Vorbereitung junger Männer auf „Rassenkrieg“: Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor radikalen „Active Clubs“

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Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor der Radikalisierung junger Männer in „Active Clubs“. Diese Sportgemeinschaften gelten als Versuch, junge Männer für das rechtsextremistische Spektrum zu gewinnen. Seit dem Frühjahr 2024 lasse sich „die Gründung einer Vielzahl an regionalen ‚Active Clubs‘ in Deutschland feststellen“, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag mit. 

Die Sicherheitsbehörden fürchten demnach das Gewaltpotenzial solcher Gemeinschaften. Ziel ist es nach Einschätzung des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, Kampfsport zu trainieren, um „auf einen angeblich bevorstehenden Rassenkrieg vorbereitet zu sein“. 

Mitglieder und Anhänger, der Jugendorganisation JN, Jungen Nationalisten, Partei Die Heimat, NPD-Nachfolger, demonstriert am 1. Mai in der Innenstadt von Essen, fordern u.a. Remigration von Ausländern, Skandieren rechte Sprüche und politische Forderungen, ca. 250 Ultra Rechte Anhänger der Partei aus ganz Deutschland mit Szenetypischen Kleidungstücken, Essen, NRW, Deutschland, Nazi Demo Die Heimat *** Members and supporters of the youth organization JN, Young Nationalists, party Die Heimat, NPD successor, demonstrating on 1 May in the city center of Essen, demanding among other things remigration of foreigners, chanting right-wing slogans and political demands, about 250 ultra right-wing supporters of the party from all over Germany w

Sicherheitsbehörden beobachten in jüngster Zeit, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind.

© imago/Jochen Tack

Dem Bundesamt für Verfassungsschutz seien „Erkenntnisse zu diversen relevanten Personen mit einem entsprechenden Bezug bekannt“, erklärte die Behörde dem Bericht zufolge. Dabei hätten Sicherheitsbehörden auch Verbindungen der Szene zu rechtsextremen Parteien festgestellt. 

„Active Clubs“ sollen junge Männer offenbar radikalisieren

Wie es in dem Bericht weiter heißt, gehe es um kleine, lose organisierte Sportklubs ohne offizielles Mitgliederverzeichnis. Videos in einschlägigen Kanälen zeigen demnach kräftige junge Männer beim Training in Garagen oder auf Sportplätzen. Zu erkennen geben sie sich in der Regel nicht. Ihre Gesichter seien oft verpixelt oder von Sturmhauben bedeckt. Zu sehen sei, wie sie boxen oder am Boden Nahkampf üben. Getragen würden T-Shirts mit Slogans wie „Keepers of the Race“, „Defend Europe“ oder „Kampfgeist“.

Wie es in dem Bericht unter Berufung auf die bayerischen Verfassungsschützer weiter heißt, soll Patrick Schröder, Landesvizechef der rechtsextremistischen Partei „Die Heimat“ (früher NPD) in Bayern, einen „Fahrplan“ für den Aufbau von Clubs in Deutschland erarbeitet haben.

Die Klubs dienten demnach der engeren partei- und organisationsübergreifenden Vernetzung der Szene, teilte der Landesverfassungsschutz mit. Das Ziel: Junge Männer sollten über körperliche Fitness und eine Ideologie „weißer Überlegenheit“ über die Clubs „schleichend radikalisiert und in die Szene integriert werden“.

Der Bundes- und der Landesverband von „Die Heimat“ sowie Schröder ließen demnach Anfragen zu Schröders Rolle und die der Partei unbeantwortet.

Dem Bericht zufolge gibt es bisher keine Website des Dachverbands „Active Club Germania“. Die Rekrutierung neuer Mitglieder erfolge vor allem über den Messengerkanal Telegram. Dort fänden sich Hinweise auf 22 Clubs in Deutschland, darunter im Erzgebirge, in Hamburg, Güstrow, Köln und in Bayern. Wie viele aktiv sind, sei für Außenstehende nicht erkennbar.

Vordenker ist der US-Neonazi Robert Rundo

Das Konzept der „Active Clubs“ stammt ursprünglich aus den USA. In den vergangenen Jahren breitete es sich auch in mehreren europäischen Ländern aus. Lokale Gruppen präsentieren sich nach außen häufig über Kraftsport, Kampfsport, Wandern, Disziplin und Gemeinschaft. Gleichzeitig wollen die Klubs eine Brücke zwischen dem virtuellen Raum und dem persönlichen Kennenlernen schlagen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte bereits Mitte 2025: „Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben.“ Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung.

Vordenker ist der US-Neonazi Robert Rundo, Jahrgang 1990. Er sehe die Chancen der Rekrutierung für eine neonazistische Bewegung nicht im Politischen, sondern im Sport. Rundo begann 2021, die Idee in Essays und Podcasts zu verbreiten, junge Männer weltweit über gemeinsame sportliche Freizeitaktivitäten an die Ideologie heranzuführen.

Rundo hatte eine weiß-nationalistische „Kampfsportgruppe“ in Südkalifornien gegründet, die gezielt für Straßenkämpfe trainierte. Er wurde von US-Behörden gesucht und der „New York Times“ zufolge 2018 zwischenzeitlich vom FBI festgenommen.

Später tauchte Rundo mehrere Jahre in Osteuropa unter, ehe er 2023 in Bukarest aufgespürt und von Rumänien an die USA ausgeliefert wurde, wie unter anderem der „Guardian“ berichtete.

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