Für den Kremlchef soll es die große Bühne werden. Am Freitagmittag hält der russische Präsident Wladimir Putin eine Rede beim internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in Sankt Petersburg.
Kurz zuvor hatte aber Wolodymyr Selenskyj die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der ukrainische Präsident bringt in einem offenen Brief direkte Friedensgespräche ins Gespräch. Putin und Selenskyj – nach mehr als vier Jahren Krieg endlich an einem Tisch?
»Ich schlage Ihnen ein Treffen vor«, heißt es in dem vom Präsidentenbüro in Kyjiw veröffentlichten Schreiben. Die Staatsführer sollten die »Schlüsselfragen« selbst besprechen.
Erst Drohnen, dann ein Gesprächsangebot
Der Brief wurde am Donnerstagabend veröffentlicht, just als Putin im Rahmen seines Wirtschaftsforums vor der Presse sprach. Und nur einen Tag nachdem die Ukraine mit Raketen Energie- und Militäranlagen in Sankt Petersburg mit Drohnen angegriffen hatte. Selenskyj versucht, die für Moskau bedeutsame Wirtschaftskonferenz zu kapern, militärisch wie diplomatisch.
Das Wirtschaftsforum wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung veranstaltet. Insgesamt werden bei der bis Samstag andauernden Konferenz rund 20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Aus Deutschland nehmen Politiker der in Teilen rechtsextremen AfD daran teil. Deren Reise stieß auf scharfe Kritik, auch bei der Bundesregierung – hier lesen Sie mehr .
Die Frage ist nun, wie Putin auf Selenskyjs Brief reagieren wird, wenn er am Freitag, 13 Uhr (MESZ) auf dem Forum redet. Oder ob überhaupt.
Einer zeigte sich bereits wohlwollend: US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weißen Haus auf den Brief angesprochen bereits, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme. Bereits seit vergangenem Jahr drängt Washington Russland und die Ukraine zu einem Friedensschluss in dem seit 2022 währenden Krieg. Moskau hat dabei mehrfach einen Abzug ukrainischer Truppen aus den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk zur Bedingung gemacht. Kyjiw lehnt einen solchen Gebietsverzicht bisher kategorisch ab.
Keine Treffen im Feindgebiet
Selenskyj selbst skizziert mit seiner Offerte nun andere Ideen. Als ersten Schritt schlug der ukrainische Staatschef eine Waffenruhe entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch »aller gegen alle« und eine Rückkehr von Zivilisten und während des Krieges verschleppten Kindern folgen.
Das Gespräch selbst soll weder in Moskau noch in Kyjiw stattfinden, schrieb Selenskyj in seinem Brief. Keiner der Landeschefs dürfte sich ins Feindgebiet vorwagen wollen oder sollen. Genau das hatte Putin in der Vergangenheit jedoch immer verlangt. Wenn der Ukrainer reden wolle, könne er nach Moskau kommen, hieß es aus dem Kreml in der Vergangenheit immer auf Gesprächsangebote von Selenskyj. Auch auf den offenen Brief ging Putin bislang nicht ein, sein Sprecher indes wiederholte alte Floskeln: »Präsident Putin hat gesagt, dass Selenskyj nach Moskau kommen könne, wenn er reden möchte.«
An den Gesprächen sollten nach Ansicht Selenskyjs Vertreter Europas und der USA auch als mögliche Garanten beteiligt werden. Als Orte für eine Unterredung nannte er die Schweiz, die Türkei oder einen der arabischen Staaten.
Ein wenig öffnete sich Putin gestern Abend vor der Presse dann doch. Russland sei »zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen«. Basis dafür seien jedoch die Abmachungen von Anchorage, betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte Trump Putin im vergangenen Sommer empfangen. Konkrete Ergebnisse wurden danach allerdings nicht bekannt.
Vielleicht ändert sich das, wenn der Kremlchef die Bühne in Sankt Petersburg betritt.

vor 2 Stunden
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