Mindestens sieben Menschen sind bei russischen Angriffen auf die Ukraine getötet worden. Selenskyj hatte vor heftigen Attacken kurz vor dem Nato-Gipfel gewarnt.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa, bam Aktualisiert am 6. Juli 2026, 6:59 Uhr
Am Tag vor dem Nato-Gipfel in der Türkei hat Russland die nächste schwere
Angriffswelle auf ukrainische Städte durchgeführt. Kurz nach Mitternacht
löste die Flugabwehr in fast allen Landesregionen Luftalarm aus, aus
Kyjiw wurden heftige Explosionen gemeldet.
Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Mindestens sieben Menschen wurden demnach getötet und zwei Dutzend Menschen verletzt. Mehrere Gebäude wurden beschädigt. Tausende Anwohnerinnen und Anwohner seien vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen geflohen, berichtete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Abend in einer Videobotschaft davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des Nato-Gipfels in der Türkei am Dienstag eine weitere Welle schwerer Luftangriffe befehlen könnte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. »Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem Nato-Gipfel in Ankara« wolle er »noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten«, sagte Selenskyj.
Mindestens sieben Tote bei Angriffen auf Wohnhäuser
Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw wurden am frühen Montagmorgen Behördenangaben zufolge mindestens sieben Menschen getötet und 24 weitere verletzt. Der Leiter der städtischen Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte auf Telegram mit, dass Raketen und Drohnen Wohnblöcke und andere Gebäude getroffen hätten. Mehrere Augenzeugen berichteten von einer Reihe von Explosionen in und um Kyjiw in der Nacht.
Im historischen Stadtteil Podil wurden den örtlichen Angaben zufolge vier Gebäude getroffen. In einem der Wohnhäuser seien viele Bewohner zunächst eingeschlossen gewesen. Wie Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram schrieb, konnten Rettungskräfte in der Nacht 15 Menschen aus dem teilweise eingestürzten Gebäude retten. Zuvor teilte er mit, dass die Bewohner im siebten bis neunten Stock festgesessen hätten. Militärverwalter Tkatschenko zufolge wurden aus diesem Haus auch zwei Leichen geborgen. Zwei weitere Menschen seien im östlichen Bezirk Darnyzkyj ums Leben gekommen. Dort schlugen Drohnentrümmer in ein 25-stöckiges Wohnhaus ein. Zudem sei in einem 30-stöckigen Gebäude in Darnyzkyj ein Feuer ausgebrochen.
Selenskyj hatte zuvor vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff gewarnt. Das Nachbarland Polen ließ als Präventivmaßnahme kurzzeitig Kampfjets aufsteigen. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Russland Kyjiw mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern angegriffen. Dabei waren mindestens 30 Menschen getötet worden.
Selenskyj trifft Trump bei Nato-Gipfel
Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen nahezu machtlos. Die Patriot-Raketenabwehrsysteme sind für die Ukraine das einzige zuverlässige Mittel gegen Russlands Raketen. Im Frühjahr sagte Selenskyj bereits, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter. Zuletzt brachte Selenskyj die Möglichkeit einer eigenen Patriot-Produktion ins Spiel – und verwies darauf, dass auch eine europäische Produktion in der Ukraine denkbar sei. Dafür müssten die USA jedoch die Lizenzen dafür freigeben. Mitte Juni hatten die G7-Staaten angedeutet, einen solchen Schritt zu unterstützen.
Beim Nato-Gipfel in Ankara wird Selenskyj die Gelegenheit erhalten, seine Bitte um weitere Patriot-Abwehrraketen direkt an US-Präsident Donald Trump zu richten. Die beiden Staatschefs treffen am Mittwoch in Ankara zusammen, um auch über Wege zur Beendigung des Kriegs zu sprechen. Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkommen – und er sei sich sicher, dass sich der US-Präsident auch mit Putin in Verbindung setzen werde, sagte ein hochrangiger US-Beamter vor Journalisten. Sowohl der russische Staatschef als auch Selenskyj hatten am Wochenende mit Trump telefoniert und ihm ihre Sichtweise auf den Kriegsverlauf geschildert.
Bei dem Nato-Gipfel soll die Ukraine auch eine neue Zusage für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich in Brüssel Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr.
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