Moskau, Russland
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Wir fahren hier in Moskau jetzt zu Tankstellen, um zu schauen, wie die Lage an den Zapfsäulen ist. Die Menschen warten hier alle, stehen an für Benzin, nahe dem Zentrum von Moskau. Er versucht hier, sich in zweiter Reihe einzudrängen.«
SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel steuert an diesem Tag ein Dutzend Tankstellen in der Stadt an.
Christina Hebel, SPIEGEL:
»An dieser Tankstelle steht, dass es überhaupt kein Benzin mehr gibt und auch kein Diesel. Aber es wird anscheinend jetzt welches geliefert, denn ein Tanklaster steht hier. Es ist nicht ganz klar, was für welches … Aber gähnende Leere hier an dieser Tankstelle – und: Absperrung.«
Der Grund für den Spritmangel: In den vergangenen Wochen hat die Ukraine die Angriffe auf Russlands Energie-Infrastruktur verstärkt:
Auch Moskau ist im Visier: Seit Juni lenken die Ukrainer Langstreckendrohnen in Ölraffinerien und Treibstofflager. Die Erfolge sind beachtlich: Allein die getroffene Raffinerie Kapotnya deckt etwa 40 Prozent des Moskauer Benzinmarkts ab.
Die Folgen in der Hauptstadt sind unübersehbar:
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Es ist immer ein Glücksspiel, was es wann gibt an Benzinsorten. Hinter mir zum Beispiel ist die Sorte 95, die Benzinsorte 95 gerade aus, auf null.«
Prügeleien um den letzten Tropfen Benzin – solche Aufnahmen aus verschiedenen Ecken Russlands kursieren seit Wochen in den sozialen Medien. Wie ist die Stimmung in Moskau? Vor der Kamera spielt so mancher die Lage herunter.
Ibrahim, Tankstellenkunde:
»Es gibt ein bisschen Unzufriedenheit, weil wir alle schon an den Komfort gewöhnt waren. Wir gewöhnen uns aber auch an Schwierigkeiten, wir bemühen uns. Der Mensch ist ein Wesen, das sich an alle Situationen anpassen kann.«
Roman, Tankstellenkunde:
»Es ist alles nicht schlimm, das ist keine große Schlange, es gibt auch längere. «
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Wie finden Sie die Lage insgesamt? «
Roman, Tankstellenkunde:
»Natürlich ist sie sehr schlecht. Aber es wird besser.«
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Warum glauben Sie das?«
Roman, Tankstellenkunde:
»Weil wir einen guten Präsidenten haben.«
Doch der Unmut wächst. Die meisten Menschen glauben nicht, dass der Mangel bald behoben ist. Trotz des angeblich so geschickten Präsidenten.
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Sie überlegen auch, wie sie ihre Ferien jetzt im Sommer verbringen werden. Einige tanken nur noch nachts, andere verschieben ihre Fahrten. Also, man versucht sich hier irgendwie anzupassen. Für Putin ist das Ganze schon ein Problem. Er hat das auch zumindest irgendwie anerkannt, er hat gesagt: Da müssen wir irgendwie durch. »Da müssen wir durch«: ist die Frage, wie lange das dauern wird? Und für Russland, das so viel Öl fördert und so viel Benzin eigentlich produziert, ist das schon ein großer Imageschaden.«

vor 1 Stunde
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