Die Erwartungen waren schon vor der einseitig ausgerufenen Waffenruhe nicht hoch. In der Nacht auf Mittwoch wurde sie nach Angaben der ukrainischen Regierung dann mehr als 100-mal durch Russland gebrochen. Den ukrainischen Behörden zufolge gab es bei Angriffen im Norden und Osten des Landes ein Todesopfer und drei Verletzte. »Dies zeigt, dass Russland den Frieden ablehnt und seine falschen Aufrufe zu einer Feuerpause am 9. Mai nichts mit Diplomatie zu tun haben«, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Onlineplattform X.
Um Mitternacht war die von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgerufene Waffenruhe in Kraft getreten. Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte zuvor selbst eine Feuerpause für den 8. und 9. Mai angekündigt. Russland feiert am 9. Mai den Sieg über Nazideutschland traditionell mit einer Militärparade.
Warnung vor taktischem Manöver
»Putin kümmert sich nur um Militärparaden und nicht um Menschenleben«, erklärte Sybiha. Selenskyj hatte eine zeitlich unbegrenzte Waffenruhe vorgeschlagen und Russland aufgefordert, sich ihr anzuschließen. Selenskyj erklärte aber auch, die Ukraine werde ab Beginn der Waffenruhe »symmetrisch« handeln. Bereits am Dienstag waren, wenige Stunden vor Ablauf der Frist für das ukrainische Angebot, nach ukrainischen Angaben bei mehreren russischen Angriffen mindestens 27 Menschen getötet worden.
Selenskyj sagte, es dürfe nicht sein, dass Russland seine Angriffe nur wegen einer Militärparade kurzzeitig einstelle, nachdem es die Ukraine zuvor schwer bombardiert habe.
Ukraine: über 100 Drohnen und Raketen in der Nacht
Am Mittwoch erklärte der ukrainische Außenminister weiter, Russland habe auch die Nacht hindurch angegriffen. Noch am Morgen seien die Städte Charkiw und Saporischschja ins Visier genommen worden. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe seit Dienstagabend 108 Drohnen, zwei ballistische Raketen und einen Marschflugkörper auf das Land abgefeuert.
In der nördlichen Region Sumy wurde nach Angaben des dortigen Gouverneurs ein Zivilfahrzeug von einer Drohne getroffen, wobei ein Insasse starb und der Fahrer verletzt wurde. In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, beschädigte ein Drohnenangriff sieben Wohngebäude.
In Saporischschja im Südosten des Landes griffen russische Truppen eine Industrieanlage an. Allein in Saporischschja waren am Dienstag zwölf Menschen bei einem Angriff getötet worden. Die Stadt Krywyj Rih meldete am Mittwoch Schäden an der Infrastruktur durch Drohnenangriffe.

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