Sie stechen nur, wenn sie gequetscht werden. Ihr Stich ist zwar schmerzhafter, aber weniger giftig als ein Wespenstich.“

Wespen sind geschützt und nützlich. „Ein kleiner Wespenstaat vertilgt bis zu 3000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag. Außerdem bestäuben sie viele Pflanzenarten“, wirbt Quellmalz für Toleranz. Gebe es in der Nähe ein Wespennest, reiche es oft, bis Herbst abzuwarten, wenn das gesamte Wespenvolk ohnehin sterbe.

„Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Menschen allergisch auf Wespenstiche reagieren. In solchen und einigen wenigen anderen Fällen ist es möglich, Wespennester durch geschulte Fachleute umsiedeln und in Notfällen sogar bekämpfen zu lassen.“

epd/lpi

Gesamten Artikel lesen