Seit einigen Wochen ist die digitale Suche nach Mitgliedsausweisen der NSDAP in einem US-Nationalarchiv sehr einfach. Seither finden dort viele Deutsche ihre Verwandten und fragen sich: Waren meine Großeltern oder Urgroßeltern nur aus Opportunismus in der Partei von Adolf Hitler – oder waren sie überzeugte Nazis?
„Klar war es von Vorteil, der NSDAP beizutreten“, sagt der Berliner Historiker Götz Aly. Im SZ-Podcast „Auf den Punkt“ erklärt er, dass die NSDAP vor allem junge, aufstiegsorientierte Menschen anzog, die durch die Wirtschaftskrise und Perspektivlosigkeit frustriert waren. Viele traten der NSDAP also aus Opportunismus bei, um beruflich voranzukommen.
Zudem erklärt Aly, wie viele Deutsche von den monströsen Verbrechen der Nazis profitiert haben, beispielsweise durch den Raub jüdischen Eigentums, und dann eine „Verbrechensgemeinschaft“ gebildet haben. Man könne aus dieser Zeit lernen, „wie nicht kriminelle Menschen in ein solches System hineingezogen werden können“.
Aber es habe, sagt der Historiker, auch "Leute gegeben, die im Zweiten Weltkrieg schwere Verbrechen begangen haben und waren niemals Mitglied der NSDAP”. Umgekehrt habe „es Leute in der NSDAP gegeben, die gesagt haben, bei den Euthanasie-Morden mache ich als Arzt nicht mit. Das kann ich mit meinem ärztlichen Gewissen nicht vereinbaren.“
Zum Weiterlesen:
Hier lesen Sie die SZ-Rezension des neuen Buches von Götz Aly, „Wie konnte das geschehen?“, das 2025 im S. Fischer Verlag erschienen ist.
Den Text von Moritz Baumstieger über das geöffnete US-Archiv lesen Sie hier.
Und den Text von Joachim Käppner darüber, ob eine Mitgliedsnummer ausreicht, um die eigene Familiengeschichte zu verstehen, finden Sie hier.
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