Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen lebensbedrohlich sein. In den USA fährt die Trump-Regierung auf Geheiß von US-Gesundheitsminister und Impfskeptiker Robert F. Kennedy Jr. ihre Impfpläne jedoch zurück. Nun warnt ein führender US-Gesundheitsbeamter aus Kennedys Haus angesichts von Masernausbrüchen in mehreren Bundesstaaten. Laut Mehmet Oz, Leiter der Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS), drohen die USA ihren Status als masernfreies Land zu verlieren.
»Bitte lassen Sie sich impfen«, richtete Oz einen Appell an die US-Bevölkerung. »Wir haben eine Lösung für unser Problem.« Oz verteidigte zwar den jüngst überarbeiteten Impfplan seines Vorgesetzten, aber will für Masern eine Ausnahme geltend machen. »Nicht alle Krankheiten sind gleich gefährlich, und nicht alle Menschen sind gleich anfällig für diese Krankheiten«, sagte Oz dem US-Sender CNN. »Aber gegen Masern sollten Sie sich impfen lassen.«
Ein Ausbruch in South Carolina mit Hunderten von Fällen hat die Fallzahlen des texanischen Ausbruchs von 2025 bereits übertroffen. Auch an der Grenze zwischen Utah und Arizona gibt es einen Ausbruch. In mehreren anderen Bundesstaaten wurden in diesem Jahr Fälle bestätigt. Bereits im vergangenen Jahr erlebten die USA den schwersten Masernausbruch seit mehr als 30 Jahren, mit mehr als 2000 gemeldeten Fällen im Jahr 2025. Nun steigen die Zahlen weiter.
»Ganz vorne mit dabei«
Die Ausbrüche betreffen hauptsächlich Kinder und fallen in eine Zeit, in der Experten für Infektionskrankheiten warnen, dass das wachsende Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Impfungen generell zur Ausbreitung einer Krankheit beitragen könnte, die von Gesundheitsbehörden einst für ausgerottet erklärt wurde.
Auf eine Frage von CNN, ob man Angst vor Masern haben sollte, antwortete Oz: »Oh, ganz bestimmt.« Er sagte, Medicare und Medicaid würden die Masernimpfung weiterhin im Rahmen ihrer Versicherungsprogramme übernehmen. Die Masernimpfung sei weiterhin Teil des Standardimpfplans. Auch Gesundheitsminister Kennedy setze sich für Masernimpfungen ein und sei »ganz vorne mit dabei«.
Impfskeptiker Kennedy
Viele Menschen in den USA dürfte die Aussage überraschen: Kennedy gilt als bekannter Impfskeptiker. Unter US-Präsident Donald Trump hat er im Land deutlich Stimmung gegen Impfungen gemacht, zum Leidwesen vieler Ärztinnen und Ärzte. Er hatte in der Vergangenheit wiederholt einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus behauptet – ein Zusammenhang, für den es nach übereinstimmender Einschätzung der Wissenschaft keine Belege gibt.
Erst im Januar ließ Kennedy mehrere Impfungen runterfahren. Mehrere Impfstoffe, darunter gegen Rotaviren und Influenza, werden künftig nicht mehr als Standardimpfungen für alle Kinder empfohlen. Die Vakzine bleiben zwar verfügbar, sollen aber nur noch bei besonderen Risiken oder nach individueller ärztlicher Beratung eingesetzt werden. Bislang galten sie als fester Bestandteil der routinemäßigen Kindervorsorge.

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