In dem beliebten, weil preisgünstigen Roboterhund Unitree Go1 klaffen zwei Sicherheitslücken. Angreifer könnten sie dazu nutzen, um den Roboter zu übernehmen und aus der Ferne zu steuern. Bei einigen Einsatzzwecken, wie etwa militärischen Anwendungen, wäre das fatal.
Der Roboterhund Go1 ist aufgrund seines niedrigen Preises ab etwa 2700 US-Dollar ein beliebter vierbeiniger Roboter und wird gerne zu Forschungszwecken verwendet. Aber auch das Militär hat seinen Wert erkannt, wie etwa das U.S. Marine Corps, das den Roboter im Jahr 2023 testweise mit einem Maschinengewehr ausgestattet hat, um mit ihm gepanzerte Fahrzeuge aus der Ferne zu bekämpfen und ihn in urbanen Gebieten für den Orts- und Häuserkampf zu verwenden.
Der Go1 benutzt einen Raspberry Pi für einen Teil der Robotersteuerung. Beim Booten stellt er eine Verbindung zu dem Fernwartungsdienst Cloudsail über einen automatischen Start her. Mit einem API-Schlüssel des Herstellers ist darüber ein Zugriff auf den Roboter möglich, sofern der Schlüssel den Angreifern bekannt ist. Die Steuerung des Roboters kann so über diese Backdoor übernommen werden, wie ein Sicherheitsspezialist in einem Video auf GitHub zeigt. Besitzer des Go1 wissen von diesem undokumentierten aktiven Fernwartungsdienst nichts. Die Sicherheitslücke ist mit dem Schweregrad "mittel" ausgewiesen und hat den Wert 6.6, steht also kurz vor einem hohen Schweregrad ab 7 (CVE-2023-2894).
Kritische Zugangsdaten
Bereits im Dezember 2023 hat ein Sicherheitsforscher auf diese Sicherheitslücke via X aufmerksam gemacht. Unitree hat darauf sehr spät reagiert und den API-Schlüssel mehr als ein Jahr später zurückgenommen. Security-Spezialisten der Austin Hackers Association (AHA) empfehlen jedoch, den Cloudsail-Dienst auf dem Go1 komplett abzuschalten. Denn auf dem verwendeten Raspberry Pi kann ein Zugriff über eine weitere Backdoor erfolgen. Mit dem Benutzernamen "pi" und dem Passwort "123", die allgemein bekannt sind, ist dann der Zugang möglich. Eine Änderung der Zugangsdaten als Abhilfe ist dagegen wenig hilfreich. Dies soll dazu führen, dass einige Skripte auf den Roboterhund, die auf das Passwort angewiesen sind, nicht korrekt ausgeführt werden. Der Go1 funktioniert dann nicht einwandfrei.
Das Problem ist derzeit ausschließlich für den Roboterhund Unitree Go1 nachgewiesen. Unitree hat bereits den Nachfolger Go2 auf den Markt gebracht. Bisher ist nicht bekannt, ob dieser Roboter die gleichen Probleme aufweist.
(olb)