Erstmals in der Geschichte des Europäischen Patentamts (EPA) hat die Zahl der jährlichen Anmeldungen die Marke von 200.000 überschritten. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Index „Technology Dashboard 2025“ hervorgeht, stieg die Zahl der Einreichungen im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 201.974.
Das entspricht einem Zuwachs von 1,4 Prozent. Die USA behaupteten dabei ihre Spitzenposition als Herkunftsland. Doch Fernost holt rasant auf: China steigerte seine Anmeldungen um 9,7 Prozent und verdrängte Japan so erstmals vom dritten Platz in dem globalen Ranking.
Der asiatische Aufstieg spiegelt sich in den technologischen Trends wider. Die Computertechnik bleibt mit einem Plus von 6,1 Prozent das führende Feld, maßgeblich angetrieben durch Innovationen in den Bereichen KI (+9,5 Prozent) und Quantentechnologie (+37,9 Prozent). Einen starken Wachstumsschub unter den Top-Sektoren verzeichnete auch die digitale Kommunikation mit einem Sprung von 11,4 Prozent, was vor allem dem weltweiten Wettlauf um die 6G-Technologie geschuldet ist. In diesem dynamischen Umfeld festigten Konzerne wie Samsung, Huawei und LG ihre Positionen als die drei weltweit aktivsten Patentanmelder.
Deutschland behauptet sich
Trotz des enormen Drucks aus Asien behauptet sich Deutschland als Motor bei den Patentaktivitäten Europas, die oft als Innovationsindex herangezogen werden. Die Bundesrepublik liegt im weltweiten Vergleich auf Rang zwei und ist innerhalb der 39 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation (EPO) die Nummer eins. Zwar gingen die deutschen Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr leicht um 2,2 Prozent zurück. Doch hiesige Firmen zeigten Stärke in zukunftskritischen Nischen. So übertraf das Wachstum deutscher Patentanmelder in der Computertechnik mit 10,3 Prozent sogar das Niveau der Konkurrenz aus den USA und China.
Mit Siemens auf Platz sechs und BASF auf Platz acht finden sich zudem zwei deutsche Schwergewichte unter den globalen Top 10 der Einreicher. Patente auf Software „als solche“ sind in Europa nicht zulässig, doch das EPA hat längst diverse Umgehungsstrategien für dieses Verbot gefunden.
Innerhalb Deutschlands verteidigt München seinen Titel als führende Patentstadt Europas. Ein weiterer Aspekt der neuen Statistik betrifft die Vielfalt: In 26 Prozent der europäischen Anmeldungen ist mindestens eine Frau als Erfinderin genannt, wobei Spanien hier mit einer Quote von 42 Prozent europaweit führt.
Technologische Souveränität und Einheitspatent
EPA-Präsident António Campinos wertet den Index als Beleg für die Attraktivität des europäischen Marktes, mahnt jedoch zur Wachsamkeit. Die Übersicht helfe politischen Entscheidungsträgern, Fortschritte zu erfassen und Lücken in strategischen Sektoren wie Halbleitern, Gesundheit und KI zu identifizieren, um die technologische Souveränität zu stärken. Ein Lichtblick sei das lange umstrittene, 2023 dann doch noch eingeführte Einheitspatent, das 2025 schon für fast 29 Prozent aller erteilten gewerblichen Schutzrechte genutzt wurde. Bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie Hochschulen liegt die Quote sogar bei über 48 Prozent.
Auch außerhalb Europas wächst das Interesse an diesem vereinfachten Schutzsystem spürbar. Besonders chinesische Patentinhaber bauen zunehmend auf das Einheitspatent, wobei ihre Nutzungsrate auf 22,6 Prozent kletterte.
(wpl)










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