ADAC-Kritik an Ölkonzernen Trotz Tankrabatts – Spritpreise ziehen in der Tendenz wieder an
Mit dem Tankrabatt will die Regierung Autofahrer entlasten. Doch die Bilanz der ersten Tage fällt ernüchternd aus. Ein Tipp des Kartellamts klingt fast resigniert.
04.05.2026, 15.27 Uhr
Preisanzeige an einer Tankstelle
Foto: Thomas Warnack / dpa / picture allianceDie Spritpreise enttäuschen derzeit viele Autofahrer, die sich durch den Tankrabatt eine stärkere Entlastung erwartet hatten. Nach einem deutlichen Rückgang am ersten Tag der Steuersenkung geht es an den Zapfsäulen tendenziell wieder bergauf, wie Daten des ADAC und des Bundeskartellamts zeigen.
Super E10 fiel am Montagvormittag im bundesweiten Durchschnitt zwar vorübergehend wieder unter 2 Euro. Das Bundeskartellamt meldete für 10.14 Uhr einen Wert von 1,99 Euro pro Liter. Laut ADAC ging es bis kurz vor dem Preissprung am Mittag sogar bis auf 1,981 Euro nach unten. Dann ging es aber schlagartig auf 2,099 Euro nach oben. Diesel kostete um 11.45 Uhr im Schnitt 2,063 Euro, nach dem Mittagssprung 2,193 Euro pro Liter.
Die Preise unterscheiden sich allerdings nicht nur je nach Uhrzeit, sondern auch je nach Region. Und selbst innerhalb einer Großstadt sind zwischen den günstigsten und teuersten Tankstellen teilweise Unterschiede von deutlich mehr als 10 Cent pro Liter zu finden.
ADAC kritisiert Mineralölkonzerne
Bereits am Sonntag waren Superbenzin und Diesel pro Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch zwischen 10 und 11 Cent billiger als am letzten Tag vor dem Start des Rabatts – also deutlich weniger als die 16,7 Cent pro Liter, um die die Steuern vorübergehend gesenkt wurden. Der Steuerrabatt gilt nur für ab dem 1. Mai geliefertes Benzin.
Der ADAC zieht aus den Zahlen den Schluss, dass die Energiesteuersenkung von knapp 17 Cent »noch immer nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde«. Eine Sprecherin kritisiert zudem, »dass die Mineralölkonzerne erneut Preise anheben, ohne dass dies durch einen steigenden Rohölpreis gerechtfertigt wäre«.
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte: »Es ist unsere klare Erwartung, dass die Mineralölkonzerne diese Steuersenkung weitergeben.« Dies müsse nun beobachtet werden.
Die Mineralölwirtschaft hingegen widerspricht der Darstellung des Kartellamtes und des ADAC, dass die Steuersenkung für Benzin und Diesel an den Tankstellen nicht in voller Höhe an die Kunden weitergegeben werde. »Gemessen an den Tankstellenpreisen am 30. April wird der Tankrabatt von den Markentankstellen voll weitergegeben«, erklärte der Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ohne die Steuersenkung wären die Preise nach Darstellung des Verbandes rund 17 Cent je Liter höher. Gleichzeitig seien seit vergangener Woche die Produktpreise für Benzin und Diesel am Weltmarkt und damit die Einkaufspreise stark gestiegen. Grund dafür sei der »sich nochmals zuspitzende« Konflikt am Persischen Golf. »Der Tankrabatt wirkt und schützt die Kunden in dieser Situation vor noch höheren Preisen«, unterstrich der Verband.
Tankstellenverband sieht »ein übliches Marktphänomen«
Am 30. April hatte Super E10 laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,126 Euro pro Liter gekostet, Diesel 2,215 Euro. Am Freitag ging es dann zwar deutlich auf 1,989 und 2,079 Euro nach unten. Bis zum Sonntag verteuerte sich E10 aber wieder um 2,8 Cent auf 2,017 Euro, Diesel um 2,5 Cent auf 2,104 Euro.
Das Bundeskartellamt kommt in einer Auswertung zu annähernd gleichen Zahlen – die Unterschiede bewegen sich im Zehntel-Cent-Bereich. Der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, betont: »Die Steuersenkung soll Verbraucherinnen, Verbraucher und die Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten. Die Mineralölkonzerne sind allenfalls Treuhänder dieser Entlastung, sie ist nicht für sie bestimmt. Sie muss bei den Kunden ankommen.«
Eine explizite Aussage darüber, ob dies im Moment der Fall ist, traf Mundt nicht. Er rät Autofahrern aber: »Der App-Vergleich ist momentan wichtiger denn je, weil Preiskurven vieler Tankstellen beziehungsweise Marken stärker variieren als sonst.«
Seit Einführung der Zwölf-Uhr-Regel springen die Preise um die Mittagszeit meist um mehr als 10 Cent nach oben, sinken dann aber am Nachmittag und noch einmal am Vormittag des nächsten Tages, bis der nächste Mittagssprung folgt.
Der Tankstellenverband bft erklärte, dass die Preise schwankten, sei »ein übliches Marktphänomen«. Zudem wirke der Rabatt verzögert, weil der Steuernachlass nur auf ab dem 1. Mai an die Tankstellen gelieferten Sprit gilt. »Eine sofortige und vollständige Weitergabe ist daher weder wirtschaftlich darstellbar noch regulatorisch vorgeschrieben«, heißt es vom Verband.
Teuerster Tankmonat aller Zeiten – aber nur auf den ersten Blick
Im Alltag zählt für Autofahrer der tatsächliche Preis an der Tankstelle, und der ist aktuell hoch. Insofern passt es ins Bild, dass der April der teuerste Tankmonat aller Zeiten war. Sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel waren im bundesweiten Monatsdurchschnitt so teuer wie nie zuvor, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Die Nachrichtenagentur dpa hat diese ausgewertet.
Demnach kostete ein Liter E10 im Monatsdurchschnitt rund 2,11 Euro pro Liter. Der bisherige Rekord von 2,07 Euro stammt aus dem März 2022 – kurz nach Beginn des Ukrainekriegs.
Ein Liter Diesel kostete im Monatsdurchschnitt rund 2,27 Euro. Damit übertraf der Preis den Wert von 2,16 Euro aus dem vergangenen März noch einmal deutlich. Schon dieser hatte über den bisherigen Rekorden aus der Frühphase des Ukrainekriegs gelegen.
Doch jetzt folgt das Aber: Denn die Rekordwerte aus dem April lassen die Inflation außer Acht. Schließlich steigen auch bei den meisten anderen Gütern die Preise. Rechnet man die Inflation heraus, sind die Kraftstoffkosten zwar hoch, aber keine Rekorde mehr.
E10 war in dieser inflationsbereinigten Betrachtung unter anderem weite Teile der Jahre 2011, 2012 und 2022 teurer als im April. Für Diesel gilt das für einen großen Teil des Jahres 2022.

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