Die US-Finanzaufsicht CFTC und die New Yorker Bundesanwaltschaft haben weitreichende Ermittlungen gegen Online-Wettbörsen wegen mutmaßlichen Insiderhandels eingeleitet. Wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet, haben die Behörden umfassende Informationen von den Betreibern Kalshi und Polymarket angefordert. Im Zentrum stehen verdächtige Wetten, die mit politischen Ereignissen, Gesetzesvorhaben und militärischen Operationen zusammenhängen.
Demnach nutzen Akteure offenbar vertrauliche Informationen aus US-Behörden, um von Kursschwankungen auf den Prognosemärkten zu profitieren. David Miller, Leiter der zuständigen CFTC-Abteilung, erklärte, dass die Behörde konkrete Anklagen vorbereite. Das Problem habe mittlerweile „schwerwiegende Konsequenzen für die Marktintegrität und das Vertrauen“.
Interne Prüfungen und gesperrte Politiker
Die betroffenen Tech-Unternehmen führen laut dem WSJ-Bericht bereits seit Längerem eigene Untersuchungen durch. Die Plattform Kalshi habe in der Vergangenheit über 200 Fälle untersucht. Aktuell prüfe das Unternehmen, ob Ehepartner von Militärangehörigen mit Geheimwissen gewettet haben. Kürzlich habe Kalshi zudem drei Kongresskandidaten gesperrt, weil diese unzulässigerweise auf ihre eigenen Wahlergebnisse gesetzt haben sollen.
Der Anbieter Polymarket meldete laut seinem Chefjuristen Neal Kumar fast 100 verdächtige Krypto-Wallets an die Behörden. Der Dienst kommt zwar ohne Identitätsprüfung aus, öffentliche Blockchain-Daten erleichtern den Ermittlern jedoch die Nachverfolgung auffälliger Gewinne.
Neben Wetten auf Wahlausgänge untersuchen die Behörden laut WSJ auch konkrete Marktbewegungen bei Rohstoffen. So sollen Ermittler am 23. März einen sprunghaften Anstieg bei Wetten auf Öl-Futures registriert haben, nur wenige Minuten bevor US-Präsident Donald Trump via Social Media einen Aufschub von Angriffen auf iranische Kraftwerke verkündete. Die Nachricht ließ die Ölpreise deutlich fallen, woraufhin das Weiße Haus Mitarbeiter explizit vor dem Missbrauch ihrer Positionen warnte.
Juristische Grauzone bei Prognosemärkten
Die Ermittler stehen dabei vor einer juristischen Herausforderung: Die US-Gesetze zum Insiderhandel wurden für klassische Aktienmärkte konzipiert und greifen bei Wetten auf politische oder militärische Entscheidungen oft nicht eindeutig. Angesichts der zunehmenden Brisanz hat der US-Senat seinen Mitgliedern den Handel auf solchen Prognosemärkten im vergangenen Monat explizit untersagt.
Die CFTC unter der aktuellen Trump-Administration unterstützt die Ausweitung dieser Wettbörsen grundsätzlich. Darüber hinaus agiert der Sohn des Präsidenten, Donald Trump Jr., als bezahlter Berater für Kalshi und ist Investor bei Polymarket. Auch in der jüngeren Vergangenheit gerieten die Plattformen immer wieder in den Fokus: Zuletzt kam es im April zur Verhaftung eines US-Soldaten, der geheimes Insiderwissen über einen geplanten Militäreinsatz zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ausgenutzt haben soll.
Nicht zugelassen in Deutschland
Während die Popularität von Prognosemärkten zunimmt, bleibt der rechtliche Status in vielen Ländern restriktiv. Polymarket ist gegenwärtig in 33 Staaten nicht nutzbar, darunter auch Deutschland, wo der Dienst wegen strenger finanzrechtlicher Auflagen offiziell blockiert ist.
(egia)









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