Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschft (GEW) fordert nach den tödlichen Schüssen in Stade mehr Schutz für Mitarbeitende von Jugendhilfeeinrichtungen. »Sie erleben immer wieder Entgleisungen und Übergriffe, die tief in den Dynamiken von häuslicher Gewalt und patriarchalem Kontrollwahn verwurzelt sind«, sagt Doreen Siebernik, stellvertretende GEW-Vorsitzende. Gehe es um Sorgerecht oder Kindeswohlgefährdung, sei das Risiko verbaler oder physischer Gewalt erhöht.
Der 45-jährige Fatih Khan G. soll am Montag in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade westlich von Hamburg vier Frauen und zwei Männer getötet haben. Drei der Opfer arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung, drei weitere waren Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover. Sie waren für ein Hilfeplangespräch in der Einrichtung. Die Ermittler gehen davon aus, dass ein Sorgerechtsstreit das Motiv für die Tat war. Der Tatverdächtige hat die türkische Staatsbürgerschaft und sitzt aktuell in Untersuchungshaft.
Laut niedersächsischem Sozialministerium ist es gängig, solche Gespräche in einer Einrichtung zu führen und nicht vor Gericht oder auf einer Polizeiwache. »Es gab vereinzelt Fälle in der Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig ist«, sagt Ministeriumssprecherin Lea Karrasch. Das sei hier nicht der Fall gewesen.
Die GEW fordert nun ein funktionierendes System von Jugendamt, Polizei und Trägern zum Schutz von Jugendhilfeeinrichtungen, räumt aber ein »Dilemma« ein: »Einerseits müssen Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und das Leben der Angestellten schützen«, sagt die stellvertretende Vorsitzende Siebernik. »Andererseits leben soziale Arbeit und Jugendhilfe von Vertrauen und Zugänglichkeit«. Die Hemmschwelle für Hilfesuchende steige, sollten die Orte zu »Festungen« mit Sicherheitsschleusen und bewachten Eingängen ausgebaut werden.

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