Studie mit Apple-Health-Daten: Hörverlust hängt mit Mobilität im Alltag zusammen

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Gesundheitsfunktionen in Wearables sind bekanntlich eine niedrigschwellige Möglichkeit, bei sich selbst nach dem Rechten zu sehen. Den als rasend empfundenen Puls zu kontrollieren, ist mit einer entsprechend ausgestatteten Smartwatch nur ein Antippen entfernt. Wie genau dabei etwa die Pulsmessung der Apple Watch im Vergleich zu medizinischen Referenzsensoren abschneidet, hat eine Fallstudie untersucht. Aber auch die Forschung kann von den Gesundheitsaufzeichnungen von iPhone & Co. erheblich profitieren, wie jetzt eine Langzeitstudie der Universität Michigan aufzeigt, die am 30. April 2026 erschien und in Kooperation mit Apple entstanden ist. Sie liefert zwei bemerkenswerte Befunde über den Zusammenhang zwischen Hörvermögen und spürbaren Alltagsproblemen.

Da ist zunächst der Befund, dass das subjektive Erleben des eigenen Hörvermögens und klinische Befunde teilweise erheblich auseinanderliegen. Von rund 85.000 Studienteilnehmern mit klinisch normalem Gehör bewerteten mehr als 16 Prozent ihr eigenes Gehör als „mittelmäßig“ oder „schlecht“. Über sieben Prozent gaben an, im Alltag große Schwierigkeiten beim konzentrierten Zuhören oder bei Gesprächen mit Hintergrundgeräuschen zu haben, und bewerteten ihre Beeinträchtigung mit acht oder mehr von zehn möglichen Punkten.

Das Hörvermögen wird mit dem sogenannten 4PTA-Wert ermittelt (Four-Frequency Pure Tone Average). Dieser gibt an, wie leise jemand Töne bei vier sprachrelevanten Frequenzen (500, 1000, 2000 und 4000 Hz) noch wahrnehmen kann. Zwar gibt es laut Studie kein grundsätzliches Problem mit diesem Wert, weil sich zeigte, dass Menschen, die ihr Hören als schlecht empfinden, auch einen höheren 4PTA-Wert aufwiesen. Die Einstufung als „normal“ führt allerdings in der Praxis dazu, dass keine weiteren Maßnahmen empfohlen werden. Regelmäßige, niedrigschwellige Tests würden schneller aufzeigen, wenn es zu weiteren Verschlechterungen kommt.

Der zweite Befund betrifft einen statistischen Zusammenhang zwischen Hörverlust und Gehvermögen. Die Forscher analysierten dafür die passiv per iPhone-Sensoren erfassten Gehgeschwindigkeiten von rund 57.000 Teilnehmern im Alltag. Das Ergebnis: Je höher der 4PTA-Wert – also je schlechter das Gehör –, desto langsamer bewegten sich die Probanden im Alltag. Der Zusammenhang blieb auch nach statistischer Bereinigung um Alter und Geschlecht signifikant und war besonders ausgeprägt bei Personen ab 60 Jahren.

Die Erklärung der Wissenschaftler: Gutes Hören liefert permanent akustische Umgebungsinformationen – Schrittgeräusche, Verkehrslärm, räumliche Signale – die unbewusst zur sicheren und zügigen Fortbewegung beitragen. Fällt diese akustische Orientierung weg oder wird schwächer, bewegen sich die Menschen vorsichtiger. Gehgeschwindigkeit gilt dabei als vielschichtiger Gesundheitsmarker, der Herz, Lunge, Muskulatur, Gleichgewichtssinn und eben auch das Gehör einschließt.

Apple nutzt die Studienergebnisse naturgemäß dazu, auf Funktionen seiner Produkte hinzuweisen. Die 2024 eingeführten Hörtests und Hörhilfen – verfügbar auf AirPods Pro 2 und AirPods Pro 3 in Kombination mit einem iPhone – sind inzwischen in über 150 Ländern erhältlich. Der Hörtest misst den 4PTA-Wert direkt auf dem Gerät, die Hörhilfe-Funktion kann bei festgestelltem leichtem bis mittelschwerem Hörverlust als klinisch zugelassenes Hörgerät fungieren.

Die Studie hat die Besonderheit, dass sie auf einen sehr großen Datenpool mit 160.000 Teilnehmern zurückgreifen kann und dieser obendrein nicht unter Laborbedingungen entstanden ist, sondern passiv im Alltag. Auch Apples eigene KI-Forschung nutzt solche Massendaten: Ein neues Grundmodell auf Basis von Apple-Watch-Sensordaten soll Erkrankungen wie Herzprobleme oder Atemwegsinfektionen frühzeitig erkennen. Andererseits ist die Teilnehmerauswahl im Vergleich zu anderen Studien nicht repräsentativ, was die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung einschränkt. iPhone-Nutzer, die aktiv an einer Gesundheitsstudie teilnehmen, sind tendenziell gesundheitsbewusster als der Durchschnitt – das könnte die Ergebnisse verzerren. Wer die eigene Apple Watch noch gezielter zur Gesundheitsüberwachung einsetzen möchte, findet in spezialisierten Gesundheits-Apps für die Apple Watch tiefergehende Analysen und Empfehlungen.

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(mki)

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