News des Tages: Regierungserklärung von Merz, Tomahawk-Raketen für Deutschland, Bonnie Tyler ist tot

vor 1 Stunde 1

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1. Die Regierung erklärt sich

 »Nicht wegschieben«

Kanzler Merz: »Nicht wegschieben«

Foto: John Macdougall / AFP

Wohlwollend betrachtet, muss man sagen: Es tut sich was. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hat ihren internen Hickhack anscheinend beendet und einige wichtige Themen angepackt, die Rentenreform etwa. Es widerstrebt mir, zu mäkeln; das machen wir Deutschen viel zu oft.

Andererseits: Die Bugwelle, die Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Regierungserklärung im Bundestag heute aufbaute, macht es schwer, sich zu zügeln.

Merz hat seine Reformen in seiner Rede maximal politisch erhöht (hier mehr zur Rede). Es klinge, so schreiben es meine Kollegen Sebastian Fischer und Christian Teevs, als wollte er Assoziationen mit dem letzten wirklich großen Reformschub wecken, der Agenda 2010 von SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

»Bei genauerem Hinsehen wird allerdings klar, dass der Maßstab dieser Regierungserklärung im Vergleich ein anderer ist. Merz liefert gewissermaßen eine Miniaturausgabe von Schröders Reformwucht«, schreiben Sebastian und Christian.

Das liege auch daran, dass Merz, anders als Schröder, die eigene Klientel schone, etwa beim nur minimal angehobenen Reichensteuersatz.

2. Tomahawks für Deutschland

Tomahawk beim Militäreinsatz »Epic Fury« (»Epische Wut«) im März 2026

Tomahawk beim Militäreinsatz »Epic Fury« (»Epische Wut«) im März 2026

Foto: US CENTCOM / US NAVY / AFP

Dieses Ergebnis des Nato-Gipfels dürfte dem selbst ernannten Dealmaker Donald Trump gefallen. Noch beim Treffen der Nato-Staaten 2024 hatten die USA unter Trumps Vorgänger Joe Biden in Aussicht gestellt, ab 2026 Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren. Sozusagen kostenlos, im Sinne der Bündnistreue, sogar samt amerikanischen Truppen.

Unter US-Präsident Donald Trump gab es zunächst eine Absage an das Vorhaben. Doch nun verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Deutschland die Raketen doch erhalten kann – wenn es sie kauft (hier mehr).

Mit der Anschaffung der Tomahawks reagiert Deutschland auf die Bedrohung aus Russland, das nuklearfähige Raketen in der Exklave Kaliningrad stationiert und zudem angekündigt hat, Nuklearwaffen in Belarus stationieren zu wollen, hieß es 2024 aus dem deutschen Verteidigungsministerium.

Wie viele der Marschflugkörper und Startgeräte Deutschland am Ende erwirbt, soll geheim bleiben und nicht öffentlich einsehbar sein.

3. Songs für die Ewigkeit

 Plötzliche Reibeisenstimme

Sängerin Tyler: Plötzliche Reibeisenstimme

Foto: Simon Fowler / Avalon / Avalon.red / IMAGO

Ich muss gestehen, dass ich nie ein bewusster Fan von Bonnie Tyler war – aber als Kind der Achtzigerjahre habe ich ihre Lieder selbstverständlich auf etlichen Partys geschmettert. »Total Eclipse of the Heart« ist ihr Welthit und ein Song für die Ewigkeit, ich hatte es aber eher mit »Holding out for a Hero«.

Heute Vormittag habe ich Tylers alte Hymnen noch mal rausgekramt, denn es kam die traurige Nachricht, dass die Sängerin gestorben ist (hier mehr).

Mein Kollege Arno Frank hat einen liebevollen Nachruf auf die Waliserin verfasst: »Im Pop erzählt die aufgeraute Stimme vom gelebten Leben, von Whiskey in verqualmten Clubs und anderen verruchten Verausgabungen. Ihre Heiserkeit beglaubigt, worüber auch immer gesungen wird. Je rauer, desto besser. Bonnie Tyler ist es gelungen, auf diese Unverwechselbarkeit eine jahrzehntelange Karriere aufzubauen«, schreibt Arno.

  • Lesen Sie die ganze Würdigung von Bonnie Tyler hier, garantiert mit Ohrwürmern und der Erklärung, woher ihre Reibeisenstimme wirklich stammt: Stimme für die Ewigkeit 

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Zugbegleiter zu Tode geprügelt – zehn Jahre Haft für Angeklagten: Der Fall hat deutschlandweit eine Debatte über Sicherheit in Zügen ausgelöst: Anfang Februar schlug ein Fahrgast einen Schaffner bei einer Ticketkontrolle so heftig gegen den Kopf, dass dieser starb. Im Prozess ist nun das Urteil gefallen.

  • Junge Menschen verlieren Interesse am Lesen: Phänomene wie BookTok sind in aller Munde, doch tatsächlich geht es dem Buchhandel schlecht. Nun melden die Verlage, dass die Verkaufszahlen bei jungen Menschen signifikant gesunken seien. Sie sehen auch politische Gründe.

  • Anbieter sollen künftig Opfer von Unfällen mit E-Rollern unterstützen: Die Zahl der Unfälle hat sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Nun plant Bundesjustizministerin Hubig verschärfte Regeln für Unfälle mit E-Scootern, bei denen zum Beispiel der Fahrer nicht auffindbar ist.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

»Der Geheimpakt« lautet der Titel des neuen SPIEGEL. Die Ausgabe erhalten Sie hier digital und ab Freitag am Kiosk.

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[M] DER SPIEGEL; Fotos: Mikhail Metzel / AFP; Bloomberg / Getty Images; DER SPIEGEL

Die neue Achse des Bösen: Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner belegen erstmals detailliert, wie weit die militärische Kooperation zwischen Russland und China reicht. Geheime Dokumente zeigen, welche Pläne beide Staaten gegen den Westen schmieden. Die Titelstory .

Was heute weniger wichtig ist

 Fußballer und Experte Müller schoss ein Pokaltor

Daumen hoch: Fußballer und Experte Müller schoss ein Pokaltor

Foto: Darryl Dyck / The Canadian Press / AP
Von der Website des »Kölner Stadt-Anzeigers«

Von der Website des »Kölner Stadt-Anzeigers«

Kommt das selbstfahrende Bett? Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Miriam Wurster / DER SPIEGEL

 Heldenfigur mit neuen Schattierungen

Darstellerin Ferguson in »Silo«: Heldenfigur mit neuen Schattierungen

Foto:

Apple TV+

Möchte ich Ihnen die Serie »Silo« ans Herz legen, deren dritte Staffel gerade auf Apple TV angelaufen ist . Sie gehört zu den derzeit fesselndsten Streaming-Erzählungen.

In »Silo« haust die Menschheit – oder das, was von ihr übrig ist – seit mehreren Generationen in einem unterirdischen Bunker, der sich über viele Stockwerke in die Tiefe erstreckt. Niemand weiß zu Beginn, wie die Bewohner dorthin kamen, wie lange sie dort schon leben und warum es offenbar tödlich ist, den Bunker zu verlassen. Nun ist die Serie bei der dritten Staffel angekommen, und inzwischen ist klar: Es gibt noch mehr solcher Silos, in einem benachbarten sind aber beinahe alle Bewohner tot.

Mein Kollege Oliver Kaever hat die neue Staffel rezensiert und ist begeistert, auch von der Hauptdarstellerin Rebecca Ferguson. »Sie spielt Juliette Nichols, eine meist schlecht gelaunte, extrem willensstarke Frau, die zunächst nur das Verschwinden ihres Freundes aufklären will. Ihr nicht nachlassendes Forschen bringt bald aber ein marodes, ungerechtes System zum Wanken. Ferguson verleiht dieser Figur eine grübelnde, zweifelnde Kraft, die faszinierend vielschichtig ist und immer noch oft männlich geprägten Heldenfiguren neue Schattierungen verleiht«, schreibt Oliver.

Zum Glück habe ich die nächsten Abende wenig vor, Sie hoffentlich auch.

Lesen Sie Olivers ganze Rezension: Eine Serie mit so viel Tiefe, dass es einem den Atem raubt .


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

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