Ein französisches Gericht hat den Kapitän des vorübergehend festgesetzten Öltankers »Boracay« in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Schiff wird der russischen Schattenflotte zugerechnet. Außerdem verurteilte das Gericht im westfranzösischen Brest den chinesischen Kapitän zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro, wie die Zeitung »Ouest France« berichtet .
Dem Kapitän – laut Nachrichtenagentur AFP 39 Jahre alt – wurde vorgeworfen, französische Anweisungen nicht befolgt zu haben, als französische Seestreitkräfte den Tanker Ende September vor der bretonischen Küste aufbrachten.
Der Kapitän erschien nicht selbst vor Gericht, sondern ließ sich von einem Anwalt vertreten. Der erklärte, das französische Gericht sei nicht zuständig, da die Marine den Tanker in internationalen Gewässern aufgebracht habe. Dieser Auffassung folgte das Gericht aber nicht.
Der Tanker steht auf der EU-Sanktionsliste und wird laut Staatsanwaltschaft der russischen Schattenflotte zugerechnet. Damit sind Tanker und Frachtschiffe gemeint, die Russland einsetzt, um Sanktionen etwa beim Öltransport zu vermeiden. Im Januar und Ende März brachte Frankreich erneut Ölfrachter auf, die verdächtigt wurden, zur Schattenflotte zu gehören.
Recherchen des US-Senders CNN hatten ergeben, dass sich an Bord der »Boracay« zwei Russen befanden, die für eine private russische Sicherheitsfirma mit Verbindungen zur Armee und zum Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Entsprechende russische Sicherheitskräfte kämen auf etlichen Tankern der Schattenflotte zum Einsatz. Sie überwachten die Mannschaft der Schiffe und machten Fotos von europäischen militärischen Einrichtungen, berichtete CNN unter Verweis auf westliche Geheimdienstinformationen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den Fall als Beispiel dafür zitiert, wie westliche Staaten gegen die Schattenflotte vorgehen sollten. »Wenn wir die Schiffe mehrere Tage oder Wochen festhalten«, sagte er, »dann zerstören wir das Geschäftsmodell«, so Macron. Russlands Machthaber Wladimir Putin hatte Frankreich wegen des Festhaltens des Tankers »Piraterie« vorgeworfen und Vergeltungsmaßnahmen angedroht.

vor 19 Stunden
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