Tod und Verwüstung in der Sächsischen Schweiz: So erlebt Sachsens kleinste Gemeinde die wiederkehrenden Naturkatastrophen

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Am vergangenen Freitag zieht ein schweres Unwetter über die Sächsische Schweiz und richtet insbesondere in dem Gebiet rund um die berühmte Felsenbühne Rathen unterhalb der Bastei-Brücke verheerende Schäden an. Auf der Felsenbühne sollte am Freitagabend „Der kleine Horrorladen“ aufgeführt werden. Die Aufführung wird wegen einer Gewitterwarnung kurzfristig abgesagt. Trotzdem befinden sich zum Zeitpunkt des schweren Unwetters schon etwa 40 Gäste vor Ort.

Der schwere Sturm fällt Hunderte Bäume binnen weniger Minuten. Ein 28-Jähriger wird durch einen Baum erschlagen und stirbt, drei Menschen werden schwer verletzt, zehn weitere leicht. Die Lage ist bis in die Freitagnacht unübersichtlich, die Feuerwehr befürchtet Vermisste in dem Gebiet. Ein Sprecher der Bergwacht sagte, er habe den Eindruck, es sei ein Teil des Hanges abgerutscht und mehrere Bäume ins Tal gestürzt. „Es scheint eine sehr lokal begrenzte und sehr starke Unwetterzelle gewesen zu sein“, sagte er. Der Tagesspiegel erreicht Rathens Bürgermeister einige Tage nach dem Unglück am Telefon.

Herr Rolof, wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?
Wir waren insgesamt rund 30 Stunden im Einsatz. Dabei hatten wir sehr viel Unterstützung, wofür ich ausgesprochen dankbar bin. Trotzdem muss das alles koordiniert werden, und dafür braucht es auch bestimmte Zustimmungen, die wir vor Ort erteilen mussten.

 Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Rathens Bürgermeister zeigt die Zerstörung durch den Sturm auf seinem Handy.

© dpa/Robert Michael

Am schlimmsten hat es das Gebiet um die Felsenbühne Rathen unterhalb der weltberühmten Bastei-Brücke getroffen. Beschreiben Sie uns, was sich dort für ein Bild für Sie ergeben hat.
Insgesamt wurden rund 20 Hektar Wald einfach so umgelegt. Wie wir inzwischen wissen, wurde das durch einen sogenannten Downburst verursacht. Das ist ein plötzlicher, heftiger Abwind aus einer Gewitter- oder Schauerwolke, der auf den Boden trifft und sich dort stark ausbreitet. Deswegen nennt man das Phänomen auch Fallböe. Die Bäume lagen in der Gegend wie umgeknickte Streichhölzer. Das Unwetter dauerte keine 15 Minuten und hinterließ trotzdem ein verheerendes Bild der Verwüstung.

Lässt sich das betroffene Gebiet eingrenzen?
Gott sei Dank muss man sagen, dass vor allem die Felsenbühne und der Amselsee betroffen sind – also der Ausläufer des Amselgrundes (ein Tal in der Sächsischen Schweiz, d. Red.). Andere Bereiche wurden nur geringfügig beschädigt. Deshalb sind wir inzwischen auch wieder relativ gut aufgestellt. Der Weg zur Bastei soll noch in dieser Woche wiedereröffnet werden. Der Nationalpark und Sachsenforst haben sehr viel dafür getan, dass der Betrieb so schnell wieder aufgenommen werden kann. Als wir am Freitag gemeinsam mit dem Landrat und den Kreisbrandmeistern vor Ort waren, war der Anblick allerdings wirklich erschreckend.

Die Bäume lagen in der Gegend wie umgeknickte Streichhölzer

Roman Rolof, Bürgermeister von Rathen

Kann man solch ein katastrophales Unwetter wie das von Freitag voraussehen? Hätte man früher darauf reagieren können, oder tritt so etwas zu plötzlich auf?
Ich würde mich da an den Einschätzungen der Fachleute orientieren. Ein Meteorologe hat bereits gesagt, dass dieses konkrete Wetterereignis des Downbursts in keinem der öffentlich zugänglichen Wetterberichte vorhergesagt worden war. Für ein solches Ereignis kann man keinen konkreten Notfallplan machen – man kann sich letztlich nur in Sicherheit bringen.

Gleichzeitig haben wir durch die Koordination des Landkreises rasch Hilfe bekommen. Die Erfahrungen aus dem Waldbrand von 2022 haben uns dabei sehr geholfen, alles schnell zu organisieren und unter Dach und Fach zu bringen.

Waldbrand Am 24.7.2022, brach in der Böhmischen Schweiz im Gebiet in der Nähe von Hrensko, Kamnitzklamm und des Prebischtors ein Waldbrand aus. Mittlerweile ist die Brandfläche auf 10 Hektar angewachsen und es wurde auch im deutschen Teil, Katastrophenalarm ausgelöst. Hunderte Löschkräfte werden von mehreren Helikoptern und einem Löschflugzeug auf beiden Seiter der Grenze unterstüzt. Die Feuerwalze bewegt sich auf den Grenzort Hrensko zu. Reinhardtsdorf-Schöna Sachsen GERMANY *** Forest fire On 24 7 2022, a forest fire broke out in Bohemian Switzerland in the area near Hrensko, Kamnitzklamm and the Prebisch Gate Meanwhile, the fire area has grown to 10 hectares and it was also in the German part, disaster alert triggered Hundreds

Großflächiger Waldbrand in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz im Sommer 2022.

© IMAGO/Sylvio Dittrich

Ihr Ort ist durchaus als krisenerprobt zu bezeichnen. Immer wieder rückt Rathen bundesweit in den Fokus. Das schwere Elbehochwasser 2013, der verheerende Waldbrand 2022, jetzt die Unwetter-Katastrophe im Bereich der Felsenbühne. Wieso immer Rathen und welche Rolle spielt der Klimawandel?
Unsere geografische Lage im Elbtal begünstigt natürlich, dass es zu solchen Ereignissen kommen kann. Gemeinsam mit dem Landratsamt haben wir deshalb entsprechende Pläne entwickelt. Durch die Erfahrungen mit früheren Krisen sind wir inzwischen relativ gut darauf eingestellt.

 Matthias Hiekel dpa/lsn +++ dpa-Bildfunk +++

In regelmäßigen Abständen überflutet die Elbe das Stadtzentrum von Rathen.

© dpa/dpaweb/Matthias Hiekel

Wenn wir in einer anderen geografischen Lage wären, würde uns ein solches Ereignis vermutlich nicht so heftig treffen. Wir sind deshalb sehr froh, dass es nicht allzu häufig vorkommt, und zuversichtlich, dass wir nicht so schnell wieder von einem solchen Ereignis getroffen werden.

Wie lange werden die aktuellen Aufräumarbeiten noch dauern?
Wir wurden darüber informiert, dass der Weg zur Bastei über das Amselgrundschlösschen am Freitag gemeinsam mit der Staatsministerin wiedereröffnet werden soll. Nach vorsichtiger Einschätzung gehen wir davon aus, dass dann alle Wege Ende des Monats wieder begehbar sein werden und das Waldbetretungsverbot aufgehoben werden kann. Die Schäden an der Felsenbühne und am Amselsee werden dann allerdings noch nicht vollständig beseitigt sein.

Für die Felsenbühne haben wir schon ab morgen einen neuen Veranstaltungsort gefunden. Das Programm geht also weiter. Allerdings nicht hier vor Ort, sondern in Dresden. Aber – und das ist das Wichtigste – die Kultur bleibt am Leben.

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