Trash, but make it cute: Energydrink-Cheesecake-Dessert mit Skyr und Himbeeren
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL»Kochen« ohne Kohle Hier kommt der Monster-Energy-Skyr-Keks-»Cheesecake«
Manche Rezepte in dieser Kolumne sind komplexer und erfordern ein Grundmaß an Ahnung in der Küche. Dieses ist keins davon. Und doch überrascht es am Ende.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
18.03.2026, 10.49 Uhr
Ich finde es beruhigend, dass es in Zeiten von Knappheiten durch Kriege und Umweltkatastrophen zusätzlich noch immer Knappheiten durch dumme Social-Media-Trends gibt. Ich meine: Sprit kostet vielleicht mehr als 2 Euro pro Liter, aber immerhin gibt es noch welchen – im Gegensatz zu Skyr. Der skandinavische Mager-Frischkäse ist seit Wochen quasi dauervergriffen. Beim Blick ins Kühlregal entdeckt man vielerorts eine Lücke zwischen Quark und Joghurt. Dafür musste niemand die Straße von Hormus verminen , es brauchte einfach nur ein paar Leute, die auf TikTok Rezepte teilen.
Okay, ich weiß: Die Definition von »Rezept« oder gar »Kochen« wird heute weit ausgereizt. Denn die Trends, die Skyr derzeit so rarmachen, beinhalten Skyr mit weichen Fertigkeksen (»Cheesecake ohne Backen«) und Skyr mit Monster Energy (»Eiweißshake«).
Man sehnt sich fast die Zeiten zurück, als wir Millennials den Harlem Shake getanzt haben. Andererseits: Da Männer-Influencer sich inzwischen mit Hämmern die Kiefer zertrümmern , um härtere Gesichtskonturen zu erhalten, ist Frischkäse mit Energydrink vielleicht nicht die dümmste Entwicklung der Gegenwart.
Weil mein Supermarkt gerade eine frische Ladung des weißen Goldes hereinbekommen hat, habe ich beide viralen Rezepte für Sie getestet. Und – um meinem Auftrag als vorwärts denkender SPIEGEL-Redakteur nachzukommen – habe ich beide miteinander kombiniert.
Damit Sie es nicht müssen.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Das Grundrezept für den »Cheesecake« sieht vor, eine Ladung Biscoff-Kekse in einen Becher Skyr zu stecken und beides ein paar Stunden oder über Nacht einweichen zu lassen. Da ich aber erstens Biscoff-Kekse ziemlich eklig finde und sie zweitens ausverkauft waren (#Mangelwirtschaft), gibt es bei mir namen- und markenlose Kekse. Das Rezept für den »Eiweißshake« ist ähnlich komplex: Eine halbe Dose Energydrink (bevorzugt die weiße Sorte von Monster Energy, aber machen Sie doch, was Sie wollen) wird mit etwa derselben Menge Skyr vermischt. Im Shaker sorgt das mit der Kohlensäure für ein explosives Gemisch, dessen Geschmack irgendwo zwischen Zitroneneis und saurer Milch landet. Außerdem brodelt es auch eine Stunde nach dem Trinken noch immer unangenehm im Bauch.
Danke, Internet. Meine ehrliche Reaktion darauf sehen Sie hier:
Die virale Kapitulation: Monster-Energy-Skyr-Keks-»Cheesecake«
1 Min
Der kleine Koch in meinem Inneren war aber doch interessiert. Was, wenn man beide Rezepte miteinander kombiniert? Also: den Energydrink mit ein wenig Skyr vermischt und dann die Kekse hineinsteckt? Und um das Ungetüm einer Mahlzeit noch zu verbessern, ein paar Himbeeren mit schlimmstem Gefrierbrand ganz kurz aufkocht und als farbenfroh-saures Topping obendrauf gibt?
Ich präsentiere: den Skyr-Energy-Keks-Himbeer-Cheesecake.
Warum? Nun ja, weil ich es kann. Weil mich niemand aufhält. Aus kulinarischem Dadaismus.
Das benötigt man für zwei Portionen
Himbeeren: Je mehr Gefrierbrand, desto besser
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL400 g Naturskyr
50 ml Energydrink mit Zitronengeschmack
150 g Kekse nach Wahl
100 g TK-Himbeeren, kurz aufgekocht
Was kostet das? Je nach Marke der verwendeten Produkte etwa 1 bis 3 Euro pro Dessert
Wie lange dauert das? Arbeit nur zwei Minuten, danach ein paar Stunden Wartezeit
Und wie macht man das?
Den Skyr in einer größeren Schale mit dem Energydrink mixen, bis beides gut vermischt ist. Die Masse auf zwei kleinere Schalen aufteilen.
Jeweils die Hälfte der Kekse in die Energy-Skyr-Masse stecken. Ein oder zwei Kekse aufbewahren, um sie als Topping darauf zu bröseln.
Die TK-Himbeeren kurz im Topf aufkochen, um eventuelle Keime zu vernichten . Dann auf die Schälchen löffeln.
Alles ein paar Stunden oder über Nacht kaltstellen. Vor dem Servieren den letzten Keks zerbröseln und über die Schälchen streuen.
Hinterfragen, ob man das tatsächlich essen oder gar jemand anderen servieren möchte.
Weitermachen.
Und wie schmeckt es nun? Der Schluck des Energydrinks gibt dem Frischkäse eine leicht süßstoffige Zitronennote, die Kekse saugen die überschüssige Feuchtigkeit aber direkt wieder ein. Die Himbeeren sind so etwas wie das Feigenblatt, dass es sich hierbei um eine echte Mahlzeit und nicht den grausamen Scherz eines im Herzen Teenager gebliebenen Stiefvaters handelt.
Ist es ein Hochgenuss? Nein. Aber: Es war nicht ... schrecklich.
Besser als der Shake auf jeden Fall. Der Skyr ist cremig, die Kekse erinnern wirklich entfernt an den Teig eines Cheesecakes und die Himbeeren mit ihren kleinen Kernen bringen Säure und eine andere Textur rein.
Natürlich: Wer snobby ist, jede Komponente eines Essens selbst kocht und Wert auf beste Zutaten legt, macht trotzdem lieber einen Bogen drum und sucht sich etwas anderes.
Auf TikTok lernt man auch, wie man ein gutes Sauerteigbrot ansetzt. Sofern Mehl nicht wieder knapp wird, wie vor ein paar Jahren.
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vor 3 Stunden
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