Mehr als 70 Jahre nach ihrer Hinrichtung durch den Strang ist die letzte in Großbritannien exekutierte Frau posthum begnadigt worden. Ruth Ellis sei »schwerwiegendes Unrecht« widerfahren, räumte die britische Regierung ein. Die 28-Jährige war im Juli 1955 hingerichtet worden, nachdem sie ihren gewalttätigen Lebensgefährten David Blakely vor einem Pub in London erschossen hatte.
Allerdings hatte Blakely der schwangeren Ellis zehn Tage vor der Tat einen Schlag in den Bauch versetzt, wodurch sie eine Fehlgeburt erlitt. Dass Ellis Opfer häuslicher Gewalt war, ließ die Jury außer Acht und sprach Ellis damals nach nur 20 Minuten Beratung schuldig; das Gericht verurteilte sie zum Tod.
Der Fall hatte in Großbritannien zu einem Umdenken hinsichtlich der Todesstrafe geführt, 1973 wurde diese schließlich abgeschafft. Ellis’ Geschichte wurde 1985 verfilmt.
»Ich habe die Ehre bekannt zu geben, dass Seine Majestät der König auf unsere Empfehlung hin zugestimmt hat, Ruth Ellis eine bedingte Begnadigung zu gewähren«, sagte der britische Justizminister und stellvertretende Premierminister David Lammy vor dem Parlament. Auf der Zuschauertribüne saßen zwei Enkelkinder von Ellis. Mit der Entscheidung werde eine »schwere Ungerechtigkeit« anerkannt, sagte Lammy.

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