Donald Trump verliert mit Karoline Leavitt mehr als eine Pressesprecherin. Er verliert eine der wichtigsten und eine der wenigen verbliebenen Frauen dieser Amtszeit. Anfangs gab es erstaunlich viele weibliche Kräfte im Stab und im Kabinett: Pam Bondi war Justizministerin, Kristi Noem leitete das Heimatschutzressort, Tulsi Gabbard war Geheimdienstkoordinatorin. Susie Wiles ist im Gegensatz zu diesen dreien noch da, als erste Stabschefin des Weißen Hauses, ebenso geblieben sind Agrarministerin Brooke Rollins und Linda McMahon als Chefin des in die Bedeutungslosigkeit gesparten Bildungsressorts. Doch vorn stand eben besonders sichtbar Leavitt, bei Amtsantritt 27 Jahre alt, katholisch, blond, Ehefrau und Mutter – und bereit, jeden Reporter anzufahren, der eine nicht genehme Frage stellte.
Manch ein Beobachter staunte über die Kombination aus Aggression und Schönheit dort am Rednerpult der White-House-Pressekonferenzen. Denn oft scheinen die unterschiedlichen Rollen der MAGA-Frauen als Widerspruch oder zumindest als Neuheit: Eine Bewegung, die traditionelle Geschlechterrollen verherrlicht, erhebt gleichzeitig ehrgeizige, karriereorientierte Frauen zu Stars. Doch die Vorstellung, vor „Make America Great Again“ sei der amerikanische Konservatismus stets von einer besonders sanften Variante traditioneller Weiblichkeit geprägt gewesen, war immer schon falsch. „Tradwife“ und „Kämpferin“ gleichzeitig sein zu können, das hat im Land der „Frontier“ und der White Supremacy Tradition.
Rechte Frauen waren auch früher nicht nur sanft
Familie und Mutterschaft bedeuteten für die „Daughters of the Confederacy“ von einst ebenso wenig einen Rückzug aus der politischen Sphäre im weiteren Sinn wie für die „Moms for Liberty“ von heute. Diese Motive können im Gegenteil eine besonders starke Legitimation für aggressives Verhalten bieten. Weiße Frauen waren zum Beispiel nicht nur passive Ehefrauen von Sklavenhaltern. Sie besaßen selbst Menschen und verteidigten ihre ökonomischen Interessen mit Nachdruck, wie Historiker gezeigt haben. Im zwanzigsten Jahrhundert dann kämpften sie gegen die Integration von Schulen und Stadtvierteln, im Norden wie im Süden, und ebenso wie die Männer nicht selten mit Gewalt. Gerade „als Mütter“ wollten sie die Welt außerhalb des Hauses im Sinne der weißen Vorherrschaft aktiv gestalten.
Auch die moderne amerikanische Rechte verlangt von Frauen nicht per se Sanftheit. Sie erwartet eher, dass die möglichst mit äußerer Schönheit zu paarende Härte in die richtige Richtung geht, gegen die Feinde, die man sich auserkoren hat. Eine Frau soll für ihre Kinder, das Christentum und ihr Land durchaus kämpfen, und natürlich für Donald Trump. Sie kann ehrgeizig sein, solange ihr Ehrgeiz die Ordnung nicht bedroht, der sie ihren Aufstieg verdankt. Leavitt ist dafür das perfekte Beispiel.
Wie Frauen in patriarchalen Systemen schon immer Macht ausgeübt haben, hatte auch Leavitt davon reichlich. Sie half mit, die Regeln des Journalismus im Weißen Haus zu ändern, privilegierte neue rechte Nischen-Medien und behandelte kritische Journalisten als politische Gegner. Wie beim MAGA-Stil üblich machte ihre demonstrative Weiblichkeit ihre Aggressivität nicht weniger glaubwürdig, sondern politisch noch verwertbarer. Leavitt konnte Mutterschaft zelebrieren und Einwandererfamilien verbal attackieren, über ihren Glauben sprechen und gleichzeitig die mitleidlosesten Programme der Regierung mit einem Lächeln verkaufen.
Wie ihre Kolleginnen sollte Leavitt nebenbei auch den Gegenbeweis liefern zum Bild einer reaktionären Männerbewegung, nach dem Motto: Schaut her, eine Frau kann bei uns alles werden. Dass sie nach der Geburt ihres ersten Kindes innerhalb weniger Tage in Trumps Wahlkampagne zurückkehrte, war in den USA allerdings nichts Ungewöhnliches, es gilt vielen auch nicht als extra emanzipiert, es ist einfach normal. Doch Leavitt kam letztlich zu dem Ergebnis, dass dieser spezielle Job im Weißen Haus nicht ohne Weiteres mit zwei kleinen Kindern zu machen ist.
Ihr Abschied fällt nun also in eine Zeit, in der von Trumps anfänglicher weiblicher Macht-Phalanx nicht mehr viel übrig ist. Die Abgänge der Frauen hatten alle unterschiedliche Gründe. Ihre Karrieren haben aber gezeigt, dass eine politische Richtung reaktionäre Vorstellungen von Geschlecht vertreten und Frauen, solange sie die angestrebte Ordnung verteidigen, gleichzeitig Macht zuweisen kann. Jetzt geht mit Leavitt die Frau, die diesen Spagat stärker verkörperte als jede andere Trumpistin.

vor 18 Stunden
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