PV-Direktvermarktung: Wie kleine Dachanlagen ohne Verluste in den Markt wechseln

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Die geplante Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) könnte den Ausbau privater Photovoltaikanlagen ausbremsen. Das bestätigt eine Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende, die auf Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) basiert. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die bewährte feste Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen bis 25 Kilowatt-Peak zu streichen.

Stattdessen sollen Privathaushalte ihren überschüssigen Solarstrom selbst über den Markt vertreiben oder die Einspeisung unterbinden. Was nach Marktintegration klingt, droht an hohen bürokratischen und finanziellen Hürden zu scheitern und den Solarmarkt für Privatleute empfindlich zu treffen.

Kleine PV-Dachanlagen auf Wohngebäuden sind der Studie zufolge mit rund 38 Gigawatt-Peak installierter Leistung für fast ein Drittel des deutschen Solarstroms verantwortlich. Bislang garantierte die gesetzliche Einspeisevergütung eine verlässliche und kalkulierbare Refinanzierung der Investitionen. Fällt sie weg, wird der Betrieb eines Solarsystems für viele Eigentümer unwirtschaftlich. Betroffen sind vor allem Haushalte in der Wendephase: Sie haben oft ihren Energiebedarf noch nicht ganz elektrifiziert, besitzen also weder eine Wärmepumpe noch ein E-Auto, und speisen so den Großteil ihres sauberen Stroms ins Netz ein.

Laut der Untersuchung müsste ein 4-Personen-Haushalt seinen Strom über die derzeit am Markt verfügbaren, ungeförderten Direktvermarktungsmodelle verkaufen. Damit entstünden jährliche Mehrkosten von 185 bis 277 Euro gegenüber dem heutigen System – je nach Höhe des Eigenverbrauchs. Ursache für die Verschlechterung sind die Dienstleistungs- und Transaktionskosten der Vermarkter, die derzeit bei rund 140 Euro im Jahr plus Einrichtungsgebühren liegen.

Bei geringem Eigenverbrauch schrumpft der finanzielle Vorteil der Anlage dadurch so stark zusammen, dass der Bezug von reinem Netzstrom wirtschaftlich attraktiver wird. Vor allem Haushalte der unteren Einkommensschichten, die ohnehin geringere finanzielle Spielräume für die Energiewende haben, würden als Investoren wegbrechen.

Noch drastischer fallen die Konsequenzen der Nulleinspeisung aus. Diese Option erhöht die jährliche Belastung für einen Haushalt im Bestand um 281 bis 333 Euro. Ökonomisch und ökologisch ist das die schlechteste Variante: Wertvolle Solarenergie, die zur Mittagszeit die Strompreise an der Börse dämpfen könnte, geht verloren. Gleichzeitig steigen die Stromkosten für alle, da die verbrauchsnahe Erzeugung künstlich verknappt wird.

Agora Energiewende plädiert daher für einen sanfteren und längeren Übergang. Die vorgesehenen zwei Jahre Vorlaufzeit seien viel zu kurz, um die notwendige digitale Infrastruktur aufzubauen. Nötig sei eine Verschiebung der verpflichtenden Direktvermarktung auf 2031. In der Übergangszeit müssten die Voraussetzungen für eine digitale und unkomplizierte Marktteilnahme geschaffen werden.

Dazu gehören laut den Experten standardisierte digitale Schnittstellen, eine automatisierte Marktkommunikation und ein beschleunigter Smart-Meter-Ausbau. Erst dann könnten Vermarkter und Aggregatoren in einen echten Wettbewerb um effiziente Lösungen treten. Ziel müsse es sein, die jährlichen Vermarktungskosten für Kleinanlagen durch digitale Prozesse auf unter 50 Euro zu senken.

Die Verlängerung der fixen Einspeisevergütung würde das staatliche EEG-Konto 2030 mit nur rund 160 Millionen Euro an zusätzlichen Förderkosten für Neuanlagen belasten. Angesichts der Gesamtausgaben von aktuell rund 8 Milliarden Euro für die Solarförderung sind das Peanuts. Zumal die Kosten des EEG-Kontos ab Beginn der nächsten Dekade einbrechen dürften, da die teuren Altanlagen aus den Boomjahren um 2010 sukzessive aus der zwanzigjährigen Förderung fallen.

Sollte die Direktvermarktung die Wirtschaftlichkeitsschwelle bis 2031 trotzdem nicht erreichen, schlägt der Thinktank eine Rückfalloption vor. Die Verteilnetzbetreiber sollten dann verpflichtet werden, den Strom privater Kleinanlagen gebündelt zum aktuellen Börsenstrompreis zu vermarkten und die Erlöse abzüglich Bearbeitungsgebühr an die Prosumer weiterzureichen.

Zugleich warnen die Forscher vor einer Überforderung der Anlagenbetreiber bei der parallel debattierten Reform der Netzentgelte. Zwar sei eine stärkere Beteiligung von Solaranlagenbesitzern an den Netzkosten prinzipiell fair, da sie die Infrastruktur weiter als Backup nutzten. Ein geplanter Grundpreis dürfe aber rund 100 Euro pro Jahr nicht überschreiten. Alles darüber würde die Rentabilität privater Solarsysteme endgültig vernichten und den Ausbau zum Erliegen bringen.

Die Energiewende im Eigenheim bleibt der Studie zufolge dennoch ein Erfolgsmodell, wenn sie ganzheitlich gedacht wird. Wer Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Mobil kombiniert, senkt seine Gesamtenergiekosten im Vergleich zu fossilen Technologien um rund ein Drittel und schützt sich vor künftigen Preisschocks auf den Rohstoffmärkten. Damit dieser Kostenvorteil nicht nur einkommensstarken Haushalten vorbehalten bleibt, fordert die Denkfabrik eine staatliche Unterstützung für finanziell schwächere Familien. Durch soziale Leasingmodelle für E-Fahrzeuge und Wärmepumpen sowie maßgeschneiderte Förderprogramme ließe sich die soziale Teilhabe an der Energiewende sichern.

(nie)

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