Daphy Michel wurde am 2. März am Boden einer Bushaltestelle in Pittsburgh gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Wenig später war sie tot, drei Tage nach ihrer Entlassung aus Bundesgewahrsam. Die Rechtsmedizin in Allegheny County stellte als Todesursache Unterkühlung fest und stufte den Fall als Tötungsdelikt ein.
Der Tod sei durch das Handeln Dritter verursacht worden, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme. Der Befund sei aber keine strafrechtliche Beurteilung.
Ein Anwalt, der ihre Familie vertritt, sagte, er erwarte, dass ihre Angehörigen die US-Einwanderungsbehörde ICE im Zusammenhang mit ihrem Tod verklagen werden.
Michel war laut dem Anwalt der Familie eine gebürtige Haitianerin, die in den USA Asyl suchte, nachdem sie 2022 an der südlichen Grenze eingereist war. Aufgrund ihrer Situation sei ihr ein vorübergehender Schutzstatus zugesprochen worden. Zwei Wochen nach ihrem Tod hätte es eine Anhörung ihres Falls geben sollen.
Die Rechtsmediziner stufen Michel als schutzbedürftige Person ein, die zum Zeitpunkt ihrer Entlassung aus ICE-Gewahrsam am 27. Februar an »schweren psychischen Problemen« gelitten habe. Außerdem habe sie »erhebliche Verständigungsprobleme« gehabt.
Michel war im vergangenen Sommer festgenommen worden, weil sie aufgrund ihrer Erkrankung imaginäre Menschen anschrie. Sie verbrachte sechs Monate im Gefängnis von Washington County, wo sie mehreren psychiatrischen Untersuchungen unterzogen wurde. Ein Richter sah schließlich keine Grundlage für eine Anklage. Daraufhin nahmen ICE-Beamte sie fest, brachten sie ins 40 Kilometer entfernte Pittsburgh, legten ihr eine elektronische Fußfessel an und entließen sie dort.
Eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums teilte zu dem Fall mit: »ICE hatte nichts mit dem Tod dieser Frau zu tun. Sie starb drei Tage, nachdem ICE mit ihr Kontakt hatte.« Michel sei eine »illegale Ausländerin aus Haiti« gewesen, die nach ihrer Festnahme in ein Abschiebungsverfahren überführt worden sei. »Sie wurde mit all ihren Habseligkeiten entlassen, einschließlich eines vollständig aufgeladenen Mobiltelefons, bei sonnigem Wetter mitten in Pittsburgh, wo öffentliche Verkehrsmittel problemlos verfügbar sind«, heißt es in der Erklärung.
Laut »CBS News« lag die Tageshöchsttemperatur in Pittsburgh am Entlassungstag bei etwa 13 Grad, der Tiefstwert bei −4. Am Todestag lag das Tageshoch bei 2 Grad, der Tiefstwert bei −7.
Die Bezirksvorsitzende von Allegheny County, Sara Innamorato, bezeichnete Michels Tod als »eine Tragödie, die mit ein wenig Menschlichkeit völlig vermeidbar hätte sein können«.

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