Das prestigeträchtige Rechenzentrumsprojekt „Stargate UK“ gerät weiter unter Druck. Wie die britische Tageszeitung Guardian berichtet, haben OpenAI-Vertreter offenbar eines der zentralen Grundstücke, das für den Aufbau der geplanten KI-Infrastruktur vorgesehen war, nie vor Ort besichtigt. Obwohl die britische Regierung bereits mit einem potenziellen Investitionsvolumen von bis zu 20 Milliarden britischen Pfund geworben hatte.
Hintergrund ist eine Ankündigung aus dem September 2025: Damals stellte OpenAI in einem Blogeintrag Stargate UK als KI-Infrastruktur-Partnerschaft mit Nvidia und dem britischen Rechenzentren-Betreiber Nscale vor. Ziel war es nach eigener Darstellung, die „souveränen Rechenkapazitäten des Vereinigten Königreichs“ zu stärken, also die Fähigkeit des Landes, große KI-Modelle im eigenen Rechenzentrum zu trainieren und zu betreiben. Beabsichtigt war, bis zum ersten Quartal 2026 bis zu 8000 Nvidia-GPUs von Nscale anzumieten, perspektivisch sollten es sogar bis zu 31.000 der Rechenbeschleuniger werden. Cobalt Park, ein Technologiepark in Nordengland sollte dafür der Schlüsselstandort werden. Doch eine Anfrage nach dem britischen Informationsfreiheitsgesetz, ein „freedom of information request“ des Guardian lieferte jetzt zutage: Weder OpenAI noch Nscale waren jemals vor Ort. Lediglich eine Delegation von Nvidia sah sich das Gelände an.
20 Milliarden rein hypothetische Pfund
Die Rechnung ging nicht auf. Im April 2026 pausierte OpenAI das Projekt – offiziell wegen hoher Energiekosten und regulatorischer Unsicherheit. Ein OpenAI-Sprecher erklärte: „Wir prüfen Stargate UK weiterhin und werden die Entwicklung fortsetzen, sobald die Rahmenbedingungen – wie etwa regulatorische Vorgaben und Energiekosten – langfristige Infrastrukturinvestitionen ermöglichen.“
Bemerkenswert ist, wie hypothetisch die genannten Summen offenbar von Beginn an waren. Ein Teil der von der britischen Regierung beworbenen 20 Milliarden Pfund gilt einem Guardian-Bericht zufolge eher als „potenzielle“ Größe und war nie als verbindliche Zusage hinterlegt.
Die fraglichen 20 Milliarden Pfund waren Teil des Investment-Projekts mit einem Umfang von insgesamt 30 Milliarden Pfund. Der amerikanisch-britische Pakt sollte Fortschritte in Bereichen wie Arzneimittelentwicklung oder grüner Energie vorantreiben und tausende Arbeitsplätze schaffen. Die restlichen 10 Milliarden kommen vom US-Investmentunternehmen Blackstone. Dieses setzt ein geplantes Rechenzentrum im britischen Blyth dem Guardian zufolge auch wirklich um.
Das Ganze fügt sich in Stargate ein, das US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 als neue KI-Infrastruktur-Allianz angekündigt hatte – getragen von OpenAI, Oracle, SoftBank und dem MGX, einem staatlichen Fonds der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Zielvolumen: bis zu 500 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren und Stromerzeugung, bei einer Anfangsfinanzierung von rund 100 Milliarden US-Dollar. Ob Stargate UK jemals in der beworbenen Größenordnung realisiert wird, bleibt vorerst offen.
(nen)










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