Serie „prisoner“ in der ARD: Klaustrophobie im Gleichschritt

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Die Gangster werden auch immer kecker: Ausgerechnet „Pegasus“ nennt sich ein international agierendes Verbrechersyndikat, das neben Drogengeschäften und Geldwäsche unter anderem mit selbst hergestellten Waffen aus dem 3D-Drucker rechtsextreme Kreise versorgt, politische Einflussnahme eingeschlossen. Was kann Pegasus dafür, das geflügelte Pferd aus der griechischen Mythologie, Sinnbild dichterischer Phantasie?

Einer der Drehbuchautoren hatte da offenbar den Drang zum Höheren, von dem in „Prisoner – Auf der Flucht“, einer neuen deutsch-britischen Koproduktion, leider nicht viel übriggeblieben ist. In der sechsteiligen Serie zeigt das Erste ein wirklich seltsames Paar. Zunächst ist da der Auftragskiller Tibor, der für „Pegasus“ mindestens 47 Menschen getötet hat und jetzt entschlossen ist, gegen die Organisation auszusagen und sie damit vielleicht zu erledigen. Deshalb befindet er sich in größter Gefahr. Nach seiner umfassenden Befragung durch die Polizei wird er bis zum Beginn des Prozesses in einem abgelegenen Safe House geschützt, dessen Adresse niemand kennen darf.

Die Justizbeamtin Amber wiederum kehrt nach ihrer Babypause in den Dienst zurück. Bereits am ersten Tag soll sie den Kronzeugen mit einigen Kollegen nach London zurückfahren, wird jedoch über dessen Wichtigkeit fahrlässig schlecht informiert und ist außerdem nicht bewaffnet. Das Syndikat indes hat Kontakte bis in höchste Polizeikreise und erfährt von dem Transport. Der Konvoi wird überfallen, es gibt zahlreiche Tote. Amber und Tibor freilich können entkommen und werden sich nicht mehr so schnell trennen, denn sie sind mit Handschellen aneinander gefesselt – und die Schlüssel gingen zwischendurch verloren.

Was tun? Die beiden müssen von nun an gemeinsam durch dick und dünn, durch düstere Hinterhöfe, seltsame Fabrikhallen und in ein schäbiges Hotel. Sie springen zusammen in reißendes Wasser und in einen gestohlenen Rolls-Royce. Einen Dealer bringen sie sogar mit vereinten Kräften um, was natürlich allen Grundsätzen der Beamtin widerspricht. Tibor ist zuckerkrank, Amber sorgt sich um ihre Familie, er benötigt Insulin, sie ist dem Gesetz verpflichtet.

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Für Tahar Rahim als abgebrühten, zu jeder Schandtat entschlossenen Killer, der seine Gegner überdies mit psychologischer Raffinesse zu verwirren versteht, und Izuka Hoyle als überforderte, dabei ziemlich resolute und aufgeweckte Justizbeamtin ist das darstellerisch ein toller Parcours: Klaustrophobie im Gleichschritt. Sie meistern ihn ansehnlich und mit nie versiegender Spannung, schließlich kann keiner dem anderen trauen. Fast wie in der Polizeibehörde, in der die Köpfe rollen, denn dass hier irgendwo ein Maulwurf sitzen muss, der mit den Verbrechern kooperiert, ist bald klar.

Das Pärchen ist weitgehend schutzlos unterwegs

Insofern ist das Pärchen weitgehend schutzlos unterwegs, zumal ihnen „Pegasus“ noch die Profikillerin Nina auf den Hals hetzt, die Tibor einst ausgebildet hat. Sie hat eine Affäre mit dem Sohn des Syndikat-Chefs, der gehörige Probleme mit seinem Vater hat, weil der ihn für einen Versager hält. Die von Leonie Benesch mit kaltblütiger Durchtriebenheit in Sachen Mord und Totschlag gespielte Nina lässt sich nicht abschütteln und verleiht der ohnedies riskanten Verfolgungsjagd einen zusätzlich gefährlichen Thrill.

Bei aller Überkonstruktion ist die Story, die für sechs Folgen allerdings etliche recht unplausible Elemente einfügen muss, intensiv und packend erzählt. Das betrifft die ersten drei Episoden in der Regie von Otto Bathurst (Kamera: Aske Alexander Foss) ebenso wie die Episoden 4 bis 6 in der Regie von Pia Strietmann (Kamera: Florian Emmerich). Das Tempo ist kraftvoll, aber nicht hektisch, die Szenen bleiben konsequent an der Handlung und genügen sich nicht selbst, von einigen fröhlich-dynamischen Action-Sequenzen abgesehen. Stimmungsvolle Außenaufnahmen wechseln mit packenden Close-ups, das Blaulicht der Polizeiwagen in der Nacht wird schön eingefangen und die Gefährdung des fliehenden Paars atmosphärisch dicht illustriert.

Man darf nur nicht zu viel über die Unschärfen des Drehbuchs und die absurde Omnipotenz der Protagonisten nachdenken, dann kann man dieser verrückten Fluchtgeschichte sehr wohl einiges abgewinnen. Eine zweite Staffel scheint nicht ausgeschlossen, wird jedoch ohne Handschellen auskommen müssen – die sind jetzt einfach durch.

Die Serie Prisoner – Auf der Flucht läuft in der ARD-Mediathek vom 19. Juni an; am Mittwoch, 24. Juni, um 23.30, in der Nacht zu Donnerstag, 25. Juni, um 0.15 Uhr, 1.00 Uhr, 1.45 Uhr, am Freitag, 26. Juni, um 23.35 Uhr und Samstag 0.20 Uhr im Ersten.

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