Befürchtungen über einen akuten Mangel an Prozessoren für Notebooks und Desktop-PCs scheinen sich zu bewahrheiten. Hersteller klagen, dass insbesondere Intel ihre Bestellungen nicht erfüllen könne. Es kommen zum einen zu wenige Modelle und zum anderen drängt Intel angeblich zum Wechsel auf die aktuelle, aber teurere Generation Core Ultra 300 und Core 300.
Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Nikkei Asia unter Verweis mehrerer Industriequellen. Bislang waren Notebooks mit älteren Raptor-Lake-Prozessoren aufgrund ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses beliebt. Raptor Lake erschien ursprünglich als Core i-1300 und Core i-13000, später legte Intel sie als Core 100 und Core 200 neu auf.
Auch in Deutschland sind Raptor-Lake-Modelle weiterhin beliebt. Das meistgesuchte Notebook mit Intel-CPU im Geizhals-Preisvergleich ist ein Gerät mit Core i7-13650HX. In den Top 30 befinden sich elf Raptor-Lake-Notebooks.
Fokus liegt auf Servern
Intel hat seit Ende 2025 jedoch Produktionskapazitäten zu margenträchtigen Serverprozessoren umgeschichtet und verkauft verbleibende Raptor-Lake-CPUs offenbar am liebsten an Hersteller von Industrie-PCs, weil auch dort höhere Preise drin sind. Hier soll sich die Liefersituation sogar verbessert haben. Raptor Lake entsteht noch mit älterer Intel-7-Fertigungstechnik, mit der die Firma auch die Xeon-5-Serie Emerald Rapids und die I/O-Dies der Xeon-6-CPUs herstellt.
Seit dem Aufkommen von KI-Agenten kaufen Cloud-Hyperscaler und Serverbetreiber wieder mehr Prozessoren. Sowohl AMD als auch Intel sind ausgebucht.
Nikkei Asia zitiert exemplarisch einen Manager eines PC-Herstellers, der laut eigenen Angaben 100 Prozessoren mit Intel-7-Technik bestellt hat. 30 CPUs sollen angekommen sein, darunter allerdings zehn Modelle mit Intel-18A-Technik, also Core Ultra 300 (Panther Lake) oder Core 300 (Wildcat Lake). Hersteller sehen sich gezwungen, diese Modelle trotz höherer Preise zu nehmen, um überhaupt an Prozessoren zu kommen.
Prozessorkrise akut
Ein anderer Manager gab demnach zu bedenken, dass der Mangel an Prozessoren inzwischen schwerer wiegen soll als beim Speicher. „Wir können beim Speicher die Kapazität und Spezifikation senken, aber wir können kein Notebook und keinen PC ohne einen Prozessor ausliefern. Das ist ein großes Problem“, zitiert die Nachrichtenagentur die Quelle.
„Um ehrlich zu sein, haben PC-Hersteller im letzten Jahr einige Modelle auf Basis von 18A entwickelt, hauptsächlich als Gefälligkeit gegenüber Intel, da der Chip teuer und die Marktnachfrage relativ gering ist, weil er zu premium ist“, zitiert Nikkei Asia einen Manager. „Aber jetzt ist die Situation völlig anders. Wir müssen mehr 18A-Modelle produzieren, sonst gehen die CPUs an andere.“
Intel kann sich freuen, da die Firma so die 18A-Produktionslinien ausgelastet bekommt. Immerhin: Der jüngst vorgestellte Core 300 alias Wildcat Lake ist mit sechs CPU-Kernen so klein entworfen, dass er trotzdem recht günstig bleiben dürfte. Chinesische Notebooks starten damit bei umgerechnet unter 500 Euro.
Intels Finanzchef David Zinsner bestätigte schon im Oktober 2025, dass die Fertigungskapazität für Intel 7 und auch Intel 10 zu knapp ist. In einer Analystenkonferenz Ende April führte Zinsner aus, dass im Laufe des Jahres der Durchsatz der vorhandenen Produktionslinien steigen soll. Ohne zusätzliche Linien dürfte die Auswirkung jedoch gering bleiben.
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(mma)








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