Kein Sportfilm kommt ohne Pathos aus. Und oft nicht ohne Hauptfigur, die in den Ring steigen muss, um sich zum Sieg zu boxen. Beginnt die Heldenreise eines gescheiterten Nachwuchstalents aber an einer Bowlingbahn in Wuppertal, macht das neugierig.
Als Karo (Bettina Lamprecht) 18 Jahre alt war, ging schief, was nicht schiefgehen durfte. Beim entscheidenden Wurf für die WM-Auswahl patzte sie. Zu dem Zeitpunkt hatten ihre Eltern schon ihr gesamtes Geld in ihre Bowlingkarriere gesteckt. Nun verlieren sie selbst die Bowlinghalle, die die Familie seither nur noch pachtet. Karos Vater stirbt augenscheinlich an einem Herzinfarkt, die Mutter verfällt dem Rauchen. Offenbar verantwortlich für das Unglück ihrer Eltern, schwört die junge Frau, nie wieder eine Bowlingkugel zu berühren.
Plötzlich geht es wieder um alles
Der Film steigt rund 20 Jahre später in Karos Leben ein. Unglücklich und frustriert, führen ihre Mutter Gabi (Hedi Kriegeskotte) und sie die in die Jahre gekommene Bowlinghalle. Ihr Leben plätschert vor sich hin, immer um 17 Uhr schaltet Karo die immer gleiche Schlagermusik ein, die sich Rentner Freddy (Hans-Joachim Heist) wünscht, um auf Bahn fünf zu bowlen – so wie früher, als seine Frau noch lebte und sie zusammen bowlten. In diesem Trott erhalten Karo und Gabi eine Nachricht, die sie – pardon – aus der Bahn wirft. Ihr Verpächter ist verstorben und die Halle soll in acht Wochen einem neuen Eigentümer gehören, der sie abreißen will. Sie haben zwar das Vorkaufsrecht, doch das Problem: Um die Halle zu kaufen, müssen sie in den wenigen Wochen 700.000 Euro auftreiben. Endlich sagt Karo den so erwartbaren wie entscheidenden Satz: „Ich muss die Halle retten.“
Weil Karo einen Immobilienkredit aufnehmen will, für den sie Eigenkapital von 75.000 Euro benötigt, will ihr Mitarbeiter Djamal (Mido Kotaini) sie überzeugen, beim „Big Battle Bowl“ mit einem Preisgeld von 100.000 Euro teilzunehmen. Ein nachdenklicher Moment, und die Kamera folgt Karo in Zeitlupe, wie sie einen Ball auf die Pins wirft. Als sie den Plan ihrer Mutter vorstellt, entgegnet diese ihr: „Bist du verrückt geworden, soll ich dir wieder beim Verlieren zuschauen?“ „Nee“, entgegnet Karo ihr, „diesmal gewinne ich“.
Die Underdogs gehen gegen ein Weltklasseteam ins Rennen
Aber halt, wir sehen eine Sportkomödie. Bevor es darum geht, ob Karo ihre inneren Dämonen überwinden kann, braucht sie noch ein Team. Noch nicht vergrault hat sie Djamal, Freddy und die ruhige Unbekannte Shu (Jing Xiang) – eine alles andere als erstklassige Gruppe um Coach Karo. Für die Underdogs beginnt eine turbulente Trainingszeit.
Djamal (Mido Kotaini, vorne) ist der schlechteste Spieler aus Karos (Bettina Lamprecht, l.) Team. Freddy (Hans-Joachim Heist, 2.v.l) und Shu (Jing Xiang, 3.v.l) drücken trotzdem die Daumen.ZDF/Martin Valentin MenkeDie Sportkomödie unter Regie von Torsten Wacker persifliert gelungen die gängigsten Formeln von Sportfilmen. Während des Trainings gibt es selbst eine Treppenlaufszene, natürlich mit derselben Musik unterlegt wie bei „Rocky“ – nur dass der Rentner Freddy auf den Stufen schlappmacht und das Taxi nimmt. Im Training versucht Mentorin Karo gar nicht erst, für ihr Team ein moralischer Kompass zu sein. Kippt Freddy um, ist Djamal als Erstes zur Stelle. Besonderen Spaß beim Zuschauen bereitet, wie es der Schauspielerin Bettina Lamprecht gelingt, ihrer Karo die Verzweiflung ins Gesicht zu schreiben.
Dass die Geschichte stellenweise in Klamauk abrutscht und man sich fragt, wie es zur Handlung beiträgt, wenn sich Freddy in Großaufnahme ein Eis am Stiel in den Mund schiebt, will man dem Film verzeihen. Schließlich kennt man einige der Schauspieler aus Sendungen mit klamaukigen Elementen, aus Pastewka wie aus der „heute show“, in der Heist in seiner Rolle als Gernot Hassknecht bekannt wurde. Wird mit zwei Bowlingkugeln plötzlich ein Spagat hingelegt, um den Gegner abzulenken, wundert man sich aber doch.
Nicht gelingen wollen dem Film die nachdenklicheren Töne. Karos Zweifel, ob sie ihr Leben in ihrem eigenen Sinne oder fremdbestimmt führt, kommen spät zur Sprache, die Hauptfigur wirkt über weite Teile des Films recht blass. Trotzdem: Wer sich nicht daran stört, dass es mitunter zu vorhersehbar zugeht, findet eine sehenswerte Persiflage auf Sportfilme mit allzu viel Pathos.
Die Abräumer läuft in der ZDF-Mediathek und am 26. August um 21.45 Uhr auf ZDFneo.

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