Die Friedensgespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine sind einem russischen Medienbericht zufolge wegen des Irankriegs ausgesetzt. Das russische Präsidialamt habe die Unterbrechung bestätigt, berichtete die Zeitung »Iswestija« unter Berufung auf Vertreter der Regierung in Moskau.
Kremlsprecher Dmitrij Peskow zufolge werde der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew zwar seine Arbeit an Investitions- und Wirtschaftskooperationen fortsetzen, die trilateralen Gespräche seien jedoch unterbrochen. »Kirill Dmitrijew setzt die Arbeit fort. Die trilaterale Gruppe macht eine Pause«, wird Peskow von der Zeitung zitiert.
Die Unterbrechung hat vor allem für Russland Vorteile. Sie ermöglicht Kremlchef Wladimir Putin, bei den Verhandlungen zur Beendigung des Kriegs weiterhin auf Zeit zu spielen. Außerdem ergibt sich daraus einmal mehr eine Chance für den Kreml, über seine Hauptanliegen direkt mit den USA zu verhandeln. Insgesamt könne der Irankrieg die Ukraine zu Kompromissen bewegen, heißt es in dem »Iswestija«-Bericht.
Die letzte Runde der Dreiergespräche hatte Mitte Februar in der Schweiz stattgefunden. Ein weiteres Treffen wurde Anfang März in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, doch Ende Februar begannen die USA und Israel ihre Luftangriffe gegen Iran.
In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der BBC sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, er habe ein »sehr schlechtes Gefühl« bei den Auswirkungen des Irankonflikts auf den Krieg in der Ukraine. Putin könne unter anderem wegen steigender Energiepreise und der knapp werdenden Flugabwehrmunition profitieren.
Drohnenangriffe auf Westukraine
Unterdessen griff die russische Armee in den Abendstunden vom Mittwoch mehrere Ziele in der Westukraine mit Drohnen an. In der Großstadt Lwiw habe eine Drohne das regionale Hauptquartier des Geheimdienstes SBU beschädigt, teilte Militärgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram mit. Verletzte habe es nicht gegeben.
Im Gebiet Wolyn wurde eine Anlage der Energieversorgung nahe der Stadt Nowowolynsk attackiert. Deswegen fiel für etwa 30.000 Haushalte der Strom aus, wie Militärgouverneur Roman Romanjuk auf Telegram schrieb. Die ukrainischen Gebiete Lwiw und Wolyn grenzen an das EU- und Nato-Mitglied Polen.
Ungarische Minderheit laut Kyjiw von Russland eingeschüchtert
Im Westen des Landes will der ukrainische Geheimdienst SBU nach eigenen Angaben eine Einschüchterungskampagne russischer Dienste gegen die ungarische Minderheit in der Ukraine aufgedeckt haben. Damit solle das gespannte Verhältnis zwischen Ungarn und der Ukraine weiter belastet werden, teilte der SBU in Kyjiw mit.
Demnach erhielten Angehörige der Minderheit im Gebiet Transkarpatien im Westen des Landes anonyme Anrufe. Die Unbekannten gaben sich als ukrainische Polizisten oder nationale Aktivisten aus, wie es weiter hieß. Sie drohten den Ungarn und forderten sie auf, die Ukraine zu verlassen. Die Herkunft der Anrufe werde technisch verschleiert, sie stammten aber aus Russland. Unabhängige Berichte zu dem Vorgang gab es nicht. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verbreitete die Nachricht auf dem Portal X .
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Ungarn tritt traditionell als Schutzmacht der ungarischen Minderheiten in seinen Nachbarländern auf. In der Ukraine leben mehrere Zehntausend ethnische Ungarn. Der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán kämpft derzeit gegen eine mögliche Niederlage bei der nächsten Parlamentswahl. Als enger Verbündeter Russlands hat er die Ukraine als Feindbild auserkoren.
Er wirft ihr im Wahlkampf vor, russische Öllieferungen zu blockieren und Ungarn in den Krieg verwickeln zu wollen. Budapest sperrt sich auch gegen einen EU-Kredit über 90 Milliarden Euro an Kyjiw und will ein Veto gegen einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine einlegen.

vor 2 Stunden
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