Suhrkamp-Merch: Foucault auf die Füße

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Derzeit empfängt einen vor der Haustür gleißende Sonne und bisweilen ein rechter Saharawind. Da kommen die neuen Badeschlappen wie gerufen, die es bei Suhrkamp online zu kaufen gibt – als Ergänzung zu allerlei Merch-Produkten, die in den letzten Jahren unter Lesende gebracht wurden. Für 28 Euro kann man die schwarzen Treter sein Eigen nennen. Und das Berliner Verlagshaus hat sich nicht lumpen lassen. Edel aussehen tut das neue Produkt zwar nicht unbedingt. Doch wer will im Latschenbereich schon Stilfragen stellen? Auf den Gehalt schließlich kommt es an!

Der, freilich, hat es in sich. In einem überaus hübschen Ziegelrot, kunstvoll, raffiniert und formschön in das Kunstleder geprägt, wird Foucault ein bleibendes Andenken gesetzt. In der rechten Latsche steht „Wahnsinn“, in der linken „Gesellschaft“. Wahnsinn – Gesellschaft: Mit diesem Begriffspaar gedenkt man des Autors von „Wahnsinn und Gesellschaft“, des großen Philosophen, dessen Geburtstag sich demnächst zum hundertsten Mal jährt. Gewiss wäre dieser über das Geschenk entzückt gewesen. Denn es erzählt seine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft, also vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, für unser Jahrhundert neu. Das heißt dann, den Geist im To-go-Modus erfahren, auf Schritt und Tritt zur Sache kommend, statt in ausschweifenden Vorlesungen zu versauern.

Im Latschengang schießt alles zusammen

Foucault hätte den Wahnsinn, den das bedeutet, gewiss umgehend wieder vernünftig bearbeitet und gesellschaftlich produktiv gemacht. Er hätte die Suhrkamp-Treter als Abbreviatur seines Schaffens zu schätzen gewusst: dass, wie bei einem edlen Tropfen, das Innerste, Beste ausgepresst und destilliert wird. Hier, also in der im besten Sinne ausgelatschten Merch-Formel, stimmt auf einmal alles. Ist sie auch Wahnsinn, hat sie gesellschaftlich doch Methode. Foucaults Strandliebe von damals tritt sich in der Gegenwart fest. Im Latschengang schießt auf einmal alles zusammen, und der Kristall ist rein – mit einem anderen berühmten Geist gesprochen.

Auch in diesen Hitzetagen weht der Geist, wo er will, und sei es als Flaute im Minimalismus der Dinge. Da geht dann kein Windchen. Geisterfüllt so oder so setzen wir unseren Schlappengang am Meeresufer fort. Wenn der Meister in „Die Ordnung der Dinge“ schrieb: dass der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand – wir brauchen’s nicht zu fürchten, wir tragen Foucault an den Füßen. Aber unsere Badeschlappen, die könnten sehr wohl im Sande vergessen gehen.

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